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Geschlossene Fonds Schiffsfonds im Sturm

27.10.2008 ·  Die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise machen sich in der Seeschifffahrt zunehmend bemerkbar. Die Charterraten erreichen ständig neue Rekordtiefs und Fonds, die demnächst Anschlusscharters aushandeln müssen, prophezeien Experten Probleme.

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Die aktuelle Finanzkrise ist, anders als vor einigen Jahren eine Krise des gesamten Finanzmarktes und nicht nur eines Segmentes. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie wie alle Finanzkrisen auch die Realwirtschaft erfasst.

Somit betrifft sie auch unternehmerische Beteiligungen wie Schiffsfonds. Zeigten sich vor einigen Wochen bereits deutliche Krisenzeichen (vgl Schiffsfonds vor stürmischen Zeiten), so tobt die Krise nun mit unmittelbarer Gewalt.

Charterraten sinken immer tiefer

Laut dem Internationalem Währungsfonds (IWF) wird der Welthandel, der zu 95 Prozent über den Seeweg abgewickelt wird, 2009 mit 4,1 Prozent deutlich langsamer wachsen als noch 2007. In diesem Jahr hatte der Zuwachs 7,2 Prozent betragen.

Der Baltic Dry Index, der die Entwicklung der Massengutfrachtraten auf den 25 weltweit wichtigsten Seefrachtrouten misst, ist von seinem Rekordhoch bei 11.793 Punkten im Mai diesen Jahres mittlerweile auf 1102 Punkte gefallen und notiert damit so tief wie seit dem September 2002 nicht mehr.

Der vom Schiffsmakler Harper Petersen & Co. berechnete Harpex-Index für Containerschiffe wurde zuletzt mit 875 Punkten festgestellt, notiert damit so niedrig wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr und rund 20 Prozent unter dem zwanzigjährigen Durchschnitt. .

Der Charterraten-Index des britischen Frachtmaklers Howe Robinson ist von 1.400 auf unter 800 Punkte gefallen und gab allein in den vergangenen vier Wochen um mehr als 205 Punkte nach. Der Index für Trockengüter des Schifffahrtsberaters Braemar ist wurde nach 12.000 Punkten im Frühjahr zuletzt mit 1.438 Zählern festgestellt

Käufer machen sich rar, Banken stellen Finanzierung ein

Hinter dem Sinken der Indexstände verbirgt sich ein dramatischer Renditeverfall. Die dänische Linienreederei Maersk hat schon Schiffe still gelegt, weil die Charterraten die laufenden Fahrtkosten nicht mehr decken. Die bislang völlig ausgebuchten deutschen Werften suchen nun plötzlich nach Käufern und müssen Schiffe zu niedrigeren Preisen anbieten. „In den letzten Wochen hat es bereits Stornierungen von Neubauaufträgen auch durch deutsche Reeder gegeben“, erklärt Albrecht Gundermann von der Geschäftsleitung des Beteiligungsgesellschaft Maritim Equity.

Ungewöhnlich sei in der aktuellen Krise, dass die Reedereien nicht nur sinkende Einnahmen zu beklagen hätten, sondern die notwendige Fremdfinanzierung für Schiffskäufe immer schwerer bekämen, weil die Banken Kredite nur noch sehr zögerlich und zu höheren Eigenkapitalquoten und Zinsen vergäben. Für das vierte Quartal 2008 hätten alle schiffsfinanzierenden Banken die Kreditvergabe sogar völlig eingestellt. Für mindestens ein Viertel der bestellten Schiffe gebe es überhaupt noch keine Finanzierungsverträge.

Spreu wird sich vom Weizen trennen

Mittlerweile, wickelten die ersten Emissionshäuser Fonds ab, weil die Anschlusscharter zu optimistisch kalkuliert war. Doch nicht alle Schiffsbeteiligungen sieht Gundermann die Renditen bedroht. „Neu emittierte Fonds mit teuren Schiffen werden Probleme bekommen, wenn sie ihre Anschlusscharter innerhalb der Abschwungphase aushandeln müssen“.

Gut konzipierte Fonds hätten Abschwungphasen wie diese dagegen einkalkuliert. Der traditionell sehr volatile Frachtermarkt durchlaufe regelmäßig alle vier bis fünf Jahre Abschwungphasen, zuletzt nach dem 11. September 2001. Besonders entschuldete Schiffsbeteiligungen wirkten jetzt stabilisierend auf gebeutelte Anlegerportfolios. Der negative Trend auf den Chartermärkten werde sich indes noch eine Weile fortsetzen, mittel- bis langfristig aber seien die Aussichten für die Containerschifffahrt gut.

Nichtsdestoweniger aber scheint jetzt Vorsicht beim Eingehen neuer Schiffsbeteiligungen geboten zu sein. Je vollmundiger die Renditeversprechungen vor allem für die kommenden Monate sind, desto eher sollte man wohl davon Abstand nehmen.

Um eine vorhandene Schiffsbeteiligung zu überprüfen, scheint es dagegen eher schon zu spät zu sein. Auch wenn mittlerweile gerade für Schiffsfonds ein hinlänglich funktionsfähiger Zweitmarkt existiert, so sind schlecht kalkulierte Fonds meist nur mit hohen Abschlägen unterzubringen. Insgesamt zeigen sich die Kurse am Zweitmarkt der Fondsbörse Deutschland bislang allerdings noch recht stabil.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: mho
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