21.11.2005 · Fonds, die in amerikanische Lebensversicherungspolicen investieren, wurden im vergangenen Jahr zum Renner. Doch der Markt scheint ausgetrocknet zu sein.
Lebensversicherungen deutscher Provenienz gehören immer noch zum Standard-Vorsorgeprodukt der meisten Deutschen. Dabei gilt schon seit Jahren die Erkenntnis als gesichert, daß sie kaum Rendite abwerfen. Als Alternative galten Lebensversicherungs-Fonds, besonders mit amerikanischen Lebensversicherungen.
Besonders interessant waren sie allerdings zunächst unter dem Aspekt der Steuerersparnis. Denn nachdem den Steuersparfonds die Möglichkeit genommen wurde, schon in der Investitionsphase für ordentlich Abschreibungen zu sorgen, stellten diese Fonds steuerfreie Ausschüttungen und Renditen von zehn bis zwölf Prozent in Aussicht. Die Resonanz war enorm. Im ersten Quartal 2004 sammelten sie fast eine Milliarde Euro ein.
Kaum noch attraktive Policen
Doch der Erfolg macht ihnen seitdem das Leben schwer. Zum einen stufen die Finanzbehörden diese vermögensverwaltend konzipierten Fonds bereits seit dem Frühjahr 2004 als gewerblich ein, und der damit verbundene Wegfall der Steuerfreiheit schmälert die Erträge.
Zum anderen macht der Markt nicht mehr so recht mit. Amerikanische Lebensversicherungen entsprechen Risikolebensversicherungen ohne Laufzeitbegrenzung. Die Fonds erwirtschaften die Rendite dadurch, daß sie Policen ankaufen, deren Inhaber nur eine kurze Lebenserwartungen haben - typischerweise innerhalb der acht bis zwölf Jahre, die die Laufzeit des Fonds beträgt. Dabei wird häufig mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von fünf Jahren kalkuliert.
Doch Policen dieser Art sind, so Thomas Schmitt von der Augur Capital Group, die sich auf die Beratung von Investoren im Versicherungsbereich spezialisiert hat, „im Markt aber kaum verfügbar“. Unlängst entschloß sich der Fondsinitiator HPC Capital in einem spektakulären Schritt, den Vertrieb seines Lebensversicherungsfonds US Life 4 einzustellen und sogar den Fonds zurückabzuwickeln.
HPC stellt Vertrieb eines Fonds ein
HPC begründete den Schritt damit, daß der Markt für den Einkauf von amerikanischen Lebensversicherungspolicen seit einigen Monaten „zunehmend enger geworden“ sei. Die Renditen dürften durch zunehmende Kapitalzuflüsse aus dem asiatischen Raum und Südamerika in Zukunft noch weiter sinken. Die Preise seien seit Marktbestehen stetig gestiegen, so daß allenfalls noch kleinere Volumina zu attraktiven Konditionen erworben werden könnten.
Andere Anbieter, so Schmitt, gingen andere Wege und wählten Gutachter für ihre Lebensversicherungspolicen, die viel zu kurze Lebenserwartungen prognostizieren. Das bedeutet im Klartext, daß nicht nur die Renditeprognosen im Vertrieb befindlicher Fonds, sondern auch die in jüngster Zeit aufgelegter Fonds mit einem Fragezeichen versehen muß.
Natürlich betonen die Anbieter, so auch Augur, daß die von Ihnen beauftragten Gutachter über jeden Zweifel erhaben sein. Das mag auch so sein, für den potentiellen Anlegern erhöht es das Risiko dennoch nicht unbeträchtlich, weil er bei den Zusicherungen dem Initiator vertrauen muß.
Das Risiko von Lebensversicherungsfonds auf amerikanische Policen war schon immer nicht unbeträchtlich. Derzeit scheint es um einiges größer geworden zu sein. Wenn Initiatoren den Vertrieb abbrechen, so ist unbedingte Vorsicht geboten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |