18.08.2009 · Alfred Winslow Jones lancierte vor 60 Jahren, im Jahr 1949, den ersten Hedge-Fonds der Welt. So konnten Anleger erstmals von fallenden Kursen profitieren. Lange blieb ihr Aufstieg unbemerkt.
Von Christian von HillerIn diesen Wochen feiern Hedge-Fonds, die vielleicht am meisten gehassten Anlagevehikel, Jubiläum. Vor 60 Jahren, im Jahr 1949, kam der erste Hedge-Fonds der Welt auf den Markt. Der Amerikaner Alfred Winslow Jones lancierte damals einen Fonds, der nicht auf steigende Kurse angewiesen war, um eine positive Rendite abzuwerfen. Er setzte Fremdkapital ein und profitierte so auch von fallenden Kursen. Dabei kam Jones gar nicht aus der Finanzbranche. Er war damals Herausgeber des politischen Magazins "Time" und der Wirtschaftszeitschrift "Fortune".
Heute stehen Hedge-Fonds in der Öffentlichkeit für skrupellose Fondsmanager, die ohne Rücksicht auf soziale Belange die höchstmögliche Rendite aus ihren Geldanlagen ziehen wollen und sich dabei auch durch juristische Finessen den Aufsichtsbehörden entziehen. Dabei ist das Spektrum der Hedge-Fonds sehr viel größer als das der "Heuschrecken", von denen im April 2005 der SPD-Politiker Franz Müntefering sprach. Die Attacke griff eine Stimmung in der Bevölkerung gegen Beteiligungskapitalfonds auf, die Unternehmen kauften und diesen anschließend hohe Schulden aufbürdeten. Politiker auf der ganzen Welt sahen in den kaum regulierten Hedge-Fonds einen Auslöser der Finanzkrise. Heute ist es Ziel der internationalen Finanzaufsichtsbehörden, Regulierungslücken zu schließen und mehr Transparenz bei Hedge-Fonds zu schaffen.
Freibeuter der Finanzmärkte
Die öffentliche Wahrnehmung von Hedge-Fonds war schon positiver. Eine Zeitlang galten sie als Freibeuter der Finanzmärkte, als verwegene, aber anständige Haudegen, die sich wie Errol Flynn im Piratenfilm "Captain Blood" den Gängeleien der Obrigkeit widersetzten, um ein Leben in Freiheit zu führen.
Jones ging es nicht darum, den Kapitalismus zu zersetzen. Er wollte ein Finanzprodukt schaffen, das die Anleger unabhängiger vom Auf und Ab der Finanzmärkte macht. Das Ziel ist aktueller denn je. Viele Wertsicherungskonzepte, Garantie-Fonds oder Absolute-Return-Strategien stellen dies den Anlegern in Aussicht. So gesehen sind ungezählte Anleger und lebensversicherte Investoren in Produkten der Hedge-Fonds-Branche engagiert. Klassische Investmentfonds legen das Geld, das sie bei Anlegern einsammeln, in Aktien oder Renten an und hoffen, dass die Kurse steigen. Hedge-Fonds dagegen unterwerfen sich nicht der strikten Regulierung der Aufsichtsbehörden und verlassen sich nicht allein auf Börsenglück.
Sie setzen in hohem Maß Terminkontrakte, Optionen, aufgenommene Kredite oder auch Leerverkäufe ein, um das Portfolio entweder gegen einen Kursverfall abzusichern (daher der Name "hedge", absichern) oder um die Rendite zu steigern. Da jedoch ein direkter Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko besteht, sind Hedge-Fonds oft riskanter als klassische Investmentfonds, zumal Hedge-Fonds meist an Finanzplätzen registriert sind, die für niedrige Steuern, eine hohe Diskretion und eine minimale Finanzmarktaufsicht bekannt sind. Die Cayman-Inseln oder die Bahamas sind als Standorte der Hedge-Fonds beliebt.
In den fünfziger Jahren erlebten Hedge-Fonds eine erste Blüte in den Vereinigten Staaten, verloren dann jedoch an Bedeutung. Ihr Aufstieg begann wieder in den neunziger Jahren. Für Furore sorgte damals mit seinen Quantum Funds George Soros, der später zum Kapitalismuskritiker wurde. Soros gelang es 1992 mit einer waghalsigen Strategie, das britische Pfund aus dem Europäischen Währungssystem (EWS) zu feuern. Er verkaufte 10 Milliarden Pfund auf Kredit, so dass die Bank of England nicht mehr die festen Wechselkurse des Pfund gegenüber den anderen EWS-Währungen halten konnte. Sie musste ihre Währung abwerten und aus dem EWS austreten. Danach konnte Soros die von Banken geliehenen Pfund zum niedrigeren Kurs zurückkaufen. Die Wette brachte den Quantum Funds in nur einer Woche, wenn auch in einer dramatischen, einen Gewinn von 1 Milliarde Dollar.
Branche weit gefächert
Dramatisch war auch der Zusammenbruch von Long-Term Capital Management (LTCM) im Jahr 1998, einem Hedge-Fonds von John Meriwether, für den die Wirtschaftsnobelpreisträger Myron Samuel Scholes und Robert Merton arbeiteten. Der Hedge-Fonds hatte 1998 auf eine Verringerung der Renditen für Staatsanleihen in Europa spekuliert. Eine Währungskrise in Russland führte jedoch dazu, dass die Anleger in Sicherheit flüchteten und beispielsweise italienische Staatsanleihen gegen deutsche Bundesanleihen verkauften. Die Fehlspekulation ließ LTCM so ohrenbetäubend zusammenbrechen, dass nur eine breit angelegte Rettungsaktion eine schwere Krise des internationalen Finanzsystems abwendete.
Obwohl Hedge-Fonds derzeit politisch in der Defensive stehen, ist die Branche weit gefächert. Ihre Zahl ist seit 1990 von 610 auf zuletzt rund 8900 gestiegen. Davon sind rund 6700 Single-Hedge-Fonds und gut 2200 Dach-Hedge-Fonds. In Deutschland sind 9 Dach-Hedge-Fonds registriert und 13 Single-Hedge-Fonds. Hinzu kommen rund 90 deutsche Zertifikate auf Hedge-Fonds mit einem Anteil von knapp 3 Prozent am deutschen Zertifikatemarkt. 1990 waren in Hedge-Fonds weltweit 38,9 Milliarden Dollar investiert. 820 Milliarden Dollar waren es im Jahr 2003. Aktuell sind es 1430 Milliarden Dollar.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |