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Hedge-Fonds Gefallene Stars der Wall Street kommen wieder

12.10.2009 ·  Nach ihrer Entlassung wegen hoher Verluste haben sich Händler von Morgan Stanley und der Deutschen Bank selbständig gemacht. Was sie tun? Sie gründen wieder Hedge-Fonds.

Von Norbert Kuls
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Von Zoe Cruz hatte man an der Wall Street lange nichts mehr gehört. Noch vor fast zwei Jahren hatte sie als Kronprinzessin bei der Investmentbank Morgan Stanley gegolten. Dann kamen die Finanzkrise und ein Verlust von 4 Milliarden Dollar wegen einer verlorenen Wette auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt. Cruz, die in den Handelssälen von Morgan Stanley aufgestiegen war und zuletzt 30 Millionen Dollar im Jahr verdiente, war für den Bereich verantwortlich, in dem die Verluste anfielen. Das markierte das vorläufige Ende der Karriere für eine der damals mächtigsten Frauen an der Wall Street.

Jetzt meldet sich Zoe Cruz zurück. Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass sie Mitarbeiter für einen neuen Hedge-Fonds rekrutiert, den sie gerade gründet und den sie Voras Capital Management nennen will. Voras bedeutet auf Griechisch „Norden“ und ist der Name einer Bergregion in der Nähe ihres griechischen Geburtsorts. Mit dem Fonds will Cruz in faule Vermögenswerte investieren und makroökonomische Wetten auf Währungen und Wertpapiere abschließen.

Milliarden verzockt

Cruz ist nicht der einzige gefallene Star der Wall Street, der sich selbständig macht und darauf vertraut, dass reiche Privatanleger und institutionelle Investoren trotz der Fehltritte während der Krise ihre Millionen investieren. So hat Boaz Weinstein vor kurzem die Hedge-Fonds-Gesellschaft Saba Capital gegründet. Weinstein stand noch im vergangenen Jahr in den Diensten der Deutschen Bank und leitete dort den Handel mit Kreditpapieren.

Mit Wetten auf komplexe Finanzinstrumente hatte er der Bank jahrelang satte Gewinne beschert. Das hatte ihm die Bank in guten Jahren mit 40 Millionen Dollar entlohnt. Im vergangenen Jahr hatte seine Gruppe von Händlern allerdings 1,8 Milliarden Dollar Verlust angehäuft. Im Januar zog die Deutsche Bank die Reißleine, schloss die Abteilung Weinsteins und reduzierte das Risiko im Eigenhandel deutlich.

Schrumpfende Nachfrage, steigendes Angebot

Den neuen Kunden Weinsteins machen die horrenden Verluste der jüngsten Vergangenheit offenbar keine Sorgen. Saba Capital, für die ein Team ehemaliger Deutsche-Bank-Händler arbeitet, hat von meist institutionellen Anlegern schon 250 Millionen Dollar erhalten. In der Branche, die von milliardenschweren Fonds wie Och-Ziff oder Paulson & Co. dominiert wird, gilt das aber als relativ klein.

Weinstein, einst einer der besten Schachspieler der Vereinigten Staaten, glaubt jedoch weiter an sich. Noch nicht mal am Namen seines Hedge-Fonds hat er etwas geändert. Schon bei der Deutschen Bank nannte er seine Gruppe von Händlern Saba, was auf Hebräisch „großväterliche Weisheit“ bedeutet.

Die Neugründungen der prominenten Krisenopfer gehen gegen den Trend. Denn amerikanische Hedge-Fonds, deren Anlagen im Zuge der Finanzkrise stark an Wert verloren hatten, leiden unter Mittelabflüssen. Erst vor einem Monat war bekanntgeworden, dass Kunden der prominenten New Yorker Beteiligungsgesellschaft Cerberus rund 70 Prozent des verwalteten Vermögens aus zwei Hedge-Fonds abgezogen hatten. Andere Fonds zogen sich nach Verlusten ganz aus dem Geschäft zurück.

Die wegen einer Attacke auf die Deutsche Börse bekanntgewordene Hedge-Fonds-Gesellschaft Atticus schließt zwei ihrer Fonds. Anleger haben in den vergangenen drei Quartalen weltweit 300 Milliarden Dollar aus Hedge-Fonds abgezogen, berichtet der Informationsdienst Hedge-Fonds Research. Auf dem Höhepunkt des Branchenaufschwungs vor zwei Jahren hatten diese Investmentvehikel fast 1,9 Milliarden Dollar verwaltet. Damals hatte es einen beständigen Strom talentierter Wertpapierhändler oder Analysten gegeben, die ihre Jobs bei Banken aufgaben, um sich selbständig zu machen und reich zu werden.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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