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Geschlossene Fonds Private Equity: Hohe Gebühren schmälern die Rendite

19.02.2007 ·  Private-Equity-Fonds sind die neuen Lieblinge der Anleger. Anbieter locken mit zweistelligen Renditen. Doch Experten warnen vor zu hohen Kosten. Auch das Risiko werde zunehmen: „Die Anzahl der Fonds, die floppen, wird steigen.“

Von Catherine Hoffmann
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Die Maschine läuft auf Hochtouren. Finanzinvestoren kaufen Firmen, trimmen sie auf Profit und stoßen sie wenig später ab. Erst vor kurzem besiegelte Blackstone den teuersten Deal, den die Private-Equity-Branche je gesehen hat. Fonds wie Blackstone, KKR oder Carlyle erzielen mit der Jagd nach Firmen Traumrenditen von 30 Prozent im Jahr. Das reizt immer mehr Anleger, ihnen Geld zu geben.

Pensionskassen, Banken und Versicherungen sowie reiche Privatleute investierten im vergangenen Jahr rund 250 Milliarden Dollar in Private-Equity-Fonds, mehr als im Boomjahr 2000. Auch deutsche Privatanleger lockt die spektakuläre Geldvermehrung. Nur leider geben sich die Branchenriesen KKR und Co. nicht mit ein paar tausend Euro gewöhnlicher Sparer zufrieden.

„Investieren Sie wie Harvard und Yale!“

Die Anbieter geschlossener Fonds haben die Lücke erkannt. Sie verschaffen Privatanlegern Zutritt zur schönen Welt des großen Geldes und werben: „Investieren Sie wie Harvard und Yale!“ Die Elite-Universitäten haben einen Großteil ihres milliardenschweren Vermögens in alternative Anlagen wie Private Equity gesteckt und erzielen damit seit Jahren zweistellige Renditen.

Die Fondsanbieter haben mit ihrem Lockruf Erfolg: Geschlossene Fonds, die sich Private Equity auf die Fahnen geschrieben haben, waren im vergangenen Jahr der Renner in Deutschland. Sie warben 2006 gut 2,1 Milliarden Euro ein, doppelt so viel wie im Vorjahr, hat die Ratingagentur Scope ermittelt. Damit erkämpften sich die Beteiligungsfonds nach Immobilien- und Schiffsfonds den dritten Platz in der Anlegergunst.

„Die Anzahl der Fonds, die floppen, wird steigen

Scope-Analyst Steffen Möller betrachtet die Entwicklung mit Sorge: „Viele Emissionshäuser springen ohne ausreichende Kenntnisse auf den fahrenden Zug auf. Die Zahl der Anbieter hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt.“ Das ungebrochene Interesse und das viele Geld der Anleger ziehen neue Anbieter an, nicht alle sind seriös. „Ich sehe das als Blase“, warnt Möller. „Die Anzahl der Fonds, die floppen, wird steigen.“ Wer etwas von Schiffen oder Immobilien verstünde, sei schließlich noch lange kein Spezialist für private Unternehmensbeteiligungen.

Die neuen Publikumslieblinge sind überwiegend als Dachfonds konstruiert. Damit nicht nur die Superreichen mitspielen können, sammeln die Anbieter Beträge ab 10.000 Euro bei den Kunden ein, bündeln sie und verteilen sie dann auf die oft milliardenschweren Zielfonds von Carlyle und seinen Konkurrenten. Deren Manager kaufen und verkaufen dann mit dem Geld Unternehmen oder Beteiligungen - unter Einsatz von Eigenkapital (Equity) und abseits der Börse (daher Private Equity).

Hohe Erträge als schlagendes Argument

Für Anleger besitzt Private Equity Charme. Denn die Anlageklasse wies in der Vergangenheit eine geringere Abhängigkeit von der Entwicklung an den Aktien- und Rentenmärkten auf. Deshalb kann das Risiko eines Portfolios durch Beimischung von Beteiligungsfonds gesenkt werden oder bei gleichem Risiko die Rendite erhöht werden, versprechen die Berater. Das schlagende Argument dürften freilich die hohen Erträge sein.

Um Zahlen sind die Gesellschaften nicht verlegen. Sie greifen zu den Statistiken des Branchenverbandes EVCA, die zeigen, dass sich das Kapital der europäischen Spitzenfonds bis Ende 2005 mit 22,9 Prozent verzinst hat. Spitze ist das beste Viertel aller Fonds. Mit reinen Buyout-Fonds aus dem ersten Quartal waren sogar 31,8 Prozent zu verdienen.

Aus 25 Prozent Rendite werden sechs Prozent

Die Renditen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Denn gemeint ist hier die interne Verzinsung - im Fachjargon IRR. Das ist eine zeitgewichtete Rendite auf das gebundene Kapital und bedeutet: Wenn ein Investor sehr schnell Rückflüsse aus seiner Anlage bekommt, wird unterstellt, dass er sie zum gleichen Zinssatz wieder anlegen kann, den das investierte Kapital bietet.

Die Annahme ist optimistisch: Für gewöhnlich wird das ausgeschüttete Geld konservativ angelegt und bestenfalls zu fünf Prozent verzinst. Zudem darf bezweifelt werden, dass es den Anbietern geschlossener Fonds gelingt, das Geld der Kunden ausschließlich in den besten Zielfonds eines Jahrgangs zu plazieren. Und schließlich schmälern die vielen Gebühren den Ertrag. „Im Ergebnis wird aus 20 bis 25 Prozent IRR im Zielfonds für den Kunden eine Nettorendite von sechs Prozent“, sagt Uwe Siebert, Geschäftsführer des Honorarberaters Sineus.

Gebührenkaskade schmälert den Ertrag

Obligatorisch sind bei geschlossenen Fonds fünf Prozent Agio, also ein Preisaufschlag auf den Nennwert des Fonds. Hinzu kommen weitere Emissionskosten, die inklusive Agio bei konservativer Schätzung elf Prozent betragen, ohne weiteres aber auch höher sein können. Die Manager der Zielfonds verlangen 1,25 Prozent sowie 20 Prozent Erfolgsbeteiligung. Auch der Initiator des geschlossenen Fonds will Geld verdienen: 1,25 Prozent Managementvergütung und zehn Prozent Erfolgsbeteiligung sind üblich. Oft wird noch ein Dachfondsmanager dazwischengeschaltet, der ebenfalls kassiert. Die Gebührenkaskade schmälert den Ertrag erheblich.

Dennoch prognostizieren die geschlossenen Private-Equity-Fonds für 2006 im Durchschnitt eine Rendite von elf Prozent - nach Steuern. Das werden nur die Besten schaffen. Sineus-Manager Siebert hält Renditen zwischen sechs und zwölf Prozent für realistisch.

So finden Anleger einen guten Private-Equity-Fonds

1. Private Equity ist der Oberbegriff, der den gesamten Markt für privates Beteiligungskapital umfasst. Von Venture Capital, das in erster Linie der Finanzierung junger Technologiefirmen dient, raten Experten ab. Sie favorisieren Buyout-Fonds, denn der Kauf von Unternehmen(steilen) birgt geringere Risiken.

2. Entscheidend für den Erfolg geschlossener Private-Equity-Fonds ist, dass die Emissionshäuser Zugang zu Zielfonds mit nachweislich großem Anlagegeschick haben. Es genügt nicht, wenn sich unter 20 Zielfonds fünf glänzende Namen finden. Einen guten Ruf genießen Blackstone, KKR, Oaktree Capital Management LLC, Thomas H. Lee & Co., Carlyle, Apax, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Permira und Texas Pacific Group.

3. Von „Blind Fonds“, die Geld sammeln, aber noch keine Zielfonds gezeichnet haben, ist abzuraten. Anleger kaufen hier die Katze im Sack.

4. Die Auswahl bester Zielfonds hilft wenig, wenn dort nur ein Teil der Anlegergelder ankommt. Investoren achten deshalb auf die Investitionsquote. Sie kann gar nicht hoch genug sein.

5. Auch wenn es mühsam ist: Die laufenden Kosten des Fonds sind Renditekiller, es lohnt sich deshalb, genau im Prospekt nachzulesen, wer wie viel am Fonds verdient.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.02.2007, Nr. 7 / Seite 49
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