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Hedge Fonds Europas Hedge-Fonds-Branche stemmt sich gegen den Welttrend

18.04.2006 ·  Hedge Fonds sind in Deutschland genauso neu wie immer noch umstritten. Doch weder hierzulande noch europaweit hindert dies die Branche wirklich am Wachstum - gegen den weltweiten Trend.

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Über kaum eine Branche wird soviel geschrieben und geheimnist wie um Hedge Fonds. Noch bevor sie in Deutschland zugelassen wurde, wurde heftig darum diskutiert und bisher hat dies kaum nachgelassen.

Die Dynamik in der Branche ist immens und das Jahr 2005, das ja auch ein gutes Jahr an den Finanzmärkten war, zeigt dies deutlich. Nach einer Studie des Branchendienstes Hedge Fund Research (HFR) war 2005 ein Rekordjahr - zumindest soweit es die Neugründung von Hedge Fonds betrifft.

Hohe Fluktuation

Das vergangene Jahr brachte mit insgesamt 2.073 neuen Hedge Fonds weltweit so viele Neuemissionen wie noch nie. 2004 betrug diese Zahl lediglich 1.435. In Europa wurden nach einer Veröffentlichung des britischen Analysehauses Eurohedge 334 neue Fonds aufgelegt. Das war fast ein Drittel mehr als im Vorjahr, als 250 neue Produkte auf den Markt kamen.

Andererseits ist die Fluktuation hoch. Denn im gleichen Zeitraum wurden weltweit 848 Hedge Fonds geschlossen, fast dreimal soviel wie 2004 als 296 Fonds aus dem Markt gingen. Der Nettozugang wuchs auf diese Weise sehr viel bescheidener, nämlich nur um 7,55 Prozent.

Eurohedge macht indes keine Angaben darüber, wie viele Hedge Fonds in Europa im vergangenen Jahr geschlossen wurden. Zwar dürfte es eine gewisse Fluktuation gegeben haben, indes zeigte sich Europa nach Angaben von Eurohedge deutlich stärker als der globale Trend.

Europa stemmt sich gegen den weltweiten Trend

Denn während die Hedge-Fonds-Industrie weltweit im vergangenen Jahr einen Rückgang der Zuflüsse verzeichnet, flossen in Europa 27,82 Milliarden Dollar in neue Hedge Fonds. 2004 waren es noch 22,8 Milliarden gewesen. Dagegen wurden weltweit nur noch rund 33 Milliarden Euro neu investiert, nach dem es 2004 noch 61 Milliarden gewesen waren, wie der amerikanische Hedge-Fonds-Spezialist Hennessee Group berichtete.

Zwar ist in Europa die durchschnittliche Fondsgröße zurückgegangen, doch führt Eurohedge dies auf eine außergewöhnliche hoher Zahl großer Fonds zurück, die 2004 aufgelegt wurden. 2004 betrug die Durchschnittsgröße noch 90 Millionen Dollar gewesen, 2005 waren es im Schnitt nur noch 83 Millionen.

In Deutschland hält die Fluktuation weiter an, was aufgrund der Jugend des Segments nicht weiter überrascht. Jüngst erst verabschiedete sich die Münchener Privatbank Merck Finck aus dem Geschäft mit Dach-Hedge-Fonds und schloß den „DB Platinum II MF Hedge No. 1“ aufgrund schwacher Renditen. Zuletzt verwaltete der Fonds auch nur noch ein Vermögen von zehn Millionen Euro.

Deutschland: „Langsames Wachstum, aber stetig“

Allerdings ist dieser Fonds wie auch der Anfang März geschlossene Münchener Einzel-Hedge-Fonds Lion kein Produkt gewesen, das nach deutschem Recht aufgelegt wurde. Der Lion-Fonds war auf den Bermudas angesiedelt, der Merck-Finck-Fonds wurde über die Luxemburger Fondsplattform der Deutschen Bank verwaltet.

Jedenfalls kann von einem breiten Rückzug deutscher Kapitalanlagegesellschaften nach Ansicht des Fondsbranchenverbandes BVI keine Rede sein. Seinen Angaben zufolge liegt in den derzeit 26 Hedge-Fonds nach deutschem Recht ein Vermögen von 1,3 Milliarden Euro verwaltet. Ein Jahr davor waren es noch 1,01 Milliarden Euro gewesen. Das Geschäft wachse langsam, aber stetig.

Indes hat die Durchschnittsgröße der Fonds ebenfalls abgenommen. Betrug diese vor einem Jahr noch 631,5 Millionen Euro, so waren es Ende Februar 2006 nur noch 506 Millionen. Dazu dürfte das starke Wachstum beigetragen haben. Denn von den 26 deutschen Hedge Fonds wurden zehn in den zwölf Monaten von März 2005 bis Februar 2006 aufgelegt, zwölf in den diesem Zeitraum vorangegangenen zwölf Monaten.

Schwellenländerfonds mit hohem Wachstum

Europaweit erfreuten sich besonders die klassischen Long-Short-Fonds weiterhin großer Beliebtheit. Denn mit 110 Neugründungen stammt fast jeder dritte neue Fonds aus dieser Kategorie. Geht man indes nach dem Mittelaufkommen, so macht die Kategorie nur 26 Prozent aus. Long-Short-Manager nutzen die relative Entwicklung verschiedener Aktien zueinander aus.

Den stärksten prozentualen Zuwachs legten jedoch die Hedge-Fonds für Schwellenländer hin. Das Volumen vervierfachte sich rund auf 2,563 Milliarden Dollar. Im Vergleich der Kategorien waren diese Fonds damit relativ groß, doch die schwersten Fonds stammten aus dem Bereich der Multi-Strategy-Fonds, also Fonds, die im Grunde ohne festgelegte Strategie operieren. Diese Hedge-Fonds-Klasse war hinter den Long-Short-Fonds mit insgesamt 3,4 Milliarden Dollar Anlagevolumen die schwerste, auch wenn ihr Anteil an den Neugründungen mit 4,5 Prozent eher verschwindend gering war.

Den stärksten Rückgang verzeichneten im vergangenen Jahr hingegen Hedge Fonds, die mit Kreditderivaten spekulieren. Dort sank das Volumen der Neugründungen von drei Milliarden Dollar im Vorjahr auf nur noch 1,1 Milliarden, nachdem es im Mai in diesem Sektor zu einer Krise gekommen war.

Der große Erfolg der Long-Short und Emerging Funds erklärt sich nicht zuletzt aus ihrer Wertentwicklung. Denn nach Daten des Branchendienstes Greenwich-Van sind es diese beiden Kategorien gewesen, die sich 2005 am besten entwickelt haben. Zumindest bis Ende Februar konnten sie diese Entwicklung auch fortsetzen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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