26.02.2010 · Die größten Versicherer der Welt wehren sich mit einer Studie gegen ihre Gleichsetzung mit Banken. Anders als von diesen Finanzdienstleistern gehe von ihnen keine Gefahr für das Wirtschaftssystem aus - im Gegenteil.
Von Philipp KrohnDie größten Versicherer der Welt reklamieren, in der Diskussion um Ursachen und Folgen der Finanzkrise eigenständig beurteilt zu werden. Anders als von Banken gehe von der Assekuranz kein systemisches Risiko aus, heißt es in einem Bericht der Geneva Association, der am Freitag vorgestellt wurde. Der Verband wird von Versicherungskonzernen wie beispielsweise Munich Re, Allianz, Axa, Prudential und Zurich finanziert, die jeweils Mitarbeiter abstellten, um den Bericht zu verfassen.
„In der öffentlichen Debatte wird das Geschäftsmodell der Versicherer unglücklicherweise nicht hinreichend von dem anderer Finanzdienstleister abgegrenzt, beispielsweise von Banken“, beklagte der Vorstandsvorsitzende der Munich Re, Nikolaus von Bomhard, der auch dem Verband vorsteht. Das Versicherungsgeschäft beruhe auf fest vereinbarten Prämien und stehe vor weniger Schwierigkeiten, sich zu refinanzieren, als das der Banken. Weil die Assekuranz langfristige Verpflichtungen eingehe, könne sie als Stabilisator des Finanzsystems agieren. In der Krise hätten die Kapazitäten, das Geschäftsvolumen und die Preise der Versicherer nur geringfügig geschwankt.
Bis Mitte vergangenen Jahres hätten in Amerika nur drei Versicherer Geld aus dem Bankenrettungspaket Tarp beantragt, während 592 Banken an dem Programm teilnahmen. Die Verluste der Assekuranz seien absolut und relativ zum Eigenkapital deutlich geringer ausgefallen als im Banksektor. Dabei sei mit 36 Prozent der Verluste der größte Anteil auf den AIG-Konzern entfallen, der auch 58 Prozent des in der Krise zusätzlich benötigten Kapitals der Branche auf sich vereine. Dessen Schieflage aber stamme nicht aus seinem Kerngeschäft, sondern aus Spekulationen der Finanzprodukt-Einheit in London, die unzureichend von beaufsichtigt worden sei. Die erforderlichen Hilfen von rund 220 Milliarden Dollar seien überwiegend an Versicherer gezahlt worden, die umfangreiche Bankaktivitäten hatten. Nur 8 Milliarden Dollar seien für reine Versicherer ausgegeben worden.
Für ihre Analyse der systemischen Risiken stützen sich die Experten auf eine Definition des Financial Stability Board (FSB). Demnach gelten Institute als systemrelevant, wenn sie ausreichend vernetzt, mit ihren Dienstleistungen nicht ersetzbar und so groß sind, dass ihre Schieflage die Stabilität des gesamten Marktes gefährden würde. Als weiteres Kriterium fügen sie die Geschwindigkeit hinzu, mit der der Ausfall eines Unternehmens sich auf das System auswirken würde.
In dem Bericht kommen sie zu dem Ergebnis, dass von einzelnen Unternehmen kein systemisches Risiko ausgehe. Ihre Größe könne nur dann eine Gefahr sein, wenn die Risiken einer Gesellschaft nicht diversifiziert seien. Zwar seien Versicherer über Rückversicherungen miteinander verknüpft. Anders als Banken schrieben diese übernommene Risiken aber auf ihre eigene Bilanz, so dass kein Anreiz bestehe, übertrieben große Risiken einzugehen (Moral Hazard). Müsse ein Rückversicherer nach einer Katastrophe hohe Schäden übernehmen, erhole sich das System von selbst, da die Preise für den Schutz dann stiegen, was wiederum Anleger ermuntere, Kapital bereitzustellen. Zudem würden Ansprüche im Versicherungsfall mit Zeitverzögerung erhoben, so dass in der Zwischenzeit Kapital eingesammelt werden könne.
Die Experten geben auch Empfehlungen ab, wie die Finanzaufsicht eigenständige Risiken der Branche berücksichtigen könne. So müssten große Versicherungsgruppen grenzüberschreitend durch eine Gruppenaufsicht überwacht werden. Statt starre Kapitalanforderungen zu erfüllen, sollten Versicherer zudem dazu angehalten werden, ein Liquiditäts-Risikomanagement zu betreiben. Zudem sollten Versicherer stärker als vorgesehen in Institutionen der Makroaufsicht wie des neuen European Systemic Risk Board vertreten sein
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |