27.01.2009 · In schwierigen Zeiten halten sich Anleger mit Beteiligungen an Immobilien oder Schiffen zurück. Vor allem die letzten drei Monate des Jahres hinterließen tiefe Spuren in den Bilanzen. Einzig die Flugzeugfonds erleben eine Renaissance.
Von Steffen UttichDie andauernde Finanzkrise geht am Geschäft mit Beteiligungsfonds nicht spurlos vorüber. Nach den am Dienstag vom Verband Geschlossene Fonds (VGF) veröffentlichten Absatzzahlen für 2008 sammelten die Fondsinitiatoren 8,3 Milliarden Euro an Eigenkapital für ihre Beteiligungsangebote in der Anlegerschaft ein nach 11,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Vor allem die letzten drei Monate des Jahres hinterließen tiefe Spuren in den Bilanzen. Nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und der daraus resultierenden Verunsicherung fiel das übliche Jahresendgeschäft komplett aus. Der börsennotierte Marktführer MPC hat inzwischen angekündigt, jede sechste Stelle streichen zu wollen. Der Aktie verlor über die vergangenen zwölf Monate rund 85 Prozent an Wert.
Renaissance für Flugzeugfonds
Zwar wurden nach der VGF-Statistik im vergangenen Jahr geschlossene Immobilien- und Schiffsfonds wie in den Jahren zuvor am meisten nachgefragt. Mit einem Absatzeinbruch von 26 beziehungsweise 22 Prozent bewegten sie sich jedoch im Branchendurchschnitt. Eine Renaissance erlebten Flugzeugfonds, denen im Jahresverlauf rund 700 Millionen Euro zuflossen.
Für Aufsehen sorgte insbesondere die vom Dortmunder Emissionshaus Dr. Peters angebotene Beteiligung am ersten Airbus A380. Allerdings flaute das Interesse zum Jahresende spürbar ab. „Die verhaltenen Perspektiven der Fluggesellschaften dürften auch die Begeisterung der Anleger etwas gedämpft haben“, sagt Helmut Knepel vom Bad Homburger Fondsanalysehaus Feri Eurorating, das in der kommenden Woche seine Marktstudie der Beteiligungsmodelle vorstellt.
„Sachwerte statt Schweinwerte“
In den kommenden Monaten kommt einiges Ungemach auf die Anbieter zu, weil sich nach den Erschütterungen des vergangenen Jahres viele Ergebnisprognosen bestehender Beteiligungsfonds als nicht haltbar herausstellen dürften. Die Anbieter versuchen dagegen mit dem Argument um Vertrauen zu werben, dass es sich bei ihren Angeboten um „Sachwerte statt Scheinwerte“ handelt, wie der stellvertretende VGF-Vorsitzende Markus Derkum bei der Vorstellung der Absatzzahlen hervorhob.
Für das laufende Jahr wird vor allem konservativ ausgerichteten Immobilienfonds und den noch relativ neuen Waldfonds ein Absatzschub zugetraut. Das Berliner Fondsanalysehaus Scope erwartet vor diesem Hintergrund einen Paradigmenwechsel im Anlegerverhalten: „Die Prognoserenditen der Beteiligungsmodelle dürften in ihrer Bedeutung für die Anlageentscheidung weit hinter Sicherheitsaspekten zurückfallen.“
Erträge unterliegen selten der Abgeltungssteuer
Zudem spielen steuerliche Aspekte in der Neuanlage auch nach dem Ende der klassischen Steuersparfonds vor zwei Jahren weiterhin eine Rolle. So unterliegen beispielsweise Erträge aus geschlossenen Fonds überwiegend nicht der neuen Abgeltungsteuer.
Geschlossene Fonds sind unternehmerische Beteiligungen, die Zugang zu wenig liquiden Anlagen bieten. Regelmäßig kommt es aber auch zum Zusammenbruch von Fonds, was zum Totalverlust des eingesetzten Geldes führen kann. Der Branchenverband VGF hat die Marktdaten zum ersten Mal erhoben. Er bezieht dabei nach eigenen Angaben sämtliche relevanten Anbieter - also auch Nichtmitgliedsfirmen - ein, die in den vergangenen drei Jahren mindestens 5 Millionen Euro an Eigenkapital eingeworben und im Jahr der Erhebung mindestens einen Fonds öffentlich angeboten haben.
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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