21.03.2006 · Mit 19 Prozent Rendite lockt die DBD Deutsche Biodiesel für ihren Fonds zur Finanzierung des Baus und Betriebs einer Biodiesel-Produktionsanlage. Doch die Risiken sind nicht unbeträchtlich. Nichts für Kleinanleger also.
Wenige Dinge haben die Finanzmärkte in den vergangenen Monaten so sehr umgetrieben wie der hohe Ölpreis und die Möglichkeiten eines Ersatzes. Als einer derjenigen Kraftstoffe, die in dieser Hinsicht am weitesten fortgeschritten sind, kann Biodiesel gelten. Schon Erfinder Rudolf Diesel wird die Aussage zugesprochen, daß der Gebrauch von Pflanzenöl ebenso wichtig werden könne wie „Petroleum und diese Kohle-Teer-Produkte von heute.“
Geht es um Pflanzenöl, so ist in Europa vor allem Rapsdiesel gemeint. Mit EOP Biodiesel und Biopetrol gingen im vergangenen Jahr gleich zwei Unternehmen an die Börse, die in der Produktion des Natur-Treibstoffs tätig sind. Beide investieren die Erlöse aus dem Börsengang vor allem in die Erweiterungen der Produktionskapazitäten.
Künftige Kapazitäten decken erwartete Nachfrage nicht
Diese sind derzeit in einem raschen Wachstum begriffen. Allein im vergangenen Jahr dürften die Kapazitäten der Rapsdieselanlagen von 1,2 Millionen Tonnen auf rund zwei Millionen Tonnen gestiegen sein. Die Branche erwartet ein weiteres Wachstum auf bis zu drei Millionen Tonnen im Jahr 2006.
Geht es nach den Plänen der Europäischen Union, so dürfte das Wachstum dennoch nicht ausreichen. Demnach sollte der Anteil von Biodiesel am Kraftstoffverbrauch in der Union bis 2010 auf 5,75 Prozent ansteigen. Dies entspricht einem Verbrauch von 13,45 Kilotonnen.
Einer aktuellen Untersuchung der Managementberatung A.T. Kearney zufolge wird der Ökosprit-Verbrauch in Europa von heute zwei Millionen Tonnen auf zwölf Millionen im Jahr 2010 und 21 Millionen im Jahr 2020 ansteigen. Andere Schätzungen gehen sogar von 15 Millionen Tonnen im Jahr 2010 aus. Dabei, so A.T. Kearney, müsse dennoch ein Großteil der Nachfrage durch Importe gedeckt werden.
Insofern boomt die Branche derzeit. „Biotreibstoffe verändern das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bedeutend“, sagt auch John Abbott, Vizepräsident für die Produktion bei Royal Dutch Shell. „Werden die Richtlinien eingehalten, könnte die Produktion auf 210.000 Barrel pro Tag steigen.“
Fonds peilt hohe zweistellige Renditen an
Von dem Kuchen wollen natürlich auch andere abhaben. Zum Beispiel auch die AT Agrar-Technik GmbH & Co. KG. 1982 zur Produktion von Anlagen und Maschinenhandel für den Agrarbereich gegründet, ist das Unternehmen nach eigenem Bekunden seit Beginn der neunziger Jahre im Bereich der Rapsdieselherstellung tätig und hat seitdem über 20 Biodiesel-Anlagen unterschiedlicher Größe in zehn Ländern, unter anderem in Thailand und den Vereinigten Staaten gebaut.
Derzeit plant AT den Bau einer Biodieselanlage im brandenburgischen Eberswalde, die über einen geschlossenen Fonds finanziert werden soll. Die geplante Anlage soll jährlich 250.000 Tonnen Biodiesel und 22.000 Tonnen technisches Glycerin herstellen.
Der Fonds, der unter dem Namen DBD Deutsche Biodiesel läuft, hat Vollplazierung ein Volumen von 74,76 Millionen Euro und soll mindestens bis ins Jahr 2020 laufen. Das ist eine recht lange Kapitalbindung, die aber durch eine prognostizierte Ausschüttung von wenigstens 16 Prozent pro Jahr ausgeglichen werden soll. Dabei geht der Prospekt von einer Ausschüttung von über 19 Prozent ab 2008 aus.
Solche Renditen sind in einem Markt, der gerade erst im Entstehen ist, durchaus nicht unrealistisch. Doch naturgemäß bergen der lange Zeithorizont und die sich derzeit immer noch rasch verändernden Bedingungen eines Zukunftsmarktes nicht unerhebliche Risiken.
Schwankende Preise verändern das Kalkulationsgefüge
Dazu gehören die Schwankungen der Absatz- und Beschaffungspreise, die Kapazitätsauslastung, aber natürlich auch die steuerliche Situation. Der Prospekt kalkuliert beispielsweise mit einem Verkaufpreis von 65 Cent je Liter und Anschaffungskosten je Tonne Rapsrohöl, das etwa 80 Prozent des Grundstoffs ausmachen soll von 560 Euro je Tonne, 410 Euro je Tonne Palmöl und 460 Euro je Tonne Sojaöl mit einer Steigerung um drei Prozent alle drei Jahre, beginnend ab 2010
Aktuell notiert Rapsrohöl indes bei 625 Euro auf einem Sechs-Jahres-Hoch (abgesehen von einem kurzzeitigen Ausreißer im Jahr 2004). Palmöl steht bei 435 Euro und Sojaöl bei 450 Euro.
Gerade der starke Anstieg des Rapsrohöl hat weitere Sensitivitätsanalysen erfordert. Indes geht der Emittent bei der Kalkulation von den jeweils aktuellen Marktpreisen aus. Nun sind die Abgabepreise stärker gestiegen, so daß sich auf dieser Basis das Investment sogar noch vorteilhafter darstellt.
Steuerpolitik sorgt für Unsicherheiten
Weniger positiv sind die Auswirkungen der Besteuerung. Aktuell stellen sie einen Unsicherheitsfaktor dar, weil nach mehreren Wenden der Bundesregierung (Wende bei Biodiesel hilft Raps-Futures) immer noch nicht wirklich klar ist, wie es um diese bestellt sein wird. Nach dem Entwurf des Energiesteuergesetzes sollen auf Biodiesel ab August zehn Cent Pro Liter an Steuern fällig werden.
Ginge es nach dem Willen von Johannes Lackmann, dem Präsidenten des Bundesverbandes Erneuerbare Energie so sollte es bei der Steuerfreiheit bleiben. Auf dem Energiegipfel bei Bundeskanzlerin Merkel soll am 3. April über den künftigen Energiemix in Deutschland beraten werden.
Unklar ist auch, wer am Ende die Steuerlast tragen muß. Würde diese komplett vom Fonds übernommen werden müssen, so würde auf Basis der Prospektannahmen im Jahr 2008 keine Ausschüttung mehr anfallen. Indes, so Heinz Rockenhäuser vom Financial Planner EFC, müsse man davon ausgehen, daß die Steuerlast überwälzbar sei.
Nichts für Kleinanleger
Das Risiko des Fonds ist nicht unbeträchtlich. Nicht zuletzt deswegen, weil während der Laufzeit einiges passieren kann, was die Kalkulation auf den Kopf stellen kann. Aber dies ist das übliche Risiko bei einer unternehmerischen Beteiligung, wobei sicherlich in Bezug auf Biodiesel von einer höheren Volatilität ausgegangen werden kann, die natürlich auch Chancen birgt.
Für mehr Stabilität sollte dagegen die Zielgruppe des Anlagenbetriebs sorgen, die auf die Selbstversorgung von Speditionen und der Landwirtschaft zielt und so versucht, sich nicht in Abhängigkeit vom Tankstellenbetrieb der Mineralölkonzerne zu begeben.
Negativ zu vermerken ist, daß der Initiator keine Leistungsbilanz vorlegen kann, wie sie bei Produkten dieser Anlagekategorie immer wünschenswert ist. Das liegt zum einen daran, daß die DBD Deutsche Biodiesel neu am Markt ist, zum anderen daran, daß Biodiesel-Produktionsanlagen ein neues Geschäftsfeld sind.
Positiv sei daher, so Rockenhäuser, daß über die Komplementärin HOVE der Anlagenbauer mit in der Verantwortung für den Betrieb eingebunden sei und so mittelbar von den 60 Prozent des Übergewinns (nach Ausschüttung) profitiere, die der Komplementärin zustehen. Die verbleibenden 40 Prozent gehen als Ausschüttung an die Kommanditisten.
Auch Rockenhäuser sieht in dem Fonds nur eine Möglichkeit mit einer kleinen Beimischung im Portfolio dessen Gesamtrendite zu verbessern. Mehr als 10.000 Euro solle man besser nicht anlegen. Und wer beispielsweise insgesamt nur über 30.000 Euro verfüge, der solle besser verzichten, ein Verlust müsse jedenfalls verschmerzbar sein. Gleich wie süß also der Sirenengesang der möglichen Biodieselrendite sein mag - Kleinanleger sollten daher besser und sichereren Gestaden zustreben, um Schiffbruch zu vermeiden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |