25.05.2009 · Manche Anleger schauen wieder minütlich oder gar sekündlich auf jede Zuckung des Aktienmarktes. Die Versessenheit hat ihren guten Grund: Jeder Indexpunkt kann bei riskanten Hebelzertifikaten über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Von Daniel MohrInteresse an der Entwicklung des Dax haben einige Millionen Deutsche. Den meisten von ihnen reicht es allerdings aus, gelegentlich in der Zeitung oder den Nachrichtensendungen über das Wohl und Wehe des wichtigsten deutschen Aktienbarometers informiert zu werden.
Einigen tausend Anlegern geht dies jedoch anders: Sie schauen minütlich oder gar sekündlich auf jede Zuckung des Leitindex. Die Versessenheit hat ihren guten Grund: Jeder Indexpunkt kann über den Erfolg oder Misserfolg ihrer Geldanlage entscheiden.
Riskante Wertpapiere mit großen „Hebeln“
So waren am Montag Turbo-Optionsscheine aus dem Hause HSBC Trinkaus mit Hebeln von mehr als 250 im Handel. Steigt der Dax nur um 0,1 Prozent, gewinnt der Anleger, der auf steigende Notierungen gesetzt hat, 25 Prozent. Fällt der Dax hingegen entgegen der Erwartung des Anlegers um einen Zehntelprozentpunkt, so verzeichnet der Anleger einen Wertverlust von 25 Prozent. Marktentwicklungen gegen die eigene Erwartung von wenigen Zehntelprozentpunkten reichen somit schon aus, um die Papiere nahezu wertlos verfallen zu lassen (siehe auch Die aktuellen "Ausfälle" bei Hebelzertifikaten und Frankfurt: Die aktuellen „Ausfälle” bei Hebelzertifikaten).
Eine Randerscheinung sind diese hoch spekulativen Papiere am deutschen Wertpapiermarkt längst nicht mehr. Die Anlegerschar, die auf tagesaktuelle Kursveränderungen am Aktienmarkt zockt, wächst rasant und wird in Deutschland auf mehrere Zehntausend geschätzt. „Täglich frisch“ legt daher Goldman Sachs jeden Morgen neue Dax-Mini-Futures auf, bei denen Anleger mit Hebeln von 20 oder 30 auf steigende oder fallende Kurse des Dax setzen können.
Die Frische der Produkte hält jedoch oft nicht lange: am Montag fiel der Dax um kurz vor zehn Uhr unter 4.850 Punkte. Diese Bewegung von gerade einmal 1,5 Prozent nach unten reichte aus, um das gerade aufgelegte Papier auf steigende Notierungen bereits nahezu wertlos verfallen zu lassen. Die Kehrseite der Medaille: Derjenige, der an diesem Tag auf zunächst fallende Kurse gesetzt hatte, lag zu dem Zeitpunkt rund 50 Prozent im Plus.
Nur wenige Minuten am Kapitalmarkt
Da in schwankungsfreudigen Märkten durchaus häufiger am selben Tag sowohl die Papiere auf steigende wie auch die auf fallende Dax-Notierungen wertlos verfallen können, sind andere Anbieter bereits dazu übergegangen, innerhalb eines Tages für die zockerfreudigen Anleger für Nachschub zu Sorgen. HSBC Trinkaus waren im März die Ersten am deutschen Markt, die damit begannen. „Die heißesten Eisen schmieden wir jetzt auch Intraday“, ließ die Privatbank verlauten.
Über einen E-Mail-Newsletter wird die Anlegerschar stets in Kenntnis gesetzt, wann gerade neue Produkte auf den Markt gebracht werden. „Wir schaffen uns immer am Vortag Hülsen für etwa 10 neue Produkte“, sagt Christian Köker, Zertifikateexperte bei HSBC Trinkaus. „Wann und mit welcher Ausgestaltung die Produkte dann auf den Markt kommen, hängt immer vom Tagesgeschehen ab.“ Da die Schwellen, die beim Durchbrechen zum nahezu wertlosen Verfall der Papiere führen, bewusst nahe an den aktuellen Dax-Notierungen gewählt werden, ist es manchen Produkten beschieden, nur wenige Minuten das Licht des Kapitalmarktes erblickt zu haben.
Neue Bereitschaft zum Zocken
Andere wiederum können auch mehrere Tage, Wochen und Monate am Markt verbleiben, ohne die Verfallsgrenze zu durchbrechen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn sich der Dax ohne großes Zögern nach der Emission des Produktes in die richtige Richtung bewegt.
War zu Beginn des Marktsegmentes nur der außerbörsliche Handel möglich, ist dies nun auch an den Börsen Scoach in Frankfurt und nach einer Mitteilung vom Montag auch bei der Euwax in Stuttgart möglich. Untertägige Neuemissionen werden sofort gelistet und börslich handelbar gemacht. Neuemissionen während des Börsenhandels werden auf den Internetseiten veröffentlicht. Neben HSBC Trinkaus bietet mittlerweile auch die Commerzbank solche Produkte an.
Die hohe Volatilität an den Märkten in dieser Finanzkrise hat den Handel innerhalb eines Börsentages unter deutschen Anlegern sehr viel beliebter werden lassen. In Deutschland war dieses Marktsegment im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien weit unterentwickelt. Ausfluss der neuen Bereitschaft zum Zocken ist auch der Markteintritt einiger CFD-Anbieter in Deutschland.
Mit diesen Contracts for Difference kann der Anleger ebenfalls mit hohen Hebeln auf die Entwicklung von Aktienindizes, Einzelaktien, Rohstoffen und Währungen spekulieren. In der besonders riskanten Variante muss der Anleger hier sogar Kapital nachschießen - seine Papiere können mehr Wert verlieren, als der Anleger zunächst in sie investiert hat. Der Anleger kann jedoch auch bei CFDs eine Variante ohne Nachschusspflicht wählen. Sein höchstmöglicher Verlust ist dann auf das eingesetzte Kapital beschränkt.
manche lernens einfach nie!
Rüdiger Noll (krn)
- 25.05.2009, 21:14 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |