22.09.2008 · Schiffsfonds sind begehrt, versprechen sie doch eine Ausweichmöglichkeit vor der kommenden Abgeltungsteuer. Doch um Rendite abzugeben, muss man erst einmal welche erzielen. Hier waren die Aussichten für Schiffsfonds schon besser.
Es ist nicht zu übersehen, dass Aktien und Anleihen sich derzeit nicht eben als Renditebringer empfehlen. Das trifft auch nahezu alle Fonds, die in diese Werte investieren. Da zudem ab dem kommenden Jahr die Abgeltungsteuer zudem so manchen Renditetraum zerbröseln lässt, stellt sich die Frage nach Alternativen.
Und schon geht der Blick in Richtung unternehmerischer Beteiligungen, so wie sie Schiffsfonds bieten, die nicht nur ein gewisses Renommee genießen, sondern deren steuerrechtliche Sonderstellung jüngst erst wieder gestärkt wurde. So bleibt es bei der pauschalen Tonnagesteuer, die bei einer akzeptablen Rendite einer Beteiligung kaum ins Gewicht fällt (vgl. Infografik).
Plazierungsvolumina im Rückwärtsgang
Sie ist indes aber auch bei Verlusten zu zahlen. Nicht, dass sie dann die größte Sorge des Anlegers wäre, der auf einer hohen, wenig liquiden Beteiligung sitzt, die ihm Verluste beschert. Verkäufe sind zwar möglich, doch zumeist müssen dabei hohe Abschläge in Kauf genommen werden.
Und wie weit her es mit der Rendite von Schiffsfonds ist, ist derzeit fraglich geworden, steht das Geschäftsmodell doch gleich von mehreren Seiten unter Druck. Die allfällige Finanzkrise macht es den Emissionshäusern schwer, ihre Fonds und damit deren Eigenkapitalrendite zu hebeln.
Gleichzeitig befinden sich die Preise von Stahl und anderen Rohstoffen weiterhin auf Rekordniveau. Das lässt die Rentabilität schrumpfen, was Wunder wenn die Plazierungsvolumina mittlerweile deutlich zurück gegangen sind. Die Rating-Agentur Scope beziffert den Rückgang im ersten Halbjahr auf 12, das Analysehaus Feri auf 4 Prozent.
Charterraten unter Druck
Verstärkt setzen die Häuser nun auf strukturierte Produkte. MPC bietet mit „Open Flotte 2“ einen Fonds, der sowohl in ein Vollcontainerschiff der Post-Panamax-Klasse als auch in drei kleiner Zubringerschiffe investiert. Der Wettbewerber Lloyd Fonds setzt mit dem „Best of Shipping II“ dagegen auf ein breit gestreutes Portfolio an Zweitmarkt-Beteiligungen.
Doch auch älteren Schiffsbeteiligungen stehen schwerere Zeiten ins Haus. Die Charterraten sind weltweit auf Talfahrt. Der Baltic Dry Index, der die Entwicklung der Massengutfrachtraten auf den 25 weltweit wichtigsten Seefrachtrouten misst, ist von seinem Rekordhoch bei 11,793 Punkten im Mai diesen Jahres auf zuletzt 4800 Punkte gefallen und damit auf das Niveau von 2005.
Auch andere Indizes haben deutlich nachgegeben. Der vom Schiffsmakler Harper Petersen & Co. berechnete Harpex-Index für Containerschiffe wurde zuletzt mit 1.036 Punkten festgestellt und steuert auf das Fünf-Jahres-Tief von 1.019 Punkten zu, das zuletzt Anfang 2007 erreicht worden war. Auch die Indizes des Schiffsmaklers Braemar steuern auf neue Rekordtiefs zu.
Hoffen auf konjunkturelle Erholung
Die Gründe sieht das Emissionshaus Hansa Treuhand in den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise sowie gefallenen Exportraten aus Asien, als Reaktion auf eine geringere Nachfrage aus den Vereinigten Staaten sowie der Drosselung der chinesischen Industrieproduktion vor und während der Olympischen Spiele. Hansa geht dabei nur von einer kurzfristigen Delle aus.
Die Analysten der HSH Nordbank sehen indes bis ins erste Halbjahr fallende Charterraten angesichts der konjunkturellen Abkühlung und neu auf den Markt drängender Kapazitäten. So enthalten die Orderbücher für Schiffe der Klassen zwischen 3000 und 10.500 Standard-Containern derzeit ebensoviel Kapazität wie aktuell auf den Weltmeeren schwimmt.
Die Tücke der Langfrist-Charter
Auch Anlegern, die auf Fonds gesetzt haben, deren Schiffe langfristig verchartert sind, könnte Ungemach drohen. Darauf wies unlängst das auf den Zweitmarkt spezialisierte Emissionshaus Maritim Invest hin.
Da aus der Charter alle Betriebs- mit Ausnahme der Treibstoffkosten bedient werden, können steigende Kosten für Löhne, Wartung und andere Leistungen den Gewinn einer Schiffsgesellschaft schnell aufzehren. Genau dies gilt um so eher, je länger die Schiffe verchartert sind.
Die hohen Ölpreise haben die Schmierstoffpreise klettern lassen, derweil der Personalmarkt leergefegt ist und so die Löhne kräftig steigen. Auch der deutlich niedrigere Kurs der Leitwährung der Schifffahrt, des Dollar, kostet die Anleger Rendite, denn die Einnahmen aus der Schiffsvermietung fließen in Dollar, die Auszahlungen dagegen in Euro.
Zwischen Hoffen und Bangen
Indes hofft die Branche auf Beruhigung. Spekulativ orientierte Investoren würden derzeit auch im Schifffahrtsbereich ihre Engagements liquidieren. Dies werde, so betonen Experten großer Frachtunternehmen, zu einer Normalisierung der überhitzten Situation beitragen. Der schwächere Dollar-Kurs habe zudem zu einer Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Daten in der Branche geführt
Die Nachfrage nach Frachtkapazitäten bleibe insgesamt relativ groß, erklärten Branchenteilnehmer. Darüber hinaus habe auch das Geschäft mit den wieder rückläufigen Ölpreisen eine Entspannung bei den Betriebskosten erfahren.
Alles in allem erscheinen die Aussichten für die Branche und Schiffsfonds derzeit etwas unübersichtlich. Das liegt an Unsicherheiten, die vor allem aus der konjunkturellen Situation und der Finanzkrise ebenso erwachsen wie aus der Entwicklung des Dollar-Kurses und der Rohölpreise. Nach den Rettungsplänen der amerikanischen Regierung für die Finanzbranche erhielt dieser prompt wieder Auftrieb.
Potentielle Schiffsfonds-Anleger sollten sich in jedem Fall nicht von vordergründigen Argumenten wie der Steuerfreiheit locken lassen, sondern sich auch mit den Wechselkurs- und Charterraten-Prognosen auseinander setzen, die den Kalkulationen zugrunde liegen.
wie die Grammatik
Ernst Baner (kesselstadt)
- 22.09.2008, 22:50 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |