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Hedge-Fonds In der Klemme

17.11.2008 ·  Mittelabflüsse in Milliardenhöhe und Refinanzierungsprobleme haben die Branche in eine gefährliche Situation gebracht. Ein Teufelskreis ist entstanden, aus dem manche vorläufig nur die Verweigerung retten kann.

Von Bettina Schulz
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Noch nie ist es Hedge-Fonds so schlecht gegangen wie in diesen Wochen. Bis Ende des Jahres wird die kaum regulierte Branche, deren Umfang auf weltweit 11.000 Fonds geschätzt wird, schwer zu kämpfen haben. Zu Jahresbeginn könnte eine große Konsolidierungswelle einsetzen.

Die Finanzmärkte werden in Zukunft mit einer geschwächten Branche leben müssen. Dies dürfte zwar einige Missstände bereinigen. Aber es nimmt den Finanzmärkten auch Investoren, die in Risiken investieren, die sonst am Markt nicht zu plazieren sind.

Nicht teurer, sondern gar nicht

Am schlimmsten trifft Hedge-Fonds die inzwischen extreme Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. Die Banken müssen bis Jahresende verstärkt darauf achten, ihre Kreditrisiken zurückzufahren. „Es wäre nicht so schlimm, wenn sich die Kreditvergabe an uns nur verteuern würde; damit könnten wir leben“, sagt der Vertreter eines Hedge-Fonds, der nicht genannt werden möchte. „Aber Banken gewähren mitunter überhaupt keinen Kredit mehr an Hedge-Fonds.“ Zahlreiche Fonds müssen daher ohne Fremdfinanzierung leben, können also ihren Kapitaleinsatz nicht mehr hebeln und erzielen damit nicht mehr annähernd die Renditen, die noch vor wenigen Monaten möglich waren.

Der dramatische Wertverfall in fast allen Segmenten des Finanzmarkts hat den Hedge-Fonds nach Angaben von HFRI Hedge-Fund Research in diesem Jahr bis Oktober einen Verlust von 15,5 Prozent beschert. Dies ist schon jetzt mit Abstand das katastrophalste Jahr der Branche überhaupt. Die Verluste bedeuten zudem, dass fast alle Fonds nur mit der Verwaltungsgebühr von 2 Prozent der Anlagemittel auskommen müssen, die die Fonds allenfalls kostendeckend operieren lässt.

Im Teufelskreis

Wegen der verlustreichen Entwicklung der Fonds versuchen zudem immer mehr Investoren, ihr Geld aus Hedge-Fonds abzuziehen. Nach Schätzungen von Morgan Stanley könnte dies bedeuten, dass die Vermögenswerte der Branche im vierten Quartal um 24 Prozent auf 1,3 Billionen Dollar fallen dürften. Die Branche wurde Ende dieser Woche mit einer neuen Kündigungswelle von Anlagegeldern konfrontiert.

Dies stürzt die Hedge-Fonds in einen Teufelskreis: Je mehr Gelder die Fonds an ihre Investoren zurückzahlen müssen, desto mehr liquide Anlagepositionen an den Finanzmärkten müssen sie auflösen. Dies beschleunigt den Preisverfall an den Aktienbörsen, Devisen- und Rohstoffmärkten. Was wiederum die Rendite der Fonds drückt und zu höheren Margen-Anforderungen ihrer Hausbanken führt. Das stürzt die Fonds in neue Liquiditätsengpässe und lässt manche Investoren aus Furcht um die Stabilität der Fonds noch mehr Mittel abziehen.

Zahlungsverweigerung

Zahlreiche Hedge-Fonds haben allerdings vertraglich vereinbarte Beschränkungen von Mittelabflüssen greifen lassen, sogenannte „Gates“. Sie erlauben nur eine bedingte und eingeschränkte Mittelrückzahlung. Diese „Gates“ sind in der Regel Bestandteil von Hedge-Fonds-Verträgen, um einen „Run“ auf die Fonds im Interesse aller Investoren zu verhindern.

Einige Hedge-Fonds haben inzwischen auch die radikale Aussetzung von Rückzahlungen verfügt. Diese Suspendierung von Rückzahlungen ist vertraglich für Extremfälle vorgesehen. Sie wird von Hedge-Fonds angewendet, um das Anlegerinteresse der Investoren zu schützen, die lieber abwarten wollen, ob sich die Situation wieder bessert - sich die Fonds also im neuen Jahr vielleicht wieder refinanzieren können und die Finanzmärkte erholen.

Hedge-Fonds weigern sich auch, Mittel auszuzahlen, nur weil Dachfonds ihren eigenen Anlegern monatliche Liquidität zugesagt haben - obwohl die Einzelfonds, in die die Dachfonds investieren, wesentlich längere Kündigungszeiten vereinbart haben.

Unter Beschuss

Die Anbieter von Hedge-Fonds stehen politisch unter Beschuss, wie die Anhörung von Vertretern der Fonds vor dem amerikanischen Kongress am vergangenen Donnerstag zeigte.

Obwohl nach einer globalen Umfrage von der Anwaltskanzlei Allen & Overy die Mehrheit der Marktteilnehmer für eine stärkere Regulierung der Fonds plädiert, sind die konkreten Schritte umstritten: So können die von Hedge-Fonds genutzten Leerverkäufe nicht verboten werden, weil sie für Industrie- und Agrarunternehmen, Minengesellschaften und die Ölindustrie wichtige Absicherungsgeschäfte ermöglichen.

Gleichzeitig wird sich die mitunter extreme Nutzung von Fremdkapital über die künftig schärferen Kreditvergabebedingungen der Banken an die Hedge-Fonds von selbst erledigen.

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