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Hedge-Fonds Die Fieberkurve der griechischen Schuldenkrise

Hedge-Fonds sollen schon im Oktober auf Zahlungsprobleme Griechenlands gesetzt haben. Die Wette ist aufgegangen. Jedoch stellt sich die Frage, wer den Ausfallschutz verkauft hat.

© F.A.Z. Vergrößern

FRMit dem Handel auf das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hat sich in den vergangenen fünf Monaten prächtig verdienen lassen. Das verdeutlicht die Preisentwicklung für Kreditausfallversicherungen auf das finanzschwache Euro-Land: Am 16. Oktober 2009 kostete der Credit Default Swap (CDS), mit dem sich Investoren gegen eine Zahlungsunfähigkeit Athens absichern, noch 123 Basispunkte (1,23 Prozentpunkte). Dies entsprach einer jährlichen Prämie von 12.300 Euro, um eine Forderung von 1 Million Euro abzusichern. Am 4. Februar mussten die Versicherungsnehmer dafür 42.820 Euro zahlen, eine mehr als dreimal so hohe Gebühr. Die Risikoprämie Griechenlands, im Marktjargon CDS-Spread genannt, ist die Fieberkurve der Schuldenkrise.

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Denn die Verteuerung der Ausfallversicherung spiegelt die geringere Kreditwürdigkeit des Landes. Die Spekulationen am CDS-Markt begannen nach dem 4. Oktober 2009, als die griechischen Sozialisten ihren Wahlerfolg feierten. Zwei Wochen später teilte die neugewählte Regierung den Euro-Partnerländern mit, dass die Defizitquote im Jahr 2009 bei 12,7 Prozent der wirtschaftlichen Leistung (Bruttoinlandsprodukt) liegen werde.

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Zaghaft, aber stetig

Das war ein Schock, denn die konservative Vorgängerregierung hatte gerade mal die Hälfte prognostiziert. Die neue Schätzung für das Haushaltsdefizit habe bereits die ersten Hedge-Fonds auf den Plan gerufen, berichtet ein Londoner CDS-Händler, der für eine große amerikanische Bank arbeitet. Angesichts der Vorgeschichte Griechenlands, das sich mit gefälschten Haushaltsstatistiken den Beitritt zur Währungsunion erschlichen hatte, war die Wette auf Zahlungsprobleme Griechenlands zum damaligen Zeitpunkt aussichtsreich. Diese Wette ist inzwischen aufgegangen.

Der Anstieg der griechischen Risikoprämie verlief anfangs noch zaghaft, aber stetig. Mag sein, dass Hedge-Fonds die marode Haushaltssituation Athens als Erste erkannt haben und mit wenig Kapitaleinsatz am CDS-Markt auf einen Kursverfall griechischer Anleihen gesetzt haben. Doch der Auslöser für diese Spekulation war der Offenbarungseid der neuen griechischen Regierung. Auch die weiteren Sprünge im CDS-Spread werden von fundamentalen Faktoren begleitet. Am 8. Dezember 2009 stufte die Rating-Agentur Fitch die Bonitätsnote Griechenlands von „A-“ auf „BBB+“ herab. Das Euro-Land befand sich in seiner Kreditwürdigkeit plötzlich auf einer Stufe mit Estland oder Südafrika. Eine Woche später folgte Standard & Poor's. Auch hier flogen die Hellenen aus der „A“-Klasse, die eine

besonders gute Zahlungsfähigkeit beschreibt. In diesem Zeitraum übersprang der CDS-Preis erstmals die Marke von 200 Basispunkten. Mit den Rating-Herabstufungen nahm die Angst vor einem möglichen Zahlungsausfall Griechenlands an den Finanzmärkten und in den Euro-Partnerländern sprunghaft zu.

Ungewöhnlich hoher Zinskupon

Ein erster Höhepunkt wurde erreicht, als das griechische Finanzministerium Ende Januar eine neue fünfjährige Anleihe begab. Das Angebot von 8 Milliarden Euro stieß auf eine mehr als dreimal so hohe Nachfrage der Investoren. Dies war nur auf dem ersten Blick ein beruhigendes Signal. Denn Griechenland musste die Anleihe mit einem ungewöhnlich hohen Zinskupon von 6,1 Prozent ausstatten. Damit spielte das Land vom Risikoaufschlag her auf einmal in einer Liga mit Vietnam. Dies nährte am Anleihemarkt Zweifel, dass Griechenland zu diesen Konditionen seinen Schuldendienst über längere Zeit aufrechterhalten kann. Erst recht, wenn im April und Mai 20 Milliarden Euro refinanziert werden müssen.

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Veröffentlicht: 20.02.2010, 08:00 Uhr

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