Home
http://www.faz.net/-gvf-rxsn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Geschlossene Fonds Geothermiefonds - ein heißes Investment

19.05.2006 ·  Erneuerbare Energien sind die Zukunft - auch für die Fondsbranche. Nach Wind- und Solarparkbauern versuchen jetzt auch die Konstrukteure von geothermischen Kraftwerken Anleger für ihre Projekte zu erwärmen. Das Investment verspricht heiß zu werden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Energie ist die Grundlage jeder entwickelten Volkswirtschaft und mit Sicherheit eines der großen Investment-Themen der vergangenen Jahre. Wird Öl wirklich knapp oder sind dies Spekulationen? Wie kann man die Ölabhängigkeit verringern? Island hat seinen eigenen Weg gefunden. Die Vulkaninsel deckt ihren Energiebedarf aus dem Erdinnern.

Geht es nach den Vorstellungen des Emissionshauses Green Energy, so könnte geothermische Kraftwerke künftig auch anderenorts auf der Erde an Bedeutung gewinnen, zum Beispiel in Deutschland oder ganz konkret auf dem „Feld Hagenbach“ im pfälzischen Germersheim.

Durchführbarkeit steht noch nicht fest

Hier soll bis Ende 2008 ein geothermisches Kraftwerk entstehen, das die Wärmeenergie eines unterirdischen Thermalwasserreservoirs zum Kraftwerksbetriebe nutzt. 2008 soll es in Betrieb gehen und ab 2009 Gewinne erwirtschaften. Die Pläne gehen noch weiter. Insgesamt will Green Energy auf einem Gebiet von 70 Quadratkilometern im Laufe der Zeit insgesamt 15 Kraftwerke entstehen lassen.

Bis dahin ist indes noch ein weiter Weg zu gehen. Nicht nur müssen die Gelder zur Finanzierung des ersten Projekts im Rahmen eines geschlossenen Fonds eingesammelt werden. Derzeit steht nur ein Grundstück zur Verfügung, das seismologisch untersucht wurde und laut Emissionshaus als Standort für das geplante Kraftwerk „besonders geeignet“ ist.

Indes steht dies nicht fest. Laut Prospekt bestätigen durchgeführte Probebohrungen im Bereich des Rheingrabens, daß es sich „bei dem avisierten Standort um einen solchen handelt, an dem ein wirtschaftlich rentables Geothermie-Kraftwerk betrieben werden kann.“

Finanzierung noch im Bau

Trotzdem, heißt es weiter, sei nicht auszuschließen, daß sich „die Gegebenheiten vor Ort anders darstellen können als prognostiziert“. Selbst wenn der Bau möglich ist, gibt es im weiteren Betrieb des Kraftwerks Risiken, die zu einer geringeren Ausbeute und damit Rendite als prognostiziert führen können. Auch liegen für Bau und Betrieb noch keine Genehmigungen vor.

Wie bei allen unternehmerischen Beteiligungen im Bereich der Erneuerbaren Energien, ist auch die Rendite geothermischer Anlagen nicht von den wetterwendischen Launen der Politik unabhängig. Derzeit hätte das mit einer Leistung von sechs Megawatt geplante Kraftwerk Anspruch auf eine Einspeisevergütung von 15 Cent pro Kilowattstunde für die ersten fünf und 14 Cent für das sechste Megawatt.

Der Fonds, der das Projekt finanzieren soll, ist auf ein Volumen von 40,522 Millionen Euro konzipiert, die Hälfte davon soll Fremdkapital sein. Laut Prospekt gibt es noch keine Finanzierungszusagen, zumal diese auch vom Emissionserfolg abhängen. Dann könnte man zwar auch den Versuch wagen, das Projekt alleine aus Eigenkapital zu finanzieren, doch würden dadurch „die Gewinnanteile und damit die Rendite der Kommanditisten sinken“.

„Für Leute, die an die Idee glauben“

Nach der bisherigen Planung soll die jährliche Ausschüttung zehn Prozent betragen sowie 2018, im letzten Jahr der Laufzeit, zusätzlich zur Kapitalrückzahlung noch einmal 8,94 Prozent. Möglich ist auch eine Gesamtausschüttung zum Laufzeitende. Fünf Prozent Agio sind auf die Anlage fällig, so daß die durchschnittliche projizierte Rendite des Fonds 7,42 Prozent beträgt.

Wer in den Fonds investieren will, braucht einen langen Atem. Das Produkt befindet sich seit bald einem Jahr im Vertrieb, der noch bis 2007 andauern könnte. Ursprünglich war die Inbetriebnahme zu Beginn des Jahres 2008 geplant, diese hat sich auf Ende desselben Jahres verschoben.

Angesichts der Risiken der Geldanlage, die gegebenenfalls sogar deswegen zum Totalverlust werden kann, weil das Projekt erst nie zustande kommt, sind 7,42 Prozent Rendite im Grunde recht wenig. Daher wendet sich das Projekt an „Leute, die etwas Sinnvolles mit ihrem Geld anfangen wollen und an die Idee glauben“, so Geschäftsführer Matthias Michael, laut Berichterstattung in Regionalzeitungen.

Diese Motivation ist durchaus notwendig - wie bei unternehmerischen Beteiligungen eigentlich generell. Wer in den Fonds mit der Mindestzeichnungssumme von 5.000 Euro investieren will, der sollte mindestens ein Gesamtvermögen von 45.000 Euro über den Zeitraum anlegen können, besser noch mehr. Denn um einen Totalverlust bei dem Projekt auszugleichen, muß das Restvermögen dann ein Prozent pro Jahr mehr erwirtschaften um diesen auszugleichen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%