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Geschlossene Fonds Trauriges Jahr für Schiffsfonds

13.02.2012 ·  Der Handel mit Schiffsbeteiligungen am Zweitmarkt wird zusehends dünner. Anleger warten auf Besserung, Käufer wählen immer gezielter aus. Besser läuft es für Immobilienfonds.

Von Martin Hock
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Die Krise der Schiffsfonds scheint sich weiter zuzuspitzen. Die auf Schifffahrt spezialisierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft TPW erwartet, dass doppelt so viele Schiffsfonds in Schieflage sind oder geraten werden wie in der Krise der Jahre 2009 und 2010 und rechnet mit 600 bis 800 Sanierungsfällen.

Das zeigt sich auch an der Entwicklung des Segments am Zweitmarkt. Schon im Dezember fiel der Durchschnittskurs für Beteiligungen an Schiffsfonds auf der Handelsplattform der Deutschen Zweitmarkt AG auf wenig mehr als 41 Prozent der Nominale und unterschritt damit das Tief der ersten Krise deutlich.

Viele Beteiligungen sind chancenlos

Nicht anders die Situation an der Fondsbörse Deutschland der Hanseatischen Wertpapierbörse. Auch hier liegt der Durchschnittskurs unter 50 Prozent der Nominale, so Vorstand Alex Gadeberg. Der SFI Tkl. Ship Fund Index ist Dezember unter den Stand von 100 Punkten gefallen und notiert so niedrig wie seit 2003 nicht mehr. Vor allem Containerschiffe steuern auf die niedrigsten Preise seit 1996 zu.

Das ungleich größere Problem seien indes nicht gehandelte Beteiligungen, zu denen vor allem Altkapital aus Sanierungsfällen gehöre. „Dieses notiert oftmals mit 0 bis 20 Prozent der Nominale – wenn es überhaupt gehandelt wird“, sagt Gadeberg.

Auf der Plattform der Deutschen Zweitmarkt AG werden derzeit nur noch rund 30 Prozent der laufenden Schiffsfonds von Käufern nachgefragt. Das Feld der werthaltigen Beteiligungen habe sich extrem dezimiert, sagt Björn Meschkat, Vorstand der Deutschen Zweitmarkt. Zwei- bis dreihundert Beteiligungen seien derzeit noch als werthaltig zu bezeichnen.

Steuern auf Verluste

Gadeberg macht als Grund für das danieder liegende Geschäft neben der schwachen Marktlage auch steuerliche Gründe aus. Der Wechsel aus der Ertragsbesteuerung einer Schiffsbeteiligung zur pauschalen Tonnagesteuer versprach vor einigen Jahren bei einem normalen Geschäftsverlauf eine geringere Steuerlast. Doch wurde damals ein sogenannter Unterschiedsbetrag als Differenz zwischen steuerlichem Buchwert und geschätztem Marktwert des Schiffes ermittelt, zudem bei Finanzierung mit Fremdwährungsdarlehen ein weiterer Unterschiedsbetrag. Diese Beträge sind voll zu versteuern und liegen im Durchschnitt bei 60 bis 80 Prozent der Nominale. Bei Beteiligungswerten zwischen 0 und 20 Prozent erwartet daher viele Anleger im Verkaufsfall eine Steuerzahlung, die den Verkaufserlös deutlich übersteigen kann. Viele Beteiligungsinhaber warteten daher auf Besserung, sagt Gadeberg.

Damit fehlt es Angebot. Doch auch die Nachfrageseite hat sich deutlich ausgedünnt. Früher seien vor allem Zweitmarktfonds unter den Käufern gewesen. Heute betreibe man das Geschäft nur noch mit privaten Käufern. „Das ist eine sehr angenehme Klientel“, sagt Gadeberg. Es handele sich dabei um einige Hundert gut informierte Käufer aus der Branche, die sehr gut über alle Einzelheiten einer Beteiligung informiert seien. Gefragt sei vor allem aufgrund seiner Vorrangstellung speziell Neukapital aus Sanierungsfällen.

Verhaltenes Angebot an Sanierungskapital

Aber 2012 werde im Schiffsbereich ein sehr schwieriges Jahr. Die Banken versuchten zu retten, was zu retten sei – solange sie Vertrauen in das Management hätten. Doch gerade für in Altkapital investierte Kleinanleger dürfte die Zweitrundensanierung sehr unglücklich ausgehen. Neues Kapital werde noch höhere Margen erhalten, schließlich seien ja auch die Risiken gestiegen.

Indes dürften nicht alle Kommanditisten willens oder in der Lage sein, an Sanierungen der Sanierungen teilzunehmen, sagt Meschkat. Die Nachfrage nach Sanierungsbeteiligungen sei verhaltener als 2009/2010, nichtsdestoweniger gebe es gelungene Beispiele.

Verdrängungswettbewerb in der Containerschifffahrt

Doch der Schifffahrtsmarkt verspricht derzeit wenig Gutes. Der Preis einer Tonne Schweröl hat sich innerhalb eines Jahrzehnts mehr als versechsfacht. Der Anteil der Treibstoffkosten an den Gesamtkosten ist in den vergangenen 20 Jahren von 22 auf 78 Prozent gestiegen. Im Tankerbereich gibt es viele Ablieferungen, große Orderbücher und damit Überkapazitäten. Einige Segmente seien noch ganz in Ordnung, sagt Gadeberg. Zuletzt sei aber gerade bei großen Tankern die Lage eher schwierig gewesen.

„In der Containerschifffahrt herrscht ein intensiver Verdrängungswettbewerb“, sagt Gadeberg zudem. Die Linien-Reedereien, vor allem die Marktführer Maersk und MSC kämpfen um Marktanteile. Das bewirke einen Trend zu immer größeren, weil kostengünstigeren Schiffen. Zudem hätten kleinere Reedereien schlechte Chancen, weil sie keinen intensiven Linienverkehr anbieten können. Diese versuchen derzeit durch die Gründung von Genossenschaften mitzuhalten.

Auch Deutschlands wohl bekannteste Reederei, Hapag-Lloyd, steht unter Druck. Mit einer Tragfähigkeit von 4,22 Millionen Tonnen ist sie weltweit die Nummer elf der Branche und nur ein mittelgroßer Marktteilnehmer. Maersk weist eine Tragfähigkeit von mehr als dem Dreifachen aus.

Doch es gibt auch noch Hoffnungsschimmer. Der Markt sei schnelllebig und zuletzt hätten sich die Charterraten etwas gefestigt, sagt Meschkat. Vor der zweiten Jahreshälfte werde es indes kein Licht am Ende des Tunnels geben.

Immobilienfonds sind interessanter

Lukrativer ist da derzeit der Zweitmarkt für geschlossene Immobilienfonds, der 70 Prozent des Geschäftsvolumens der Fondsbörse Deutschland ausmacht. Hier laufe auch das Zweitmarktgeschäft mit Kursen von bis zu 600 Prozent der Nominale richtig gut. 70 Prozent der Käufer seien Privatleute, gefragt seien Beteiligungen mit Ausschüttungen, aber auch einfach verständliche Konstrukte.

Auch bei der Deutschen Zweitmarkt, ursprünglich mehr auf Schiffsfonds fokussiert, spielt das Geschäft mit Immobilienfonds eine immer größere Rolle und macht mittlerweile mehr als die Hälfte des Volumens aus. Allerdings würden auch hier zunehmend wenig attraktive Beteiligungen angeboten, sagt Meschkat. Im Grunde sei nur jeder achte Fonds werthaltig, viele hätten allenfalls Liebhaber- oder Hoffnungswert.

Impulse sieht Gadeberg für den Primärmarkt. Im Zuge der verbesserten Regulierung des Marktes, die ab 2013 greifen werde, müssten die Fonds in diesem Jahr beginne, Vermögenswerte zu beschaffen. „2012 wird das Jahr der Aufstellung“, sagt Gadeberg. Sicher werde es Anbieter geben, die den versuch unternehmen werden, unter dem Radar zu bleiben. Der Markt werde sich aufteilen, aber letztlich werde der Vertrieb darüber entscheiden, inwieweit nicht-regulierte Fonds noch eine Zukunft hätten.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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