Die amerikanische Börsenaufsicht SEC geht ungewöhnliche Wege, um Anleger vor Verlusten bei Risikofonds zu schützen: Sie betreibt eine fiktive Internet-Seite „www.growthventure.com/grdi/“, die so aussieht, als sei sie die Startseite für einen Risikofonds, auch Hedgefonds genannt.
Der vermeintliche Fonds heißt "Guaranteed Returns Diversified, Inc.", was garantierte Renditen suggeriert. Wer sich bei dem Fonds anmelden will, stößt aber nicht auf zusätzliche Informationen, sondern auf eine drastische Warnung der SEC. "Wenn Sie auf eine Anlageidee wie diese reagiert hätten . . ., könnten Sie betrogen werden", heißt es unmißverständlich.
Hedgefonds richten sich auch an Privatanleger
Vor nicht allzu langer Zeit waren Hedgefonds ausschließlich eine Anlageform für reiche Privatanleger oder institutionelle Investoren wie Pensionsfonds. Die Fonds verlangten in der Regel eine Mindestanlage von 250.000 Dollar. Aber die Zeiten und die Klientel haben sich geändert. Mittlerweile richten sich Hedgefonds auch an Privatanleger mit kleinerem Budget - weshalb die SEC Warnhinweise ins Internet stellt. Auch in Deutschland bieten einige Banken den Kauf von Hedgefonds-Zertifikaten an.
Hedgefonds umgibt eine geheimnisvolle Aura, weil sie über ihre Anlagepolitik keine Auskunft geben müssen. Denn im Gegensatz zu regulären Investmentfonds unterstehen Hedgefonds in Amerika nicht der Börsenaufsicht und werden kaum kontrolliert. Die Chancen der Hedgefonds sind groß, weil sie oft große Wetten eingehen - aber deswegen sind auch die Risiken hoch. Kaum fünf Jahre ist es her, daß der Beinahekollaps des riesigen Hedgefonds Long-Term Capital Management eine weltweite Finanzkrise auszulösen drohte. Im vergangenen Monat brach ein 300 Millionen Dollar schwerer japanischer Hedgefonds zusammen. Zudem ermitteln die amerikanischen Aufsichtsbehörden gegen Hedgefonds, die möglicherweise mit irreführenden Analysen Aktienkurse manipuliert haben. Schlagzeilen machten aber auch legendäre Coups wie die Wette gegen das britische Pfund und die italienische Lira, mit der Hedgefonds-Manager George Soros vor zehn Jahren innerhalb eines Tages eine Milliarde Dollar verdiente.
Hedge Fonds haben mehr „Anlagefreiheit“ als normale Fonds
Zu der steigenden Nachfrage nach dieser Anlageform trägt bei, daß Hedgefonds - anders als normale Investmentfonds - über Leerverkäufe auch von fallenden Kursen profitieren können. Dabei verkauft der Fondsmanager geliehene Aktien. Fallen die Kurse, kauft er die Aktien auf dem niedrigeren Niveau zurück und verbucht die Differenz als Gewinn. Neben Leerverkäufen engagieren sich Risikofonds zum Beispiel auch im Ausnutzen von Kursunterschieden (Arbitrage), in Ramschanleihen oder in Wetten auf Schwellenländer. Hedgefonds ist zudem erlaubt, "mit Hebel" zu arbeiten, also geliehenes Geld zu investieren und damit die Eigenkapitalrendite - im günstigen Fall - beträchtlich zu steigern. Demgegenüber sind die Anlagestrategien von traditionellen Investmentfonds limitiert.
Der neue SEC-Chef William Donaldson will Hedgefonds jetzt aber möglicherweise stärker regulieren. Der frühere New Yorker Börsenchef sagte bei seiner Anhörung vor dem Senat, daß er sich wegen der Risiken sorge, die die Fonds für weniger erfahrene Kleinanleger darstellten. Die SEC hat bereits Ermittlungen gegen Hedgefonds aufgenommen, die Anleger möglicherweise unzureichend über Risiken informiert haben.
Verschärfte Regulierung wird Wachstum nicht verhindern
Trotz der erwarteten Verschärfung der Regulierung rechnen Fachleute weiter mit einem starken Wachstum der Branche. Das verwaltete Vermögen der mittlerweile fast 6.000 Hedgefonds hat sich weltweit innerhalb der vergangenen vier Jahre auf rund 600 Milliarden Dollar verdoppelt. Das Wertpapierhaus Putnam Lovell prognostiziert, daß das Vermögen bis ins Jahr 2010 auf rund zwei Billionen Dollar anwachsen werde. Der Bedarf von potentiellen Kunden ist nach Einschätzung von Fachleuten hoch. "Nach drei Jahren mit weltweit fallenden Aktienkursen machen sie sich keine Illusionen über traditionelle Investmentmanager mehr, die zwar ihre Vergleichsmarke schlagen, dabei aber trotzdem Geld verlieren", schreibt Byron Wien, Anlagestratege der Investmentbank Morgan Stanley. Er spielte damit darauf an, daß viele Aktienfondsmanager im vergangenen Jahr schon zufrieden waren, wenn sich ihr Fonds nicht ganz so schlecht entwickelte wie der S&P-500-Aktienindex - der um 23 Prozent fiel. Manager von Hedgefonds versuchen dagegen, bei jeder Marktlage Gewinn zu machen.
Hedgefonds haben den Rest der Branche zwar um Längen geschlagen, aber das vergangene Jahr war trotzdem kein Ruhmesblatt. Die Fonds haben nach Angaben des Informationsdienstes CSFB Tremont 2002 im Durchschnitt nur drei Prozent Gewinn erwirtschaftet. Das liegt deutlich unter der angepeilten Jahresrendite von durchschnittlich zwölf Prozent. Im längerfristigen Vergleich schneiden Hedgefonds besser ab als der Gesamtmarkt. Von 1990 bis September 2002 haben Hedgefonds nach Angaben von Morgan Stanley durchschnittlich 14,2 Prozent Gewinn gemacht. Der S&P 500 stieg dagegen im gleichen Zeitraum nur um 10,4 Prozent pro Jahr.
Traditionelle Häuser legen Hedgefonds auf
Marktbeobachter rechnen nun damit, daß traditionelle Investmenthäuser verstärkt Hedgefonds auflegen werden, um die Nachfrage zu bedienen. Bereits in Hedgefonds investierte institutionelle Anleger wollen deren Anteil im Portfolio erhöhen. "Die große Frage ist, ob es genug Management-Kapazitäten in der Hedgefonds-Branche gibt, um die bereits bestehende Nachfrage zu absorbieren", gibt Stratege Byron Wien zu bedenken. Einige der Investmentstrategen, die in jüngster Zeit große Investmentbanken verlassen haben, wollen ihr Glück in der Branche versuchen. So will Barton Biggs, der globale Anlagestratege von Morgan Stanley, einen Hedgefonds gründen, um Geld für Morgan-Kunden zu vermehren.
Im vierten Quartal scheint das Interesse an den Risikofonds aber nachgelassen zu haben. Neue Geldzuflüsse sind einer Umfrage des Finanzdienstleisters LJH Global Investments zufolge um 20 Prozent zurückgegangen. Die Anleger zollten dem schwachen Aktienmarkt und der Schließung zahlreicher meist kleiner Fonds Tribut. Investoren scheinen angesichts der unsicheren Marktlage wohl doch sicherere Anlagen zu bevorzugen. (nks)