27.06.2006 · Mit der Glor Music Production bringt das Emissionshaus Stromenger seinen dritten Musikfonds auf den Markt. Abgeschlossene Emissionen hat das junge Unternehmen noch nicht vorzuweisen - aber immerhin bereits eine Nummer Eins mit „US5“.
Mit Musik läßt sich das große Geld verdienen. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man auf die Millionen und Milliarden schaut, die Michael Jackson, Madonna oder die Beatles und deren Erben noch heute besitzen oder einnehmen.
Daran teilzuhaben ist durchaus möglich. David Bowie machte 1997 den Anfang, als er Asset-Backed-Securities auflegte. Eine Anleihenemission im Volumen von 55 Millionen Dollar wurde mit den zukünftigen Einnahmen aus Rechten an Musiktiteln besichert.
Tonträger, Download & Klingeltöne sollen Geld bringen
Indes erweisen sich die Bonds nicht unbedingt als Renditebringer. Nach schlechten Verkaufszahlen und der Krise der Musikindustrie stürzten sie gnadenlos ab und wurden 2004 von Moody's als Junk-Bonds eingestuft. Erst der Erfolg von Apples Ipod und die Aussicht auf ein Geschäft mit Musik-Downloads verhalf ihnen wieder zu einer Erholung.
Einige Investoren hoffen auf eine Renaissance der Renditen, so zum Beispiel die Glor Music Production, die mit einem geschlossenen Fonds auf Anlegersuche ist. Mit den Geldern soll in ein breites Portfolio von etwa 65 Musikproduktionen investiert werden, rund zwei Drittel davon im Bereich der Pop- und Unterhaltungsmusik, die übrigen in der klassischen Musik.
Glor wird dabei Inhaberin bzw. Berechtigte der Leistungsschutzrechte der beschlossenen Musikprojekte. Dabei will man zum einen selbst Musikproduktionen herstellen bzw. als Auftragsproduktion vergeben. Zum anderen sollen Rechte an bereits umgesetzten Produktionen erworben werden.
Einnahmen sollen aus der Rechteverwertung über die Lizenzierung oder dem Verkauf von
Bild- und Tonträgern, Downloads, Klingeltönen, Rotationen im Radio und Fernsehen sowie Merchandising und Werbung fließen. Umgesetzt werden soll dies über einen Rahmen-Scoutingvertrag mit der Sono Experts Music Management Group und noch abzuschließende weitere Verträge.
Erste Produktion mit Placido Domingo
Der Fonds kann mit Know-How durchaus glänzen. Managing Director von Sono ist Rainer Tarara, ehemals Geschäftsführer beim EMI-Label Virgin und bis 2003 Vertriebschef von Universal. Ihm stehen als Experten für den Klassikbereich der Mainzer Musikprofessor Joshard Daus, Gründer und Leiter der Europachor-Akademie und der Lou-Bega-Manager Goar B zur Seite.
Der Fonds ist als sogenannter „Blind Pool“ konzipiert. Dies bedeutet, daß die Produktionen in die investiert wird, bei Prospekterstellung noch nicht feststanden. Anfang Mai vermeldete Glor indes ein erstes Projekt, daß man mit dem Tenor Placido Domingo vereinbart habe. Unter dessen künstlerischer Leitung sollen die „Verdi Requiems“ produziert und weltweit vermarktet werden.
Dabei handelt es sich um eine Eigenproduktion, an der unter anderem die Europachor-Akademie mitwirkt. Dabei soll ein Konzert am 6. August 2006 in der Münchener Philharmonie aufgezeichnet und vermarktet werden.
Gute Renditeprognosen, übersichtliche Laufzeit
Die Prognoserechnung klingt attraktiv. Bereits in diesem Jahr sollen im Basisszenario erste Ausschüttungen in Höhe von 1,81 Prozent fließen. Die kurzen Amortisationszeiten sind infolge der vergleichsweise kurzen Produktionszeiten nicht unbedingt unrealistisch.
Der Fonds ist auf eine Laufzeit bis Ende 2010 konzipiert. Insgesamt kalkuliert der Initiator im Basisszenario mit Ausschüttungen von 153 Prozent. Bei einem Agio von fünf Prozent entspräche dies einer durchschnittlichen Rendite vor Steuern von über neun Prozent. Das Szenario beschriebt einen Fall, indem der Tonträgerverkauf im Genre Pop 50 Prozent dessen erreicht, was für die Verleihung eines „Gold-Status“ erforderlich wäre und von 80 Prozent im Bereich Klassik.
Für realistischer wird der sogenannte Management Case erachtet, der 25 Prozent darüber liegt. In diesem Fall betrügen die Ausschüttungen 187 Prozent, die durchschnittliche Vorsteuer-Rendite über 15 Prozent. Frühzeichner haben dabei die Chance auf einen Bonus, der je nach Zeichnungsdatum derzeit noch bis zu 3,1 Prozentpunkte betragen kann.
Kapitalabsicherung für den schlimmsten Fall
Die Vermarktung des Fonds lief bereits im vergangenen Jahr an. Sie laufe nicht anders wie in der gesamten Branche, heißt es beim Initiator. Das Geschäft sei nicht einfach, aber es laufe und laufe auch immer besser, dennoch würde man sich wünschen, noch erfolgreicher zu sein.
Im „Low Case“ Fall rechnen die Initiatoren mit Ausschüttungen von 78 Prozent, für den Fall des völligen Mißlingens, immer noch mit 51 Prozent. Dies liegt zum einen daran, daß der Glor Music Production ohne Hebel auskommt und ein reiner Eigenkapitalfonds ist.
Zum anderen sollen die mit der Vermarktung beauftragten Managementgesellschaften verpflichtet werden, Erlösgarantie in Höhe von 55 Prozent der Projektkosten (exklusive Scouting-Fees) abzugeben. Darüber hinaus wird ein Rücklagenkonto gebildet, daß mit dem Erfolg des Projekts sukzessive aufgelöst werden soll.
Die Struktur des Fonds hat durchaus einen gewissen Charme und erweckt Vertrauen - zumal der Glor-Fonds nicht das erste Projekt des Emissionshauses Stromenger Consulting ist, das indes erst 2003 ins Leben gerufen wurde. Zwar bemängelt der Gerlach-Report, daß für die Fonds keine Leistungsbilanzen vorgelegt wurden.
Laut Information von Stromenger haben die beiden Fonds indes insgesamt bereitszehn Projekte auf den Weg gebracht oder vollendet, unter anderem mit der Boygroup „US5“, von deren erstem Album „Here we go“ etwa 217.000 Stück verkauft wurden.
Fonds haben auch schon Nummer-Eins-Hits produziert
Kein Millionseller also, aber immerhin reichte es in Deutschland für einen Platz 5 und sieben Wochen in der Top ten. Die Single „Come back to me baby“ erreichte in Deutschland sogar Platz 3, hielt sich aber nur zwei Wochen in den Top Ten. Dafür wurde „Maria“ im vergangenen Jahr eine Nummer eins, die sich neun Wochen hielt. Weniger erfolgreich war dagegen die Produktion der Single „Radio Heartbeat“ von „R'n'G“, die Anfang des Jahres über einen Platz 100 nicht hinauskam.
Die TKL-Fonds Gesellschaft für Fondsconception und -analyse bescheinigt dem Projekt dagegen, daß es sich insgesamt „um ein gutes Angebot mit solider Fondskonzeption, solider Herstellungsplanung und solider Vermarktungsplanung mit den üblichen Risiken derartiger Medienprojekte“ handele.
Zu diesen Risiken gehört an vorderster Front, daß es sich um eine unternehmerische Beteiligung handelt und als solche den Risiken eines Marktes mit voller Wucht ausgesetzt ist. Läuft auf dem Markt alles schief, muß der Anleger jenseits der beschriebenen Sicherheitsmechanismen die finanziellen Folgen tragen. Selbst diese können, so der Prospekt, „in einem ungünstigen Verlauf und beim Zusammentreffen mehrerer Risiken ... wirkungslos werden“.
Alles in allem erscheint der Glor-Fonds als durchaus eine nicht unattraktive Investment-Alternative, für Anleger, die bereit sind, sich auf unternehmerische Risiken in einer wetterwendischen Branche einzulassen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |