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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hedge-Fonds Marktneutrale Hedge-Fonds glänzen im volatilen Umfeld

 ·  Während es an den internationalen Börsen seit Wochen turbulent zugeht, verbuchen etablierte Hedge-Fonds zum Teil deutliche Wertzuwächse. Die so genannten Long-Short-Fonds konnten in dieser Phase von fallenden Kursen profitieren.

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Nach mehreren Jahren des Booms geht es an den Börsen seit einigen Monaten wieder turbulent zu. In einem Umfeld stark schwankender oder gar fallender Kurse stoßen bei Anlegern Hedge-Fonds wieder auf mehr Interesse als während des Booms.

Das dürfte kaum verwundern. Denn ihre ursprüngliche Idee war und ist darauf ausgerichtet, unabhängig von der Entwicklung an den Märkten eine im Durchschnitt stetige, überdurchschnittliche und vor allem auch möglichst verlustfreie Wertentwicklung zu erzielen.

Ursprüngliche Hedge-Fonds-Idee: Marktneutralität

Ein Blick auf die Wertentwicklung der vergangenen Wochen und Monaten zeigt, dass erprobte marktneutrale Hedge-Fonds genau das leisten können. Sie schnitten in dieser Phase deutlich besser ab als der breite Markt. Längerfristig liegt die grundsätzliche Stärke des Konzeptes darin, in Schwächephasen der Börsen größere Kursverluste zu vermeiden oder gar Kursgewinne zu erzielen, während sie sich in Boomphasen vergleichsweise solide entwickeln.

Das originäre Hedge-Fonds-Konzept wird heute vor allem durch so genannte marktneutrale oder Long-Short-Strategien verkörpert. Fonds dieser Kategorie setzen gleichzeitig sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse. Das heißt, sie können gute gegen schlechte Marktsegmente oder Einzelwerte ausspielen und auf diese Weise das allgemeine Marktrisiko deutlich reduzieren. Eine Analyse von Lipper TASS zeigt, dass Long-Short-Strategien mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 12,2 Prozent vom Jahr 1994 bis Ende 2007 mit die höchste Durchschnittsrendite unter allen Hedge-Fonds erzielen konnten. Auf Sicht von zwölf Monaten führt die Gattung die Rangliste der Fonds mit der besten Wertentwicklung an.

An ihrer Spitze liegt der Sabre Funds des australischen Vermögensverwalters Mathews Capital mit einem Wertzuwachs von satten 262 Prozent. Fondsmanager Philip Mathews hatte früh auf die fulminante Preisentwicklung im Energie- und Rohstoffbereich gesetzt. Schon im Jahr 2005 war er davon ausgegangen, dass der Ölpreis in folgenden Jahren bis auf 100 Dollar je Barrel klettern werde. Damit und mit der entsprechenden Ausrichtung seines Portfolios lag er richtig (siehe auch: „Wir setzen nach wie vor auf Energie und Rohstoffe“ sowie Hedge Fonds Sabre: Ölaktien als Erfolgsrezept).

Weit vorne in der Rangliste liegen auch mehrere China- und Schwellenländerfonds. Ihre Wertentwicklung kann auf Sicht eines Jahres von der Vergangenheit zehren, da die chinesische Börse noch bis zum Oktober des vergangenen Jahres deutliche Kursgewinne verbuchen konnte. Inzwischen kam es jedoch zu einer deutlichen Kurskorrektur, die sich in den kommenden Monaten mit einiger Wahrscheinlichkeit an der Wertentwicklung der China-Hedge-Fonds negativ ablesen lassen wird. Dagegen dürften sich Brasilien- und Russland-Fonds weiterhin vergleichsweise gut schlagen. Immerhin zeigen sich beide Aktienmärkte bisher relativ robust.

Odey European profitiert vom Kursverfall der Finanzwerte

Mit dem OEI MAC liegt ein typischer Long-Short-Fonds auf Platz neun der Rangliste. Dabei handelt es sich um einen so genannten Feeder Fund, der primär in den Odey European Inc investiert. Manager Crispin Odey befindet sich mit seiner Mannschaft und diesem Produkt schon seit 1991 im Markt und konnte in dieser Zeit eine durchschnittliche Jahresrendite von knapp 16 Prozent erzielen. Wer im Jahr 1991 einen Betrag von 100 Euro investierte, kann inzwischen knapp das Zehnfache in seinem Depot wieder finden. Der Vergleichsindex kam gerade einmal auf eine Durchschnittsrendite von 8,7 Prozent.

Der Odey European Inc war Mitte des laufenden Monats zu 81 Prozent auf steigende Aktienkurse, zu knapp 82 Prozent auf fallende Aktienkurse, zu 18 Prozent auf korrigierende Rentenmärkte, zu knapp 17 Prozent auf eine Konsolidierung an den Rohstoffmärkten und zu 40 Prozent auf Bewegungen am Devisenmarkt ausgerichtet.

Der Fonds erzielte alleine im vergangenen Jahr einen Wertzuwachs von knapp 55 Prozent. Der größte Teil davon kam von Wetten gegen die europäischen Finanz-, Einzelhandels- und Bauwerte auf der so genannten „Short-Seite“. Dagegen gibt es „Longs“ im Nahrungsmittel-, im Chemie und im Versicherungssektor. Damit scheint der Fonds die Entwicklung der Märkte in den vergangenen Wochen wenn nicht mitbestimmt, so doch genau getroffen zu haben. Solche Fonds dürften sich auch in Zukunft robust entwickeln können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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