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Großbritannien Regulatoren machen Kurse

19.09.2008 ·  Um den Aktienmarkt nach den jüngsten Turbulenzen zu „stabilisieren“, sind Leerverkäufe von Aktien 29 britischer Banken und Versicherungsgesellschaften vorerst nicht mehr möglich. Diese Eingriff lässt ihre Kurse stark steigen.

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Die Welt ist ungerecht. Steigende Börsenkurse sind in der Wahrnehmung vieler Anleger und der Regulatoren gute Kurse, fallende Kurse dagegen eine Katastrophe.

So mögen Preise von Vermögenswerten, Aktien und anderen Wertpapieren nach oben laufen, so weit sie können. Niemand wird sich darüber aufregen, sich beschweren oder gar regulatorisch eingreifen. Selbst wenn sich Preis- und Kursbewegungen längst von jedweder ökonomischen Realität abgekoppelt haben. Niemand wird verfolgt, wenn er positive Studien zu bestimmten Unternehmen verbreitet oder gar Übernahmegerüchte streut. Denn steigende Kurse sind gute Kurse.

Fallende Kurse sind „schlechte“ Kurse

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn Kurse fallen. Plötzlich sind Gerüchte ein Drama, plötzlich liegen die Nerven der Anleger blank, plötzlich reden Populisten über die ungerechte Welt des Kapitalismus und ebenso plötzlich kommen Regulatoren und Bürokraten auf die Idee, die Märkte „im Sinne des Allgemeinwohls“ wieder „in geordnete Bahnen“ zu bringen.

Wer jedoch bei fallenden Kursen in die Märkte eingreift, der sollte auch dafür sorgen, dass Preise und Kurse auf dem Weg nach oben - zum Beispiel aufgrund zu tiefer Zinsen - nicht über das Ziel hinausschießen. Denn gerade auf diese Weise wird eine Korrektur mit möglicherweise stark fallenden Kursen überfällig und geradezu provoziert. In dieser Situation ist es nur vernünftig, wenn Anleger auf fallende Kurse setzen, um die Märkte zu „bereinigen“.

Allerdings sind sie in dieser Lage sehr verwundbar. Denn während Aktien nicht unter null fallen können, können sie zumindest unbegrenzt nach oben laufen. Aus diesem Grund werden so genannte „Short-Seller“ immer dann zum Rückkauf der geliehenen und verkauften Papiere an sich schwacher Unternehmen gezwungen, wenn der Markt dreht. Auf diese Weise kann die Kursbewegung alleine schon aus technischen Gründen noch verstärkt werden.

Genau diese Konstellation lässt sich am Freitag an der Börse in London beobachten. Nachdem die britische Börsenaufsicht Financial Services Authority (FSA) Wetten auf sinkende Aktienkurse großer Finanzdienstleister für die nächste Monate untersagt hat, schießen die Kurse der Papiere förmlich nach oben. Der FTSE-100, in dem die Finanzwerte stark gewichtet sind, verbuchte aus diesem Grund im Tagesverlauf Kursgewinne von bis zu acht Prozent.

Stabilisierung oder Manipulation des Marktes?

Um den Aktienmarkt nach den jüngsten Turbulenzen zu stabilisieren, sind Leerverkäufe von Aktien von 29 Banken und Versicherungsgesellschaften bis zum 16. Januar des kommenden Jahres nicht mehr möglich, teilte die FSA am Donnerstag mit. Bestehende Leerverkäufe dürfen von den Anlegern nicht ausgebaut werden. Anleger sind zudem verpflichtet, der FSA „Short-Positionen“ täglich mitzuteilen, sofern sie den Umfang von 0,25 Prozent des Aktienkapitals eines Unternehmens übersteigen.

Die FSA gab eine Liste mit 29 Aktien aus, die sich nur noch unter diesen Beschränkungen handeln lassen. So sind Leerverkäufe zum Beispiel für die Aktien der Großbanken Barclays und Royal Bank of Scotland, der Versicherer Aviva und Standard Life sowie der Hypothekenfinanzierer HBOS und Bradford & Bingley untersagt. Wetten auf fallende Kurse wurden in Großbritannien unter anderem für den Kurssturz bei HBOS verantwortlich gemacht, der den Marktwert der Bank absacken ließ und der der Übernahme durch Lloyds TSB vorausging.

Die Börse reagiert mit einem Kursfeuerwerk auf das Leerverkaufs-Verbot. Die Aktien der Royal Bank of Scotland verbuchen am Freitagmittag einen Kursgewinn von 39 Prozent, der Kurs von HBOS legte um 38,5 Prozent zu, der von Lloyds TSB um 35 Prozent und von Barclays um knapp 32 Prozent. Auf diese Weise machen Regulatoren Kurse und manipulieren den Markt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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