10.02.2010 · Ein geschlossener Fonds von Delbrück zum Bau eines Riesenrads befindet sich in Schwierigkeiten. Ob er eine weitere Fremdfinanzierung erhält, ist fraglich.
Von Christian Hiller von GärtringenAnleger, die sich an einem geschlossenen Fonds beteiligen, nehmen nicht nur alle Chancen, sondern auch alle Risiken einer unternehmerischen Beteiligung wahr. Dies bekommen die rund 10.000 Anleger zu spüren, die Anteile am Fonds Global View Great Wheel Beteiligungs GmbH & KG des Fondsinitiators DBM Fonds Invest gezeichnet hatten.
Der Fonds mit einem Eigenkapital von rund 208 Millionen Euro sollte den Bau von Riesenrädern zunächst nur in Peking, dann auch in Berlin und Orlando (Florida) finanzieren. Vorbild war das „London Eye“, jenes Riesenrad an der Themse, das binnen weniger Jahre zum neuen Wahrzeichen der englischen Hauptstadt avancierte.
Kredit gekündigt
Allein, die Investition steht jetzt auf der Kippe. Die DBM Fonds Invest gehört zum Bankhaus Delbrück Bethmann Maffei, einem Zusammenschluss mehrerer ehemaliger Privatbanken aus Köln, Frankfurt und München, der wiederum Teil des niederländischen Finanzkonzerns ABN Amro ist. Für jede künftige Touristenattraktion wurde eine eigene Projektgesellschaft gegründet. Wie bei geschlossenen Fonds üblich, stockte der Fondsinitiator das Kapital der Anleger mit Krediten auf, um erst die Investitionssumme zu erhöhen und um - im besten Fall - die Anlegerrendite zu steigern.
„Der Fonds ist in großen Schwierigkeiten, ohne Frage“, sagt Christian Harreiner, Geschäftsführer DBM Fonds Invest. Denn die finanzierende Bank, die Hypo-Vereinsbank in München, machte ihre monatelang im Raum stehende Drohung nun wahr und kündigte laut DBM den Kredit, den sie für das Projekt in Peking gewährt hatte.
Die Verbindung zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer war alt. Der heutige Chef von Delbrück Bethmann Maffei arbeitete früher bei der Hypo-Vereinsbank. Ursprünglich gehörte Bethmann Maffei der Hypo-Vereinsbank, die das Bankhaus an ABN Amro verkaufte, bevor sie selbst in der italienischen Bank Unicredit aufging. ABN verschmolz Bethmann mit Delbrück.
Solides Konzept
Mit 50 Millionen Euro Eigenkapital und 70 Millionen Euro Krediten war das Projekt in Peking finanziert - das Verhältnis gilt für geschlossene Fonds als solide. Dennoch kündigte die Hypo-Vereinsbank den Kreditvertrag aus Gründen, die sie bisher nicht nennt, und stellte das Darlehen fällig. Die Anteile an der Projektgesellschaft in Peking nahm sie als Sicherheit in Anspruch und ließ sie pfänden. Die Projektgesellschaft kam unter Zwangsverwaltung, die juristische Konstruktion ähnelt der deutschen Insolvenz.
Somit ist die Projektgesellschaft dem Zugriff des Fondsinitiators entzogen. Ob die drei Projekte fortgeführt werden können, hängt nun davon ab, ob die DBM Fonds Invest neue Kreditgeber findet, und zwar für alle drei Projekte. Die Gespräche laufen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“, sagt Harreiner.
Wenn auch nur ein Projekt ausfalle, sei es schwierig, die anfangs in Aussicht gestellte Rendite zu erreichen. Es kann auch sein, dass den Anlegern ein Nachschuss abverlangt wird. Im schlimmsten Fall muss der Fonds komplett abgewickelt werden. Dann droht den Anlegern voraussichtlich der Verlust zumindest eines großen Teils ihres Kapitaleinsatzes.
Ruine in Peking, Kostenflut in Berlin
Im jetzigen Zustand sind die Projekte kaum verwertbar. In Peking ist lediglich das Fundament gebaut. Beim Riesenrad, das am Berliner Zoo entstehen soll, sind die Kosten angeblich aus dem Ruder gelaufen. Dort hat der Fondsinitiator bisher nur das Baugrundstück erworben. Nun will die DBM Fonds Invest mit neuen Baupartnern verhandeln, um das Projekt zu niedrigeren Baukosten zu verwirklichen. In Orlando ist das Grundstück gekauft und die Projektierung abgeschlossen.
Während die DBM Fonds Invest um das Überleben des „Global View“ kämpft, sehen Anlegeranwälte ihre Stunde gekommen. Angeblich bereiten die ersten von ihnen Klagen enttäuschter Anleger vor. Sie wollen nachweisen, dass der Fondsinitiator und die Banken, die den Fonds vertrieben hatten, die Anleger „erheblich getäuscht“ haben. Doch vor einem ersten Schlagabtausch vor Gericht werden Fondsinitiator und Anleger auf der nächsten ordentlichen Gesellschafterversammlung aufeinandertreffen. Sie soll Ende März in Frankfurt stattfinden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |