Die nachfolgende Grabrede dürfte so manchem Wall-Street-Experten und Privatanleger die eine oder andere Träne in die Augen drücken. „Wir nehmen heute Abschied von unserem werten Freund, Herrn „Zweistellig“.
Über mehrere Jahre hinweg war er ein standhafter Partner der Anleger, und man könnte sogar sagen, dass wir ihn ob seiner gewinnenden Art als für alle Zeiten gegeben ansahen. Fürwahr, er erfreute sich bis zuletzt robuster Gesundheit. Doch nach nunmehr achtzehn aufeinander folgenden Quartalen verlässlichen Überschreitens der uns sehr ans Herz gewachsenen magischen zehn Prozent wurde er aus dem Leben abberufen. Er wird immerdar zwei Plätze in unseren Herzen einnehmen.
Amerikanische Gewinne legten im vierten Quartal nur noch einstellig zu
Nach etlichen Diskussionen darüber, ob das Ertragswachstum des S&P-500 noch ein weiteres Quartal die Hürde von zehn Prozent überspringen könnte, steht das Ergebnis nun fest. Am dritten April gab Standard & Poor's bekannt, dass die operativen Gewinne des Index' im vierten Quartal des Jahres 2006 gegenüber dem Vergleichsquartal 2005 um 8,9 Prozent zunahmen. Damit endet die seit dem ersten Quartal des Jahres 2002 andauernde Gewinnsträhne zweistelliger Ertragszuwächse. Für das Gesamtjahr 2006 verzeichnete der Index ein Wachstum von 14,7 Prozent gegenüber 13,0 Prozent im Jahr 2005.
„Dieser Rückgang war bereits für das zweite Quartal [2006] erwartet worden, doch die Verbraucherausgaben, die aus hohen Energiepreisen resultierenden Gewinne und die starke Konjunktur sorgten für Schub“, sagt Howard Silverblatt, leitender Analyst bei S&P. „Das vierte Quartal war jedoch ein Spiegelbild der Folgen einer sich verlangsamenden Wirtschaft, der Schwierigkeiten auf dem Automobil- und Hausbaumarkt sowie des starken Preiswettbewerbs im Handel mit Unterhaltungselektronik während der Weihnachtssaison.“
Im vierten Quartal verzeichneten sowohl operative als auch ausgewiesene Gewinne ihren jeweils zweithöchsten Quartalswert mit 197 Milliarden Dollar (gegenüber dem Rekordwert von 207 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2006) beziehungsweise 182 Milliarden Dollar (gegenüber dem Rekordwert von 193 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2006). Für das Gesamtjahr präsentierten operative und ausgewiesene Gewinne ihre jeweils höchste Jahressumme, wobei operative Gewinne 790 Milliarden Dollar verzeichneten (2005: 694 Milliarden Dollar), während ausgewiesene Gewinne 734 Milliarden Dollar verbuchten (2005: 634 Milliarden Dollar).
Unterschiedliche Entwicklung in den Branchen
Die einzelnen Sektoren entwickelten sich im vierten Quartal sehr unterschiedlich. Der Material- und Werkstoffsektor legte um 47 Prozent zu, teilweise bedingt durch das schwache Vergleichsquartal des Vorjahres, während der Energiesektor aufgrund gesunkener Ölpreise und härteren Wettbewerbs einen Rückgang von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufwies. Auf das Gesamtjahr gesehen lagen alle zehn Sektoren des S&P-500 im positiven Bereich, wobei sieben Sektoren mit zweistelligen Zuwächsen glänzten. Der Informationstechnologiesektor, der mit Ertragsrückgängen im zweiten und vierten Quartal (minus 2,66 Prozent und minus 2,80 Prozent) zu kämpfen hatte, verbuchte einen Jahreszuwachs von 1,3 Prozent.
Doch unweigerlich geht der Blick zurück auf die abgerissene Gewinnsträhne. „Wenn man sich vor Augen hält, dass die viereinhalb Wachstumsjahre die längsten in der Geschichte des S&P-500 waren, dann stellen einstellige Ertragszuwächse doch eine nahezu perfekte Landung dar“, so Silverblatt.