Trotz der Bemühungen gegen den von Menschen hervorgerufenen Klimawandel wächst der Ausstoß von Kohlendioxyd heute viermal schneller als noch in den neunziger Jahren. Das ist eine der alarmierenden Erkenntnis einer Umweltkonferenz mit mehr als 1.000 Wissenschaftlern aus aller Welt, die am Sonntag in Peking zu Ende ging.
Der Zuwachs von Kohlendioxyd habe zwischen 2000 und 2005 bei 3,2 Prozent jährlich gelegen, während er von 1990 bis 1999 nur 0,8 Prozent erreicht hatte; der Zuwachs der Treibhausgase laufe der angestrebten Stabilisierung entgegen. Das Polareis schmelze schneller als erwartet, auch weil wärmer werdende Ozeane und eine gestörte Pflanzenwelt weniger Kohlendioxyd aufnähmen als bislang angenommen.
Renditebasis Verschmutzungszertifikate
Was die Politik an Maßnahmen zu bieten hat, ist wenig, fürchten doch Politiker kurzfristige Einbußen an materiellem Wohlstand und daher um ihre Wiederwahl. Dabei haben die Finanzmärkte schon seit Jahren entdeckt, daß sich mit dem Klimaschutz durchaus Geld verdienen läßt. Nachhaltigkeitsfonds finden immer mehr Zuspruch, die Zahl der Zertifikate mit ökologischem Themen steigt und an der European Energy Exchange (EEX) wird rege mit Verschmutzungszertifikaten gehandelt.
Verschmutzungszertifikate sind auch die Basis des Erfolgs für den Klimaschutzfonds, den die Fondsgesellschaft Aquila Capital derzeit zu plazieren bemüht ist. Die Grundidee des Fonds basiert auf den Mechanismen des Kyoto-Protokolls, das 167 Länder unterzeichnet haben. Einer der Mechanismen ist die Handelbarkeit sogenannter Klimaschutzcredits, der verbrieften Emissionsminderungen aus CDM- und JI-Projekten.
Nach dem CDM (Clean Development Mechanism) erhalten Unternehmen aus Industrieländern Emissionsgutschriften, die in Entwicklungsländern in Projekte zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen investieren. Diese erhalten Emissionsminderungszertifikate, die dazu genutzt werden können, eigene Reduktionsverpflichtungen zu erfüllen oder diese auf dem CDM-Markt zu handeln.
Bis zu 15 Prozent Rendite anvisiert
JI-Projekte (Joint Implementation) fördern und belohnen Initiativen zur Emissionsreduzierung zwischen Industrieländern, wie etwa der Ersatz eines Kohlekraftwerks durch eine Wärmekraftkoppelung oder Wiederaufforstungsprojekte. Die kooperierenden Parteien erhalten für ihre gemeinsamen Anstrengungen Emissionsminderungseinheiten.
64 Prozent der bis zu 20 Millionen Euro, die bis zum 31. März 2007 eingeworben werden sollen, sollen in projektbasierenden Klimaschutzcredits investiert werden. 16 Prozent sollen in Kapitalbeteiligungen und ähnliche Investments fließen, 20 Prozent dienen der Sicherung des Erfolgs durch Versicherungen und Termingeschäfte.
Damit will die Gesellschaft eine Rendite von zwölf bis 15 Prozent pro Jahr erzielen. Die geplante Laufzeit beträgt sechs Jahre mit erwarteten Ausschüttungen ab dem dritten Jahr. Der Löwenanteil der Rendite soll indes aus dem Verkauf der Anteile am Ende der Laufzeit resultieren.
Insofern brauchen Anleger langen Atem, bis sie die ersten Erträge auf ihre mindestens 15.000 Euro erhalten, auf die sie obendrein noch maximal fünf Prozent Ausgabeaufschlag zahlen.
Politikabhängiger Markt
Das Thema Klimawandel hat in den vergangenen Wochen wieder Auftrieb bekommen, auch wenn es dem Instrument nicht zuletzt wegen der Blockadehaltung der Vereinigten Staaten umweltpolitisch noch an Durchschlagskraft fehlt. Indes glaubt Aquila-Chef Dieter Rentsch daran, daß Kohlendioxydzertifikate knapp bleiben werden, und setzt wie andere Anleger darauf, daß der Handel mit Verschmutzungsrechten um so stärker zunehmen wird, je mehr Treibhausgase unerlaubt in die Atmosphäre gelangen.
Daß indes der gesamte Markt vom politischen Willen der Regierungen abhängt, muß jedem Anleger bewußt sein. Das wurde nirgends so offenkundig wie im Mai, als die Europäische Union zu früh und unvollständig Emissionsdaten veröffentlichte und damit einen Crash am CO2-Zertifikate-Markt auslöste, von dem sich die Futures (siehe FAZ.NET-Grafiken) seitdem nicht wieder erholt haben.
Erst in jüngster Zeit, nachdem das Thema Klimaerwärmung medial wieder stärker gespielt wurde, beginnt sich eine mögliche Erholung abzuzeichnen. Das gibt dem Fonds ein Risikoprofil, das zu den Renditechancen paßt. Insofern ist der Fonds weniger als Altersvorsorge zu betrachten, denn als Zukunftsinvestition mit all ihren immanenten Risiken. Vor allem sollten Anleger erst einmal abwarten, bis der Prospekt vom Bafin genehmigt wurde. Die bisher verfügbare Broschüre reicht aus, um Appetit zu machen - doch der Teufel steckt bekanntlich in den Details.