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Gewinnprognosen Hoffnungsschimmer - kritisch hinterfragt

07.04.2009 ·  Wie stark können sich die Gewinne der Unternehmen erholen - das ist die Frage, die sich Anleger mit Blick auf denkbare Kursgewinne an den Börsen stellen. Das Problem: Angesichts der Krise sind sie möglicherweise zu optimistisch.

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Die internationalen Börsen haben sich in den vergangenen Wochen deutlich von ihren Tiefs erholt. Die Marktteilnehmer scheinen davon auszugehen, dass sich die rezessiven Entwicklungen in den Volkswirtschaften in den kommenden Monaten aufgrund der gewaltigen monetären und fiskalischen Impulse überwinden lassen werden.

Das werde die Unternehmen in die Lage versetzen, ihre Gewinne wieder zu steigern, nachdem sie in den vergangenen Monaten aufgrund fallender Umsätze sowie hoher Fix- und Sonderkosten weltweit massiv gefallen waren. Das vergangene Quartal werde schlecht aussehen, heißt es. Die Analysten gehen im Durchschnitt davon aus, dass die Unternehmen, deren Aktien im Standard & Poor's 500 enthalten sind, im Durchschnitt einen Gewinnrückgang von 37 Prozent berichten werden.

Wie stark können sich die Gewinne der Unternehmen erholen?

Massive Gewinnrückgänge werde es im Automobilbereich geben, gefolgt von den Halbleiterwerden, den Banken, der Energie- und Basisgüterbranche, von den Finanzwerten, der Kapitalgüterbranche, dem Einzelhandel, dem Transportbereich und nicht zuletzt auch der Medienbranche. Alleine bei den Herstellern dauerhafter Konsumgüter und den Versicherungsunternehmen werden im ersten Quartal des laufenden Jahres deutliche Gewinnzuwächse erwartet.

Das ist allerdings schon weitgehend Schnee von gestern. Viele Anleger und Strategen gehen davon aus, dass solche Zahlen in Form der Kursverluste der vergangenen Monate schon vorweggenommen worden sind. Sie richten ihren Blick nach vorne rechnen bezogen auf das Gesamtjahr damit, dass sich die Gewinne im laufenden Jahr in Finanz- und Versicherungsbereich deutlich erholen werden. Bei Banken, Rohstoff-, Finanz- und Versicherungsunternehmen und selbst im Automobil- und Halbleiterbereich werde es schon im vierten Quartal des laufenden Jahres, erwarten sie im Konsens.

Im kommenden Jahr rechnen sie mit einer weiteren Verbesserung der Ertragslage der Unternehmen. Die Erwartungen gehen davon aus, dass Jahr 2010 die Halbleiterunternehmen ihre Gewinne nach einem schwachen Jahr 2009 massiv werden steigern können. Deutliche Gewinnsteigerungen werde es zudem im Finanzsektor, in der Automobilbranche sowie im Energie- und Rohstoffbereich geben.
Auch wenn die Anleger in den vergangenen Wochen in Antizipation solcher Erwartungen ihren Risikoappetit gesteigert und schon einmal zugegriffen haben dürften sie sich insgeheim fragen, was der Konsens wert ist. In den vergangenen Dekaden mag es nach massiven wirtschaftlichen und Kurseinbrüchen regelmäßig zu deutlichen Erholungen gekommen sein.

Es lässt sich nicht immer von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen

Allerdings ist fraglich, ob man immer wieder von den Erfahrungen der Vergangenheit auf die Zukunft schließen kann. Immerhin unterscheidet sich die gegenwärtige Lage deutlich von der der Vergangenheit. Erstens ist die Welt inzwischen deutlich globalisierter geworden. Zweitens viele Staaten und Konsumenten deutlich stärker verschuldet als in der Vergangenheit, während die Aktien weltweit allenfalls auf Basis optimistischer Erwartungen günstig aussehen mögen.

Viele der Konsumenten, die sich in der Vergangenheit scheinbar unersättlich zeigten und unter Inkaufnahme immer größerer Schulden immer mehr kauften, stehen inzwischen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Vor allem jene in den angelsächsischen Staaten dürften in den kommenden Jahren erst einmal ihre Bilanzen sanieren müssen. Das heißt, sie werden künftig weniger nachfragen, nachdem in der Vergangenheit viele der weltweit hergestellten Produkte letztlich bei ihnen landeten. Genau das kann das Wachstum weltweit in einer Phase bremsen, in der es in vielen Branchen Produktionsüberkapazitäten gibt. Diese Nachfragelücke werden die Staaten, die sich nun bei die Lemminge in schuldenfinanzierte Konjunktur- und Anreizprogramme stürzen, kaum ausgleichen können. Vielfach verstärken diese die schon bestehenden und auch von G20 nicht adressierten Makroungleichgewichte nur noch zusätzlich.

Kritische Anleger werden aus diesen Gründen zwar kurz- und mittelfristig entstehende „Hoffnungstrends“ mitnehmen. Allerdings dürften sie dazu neigen, sich gegen jederzeit denkbare Rück- oder Tiefschläge abzusichern und sich pragmatisch an neue Entwicklungen anzupassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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