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Gemälde für alle Jetzt kann jeder in Kunst investieren

 ·  Fotografien, Plastiken oder Gemälde sind nur etwas für Reiche? Weit gefehlt. Auch mit wenig Geld ist man dabei.

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Es war an einem Freitagabend im Oktober, und als der Hammer schließlich fiel, hielt es die Anwesenden nicht mehr auf ihren Sitzen: In den ehrwürdigen Räumen des Londoner Auktionshauses Sotheby’s brandete heftiger Applaus auf - denn allen war klar, dass sie soeben eine außergewöhnliche Versteigerung miterlebt hatten. Das Werk „Abstraktes Bild“ des Deutschen Gerhard Richter hatte gerade für umgerechnet 26,4 Millionen Euro den Besitzer gewechselt. Eine der höchsten Summen, die je für ein Werk eines noch lebenden Künstlers erreicht wurden.

Ein beeindruckender Preis - mit einem fatalen Nebeneffekt: Auf dem Kunstmarkt, so der Eindruck, wird ein Millionenspiel gespielt - wer keine Reichtümer vorzuweisen hat, darf hier nicht mitmachen. Nur eine kleine Gruppe von Multimillionären ist zugelassen. Alle anderen müssen draußen bleiben.

Kunst zum kleinen Preis

Der Eindruck aber täuscht, und Judith Waldmann ist eine von denen, die für Aufklärung sorgen wollen. Natürlich bleiben Werke wie die Bilder von Richter für alle Normalverdiener unter den Kunstliebhabern vollkommen unerschwinglich - das räumt auch die Hamburger Kuratorin ein. Aber sie sagt: „Um solche Summen geht es nur bei wenigen weltberühmten Malern. Kunst kann jedoch auch günstig sein.“

Es ist eine besondere, bislang kaum gehörte Botschaft: Kunst ist für alle da, fast jeder kann sie sich leisten. Um das den Deutschen klarzumachen, haben Kuratorin Waldmann und Direktor Oliver Lähndorf eine ganz spezielle Messe nach Hamburg geholt: die „Affordable Art Fair“. Sie findet bereits seit Jahren in Großstädten wie London, Amsterdam und New York statt - vom Donnerstag kommender Woche an dann erstmals in Hamburg. Das Herausstechende: Zum einen zeigt die Messe nur Werke von lebenden Künstlern - viele davon sind nicht älter als 40 Jahre. Und zum anderen gibt es für alle Werke einen Höchstpreis - mehr als 5000 Euro dürfen sie nicht kosten. Das soll vor allem all jene anlocken, die sich angesichts von Preisen wie bei der Versteigerung des Richter-Bildes bislang gar nicht vorstellen konnten, dass Kunst auch bezahlbar sein kann.

Das Bild als krisenfeste Geldanlage

Aber die Messe richtet sich eben nicht allein an reine Kunstliebhaber. Denn in Zeiten, in denen die Angst vor dem Zerfall des Euro groß ist, suchen viele Deutsche eben nach mehr als nur einem Bild für das eigene Wohnzimmer: Sie wünschen sich darüber hinaus auch eine krisenfeste Geldanlage. Sichere Staatsanleihen bringen nichts mehr ein, Aktien schwanken zu stark - nur logisch, dass es da einen regelrechten Run auf Sachwerte gibt. Und zwar vor allem auf Kunst. Dies zeigt sich nicht nur am Umsatz, der derzeit mit Kunstwerken in aller Welt erzielt wird - mit mehr als 40 Milliarden Dollar war er in den vergangenen zehn Jahren nur ein einziges Mal höher. Sondern das bestätigen auch Experten wie Stefan Horsthemke. Der Geschäftsführer von Berenberg Art Advice berät Kunden bei der Investition in Kunst und sagt: „So viele Anfragen wie derzeit hatten wir noch nie.“

Doch passt das überhaupt zusammen, die Hamburger „Affordable Art Fair“ und die neue Begeisterung der Deutschen für Kunstinvestments? Ist es also tatsächlich sinnvoll, die Werke jüngerer Künstler günstig zu kaufen und dann auf eine deutliche Wertsteigerung zu spekulieren? Eines zumindest betonen alle Experten: Einzig und allein wegen der Hoffnung auf Rendite sollte kein Privatsammler ein Kunstwerk erwerben. „Eine wesentliche Voraussetzung beim Kauf muss sein, dass dem Investor das Werk gefällt“, sagt Berenberg-Experte Stefan Horsthemke. Denn eine Garantie auf Wertsteigerungen gibt es bei Kunstinvestitionen genauso wenig wie bei anderen Anlageformen - der Preis hängt stark von den aktuellen Moden am Bildermarkt ab und die können wechseln.

Ein Jonathan Meese für 2100 Euro

Dass selbst die Preise für die Werke ein und desselben Künstlers vollkommen unterschiedlich ausfallen können, lässt sich gut am Beispiel von Jonathan Meese illustrieren. Der Deutsche hat es in der internationalen Szene durch seine provokanten Skulpturen zu einer hohen Bekanntheit gebracht - für seine Werke legen Sammler häufig hohe fünfstellige Beträge auf den Tisch. Trotzdem lassen sich auch auf der Hamburger Messe Bilder des Künstlers finden - und zwar zum deutlich niedrigeren Preis von 2100 Euro pro Bild. Dies hat zum einen damit zu tun, dass es sich um sehr kleine Werke handelt, die gerade mal eine Fläche von 30 mal 20 Zentimetern einnehmen. Aber eben auch damit, dass die Käufer längst nicht jede neue Stilform und jede Schaffensphase eines Künstlers mit gleicher Begeisterung aufnehmen. Selbst wer frühzeitig in ein einzelnes Werk eines späteren Stars investiert, kann also dennoch danebenliegen.

Trotz solcher Einschränkungen spricht aber vieles dafür, dass sich das Investment in die Bilder, Fotografien und Skulpturen jüngerer Künstler auszahlen kann. Denn der Kauf hat unter Renditeaspekten gleich mehrere Vorteile. Einen der wichtigsten bezeichnen die Experten als „Provenienz“. Die Übersetzung des Fachbegriffes bedeutet schlicht „Herkunft“, aber in der Kunstszene hat diese entscheidenden Einfluss auf den Wert eines Bildes. „Bei älteren Werken lässt sich oft nicht mehr genau dokumentieren, in wessen Besitz ein Bild zu früheren Zeiten war und ob es dabei verändert wurde“, erklärt Berenberg-Fachmann Horsthemke. Eine lückenhafte Dokumentation kann selbst den Wert alter Meister deutlich schmälern - bei jüngeren Künstlern besteht diese Gefahr dagegen nicht. Die Herkunft ihrer Bilder lässt sich klar nachvollziehen.

Obacht bei Kunstfonds

Zum Zweiten sind gerade bei Werken Jüngerer die Chancen des Weiterverkaufs besser - und darauf kommt es bei Kunstinvestments schließlich entscheidend an. Nach Meinung von Horsthemke ist nämlich gerade bei zeitgenössischen Bildern die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich auch mehr Leute zu einem gewissen Grad mit dem Dargestellten identifizieren können - das mittelalterliche Abbild einer Heiligen beispielsweise spricht dagegen nur einen äußerst kleinen Käuferkreis an. Dass die Werke der Jungen zudem längst noch nicht in einer Preisklasse mit den Millionen-Bildern Gerhard Richters spielen, macht es ebenfalls leichter, neue Käufer zu finden.

Und auch mit Blick auf einen ganz klassischen Anlagegrundsatz bieten die Werke der Nachwuchskünstler einen Vorteil: Mit ihnen lassen sich die Investitionen in Kunst besser streuen. Wer Millionen für den Kauf eines einzigen Kunstwerks ausgibt, geht ein Klumpenrisiko ein: Kommt der Künstler aus der Mode, sind die Millionen futsch. Kauft man dagegen für weniger Geld die Werke verschiedener Künstler, kann das nicht passieren. Günstige Bilder finden sich nicht allein auf Messen wie in Hamburg, sondern auch auf Internetseiten wie „Artflash“ oder in kleineren Galerien. Auf die hohen Renditen, mit denen Kunstfonds locken, sollten Anleger jedoch nicht hereinfallen. Denn die Fonds leiten ihre Versprechungen meist aus Berechnungen ab, in die allein erfolgreiche Kunstverkäufe einfließen - alle gescheiterten Verkaufsversuche bleiben dagegen außen vor. Das verzerrt die Rendite.

Wenn alles gut läuft, kann es Kunstanlegern so ergehen wie einem Besucher auf der ersten „Affordable Art Fair“ 1999 in London. Der kaufte dort Bilder des damals unbekannten Malers Antony Micallef. Heute ist alle Welt dahinter her: Hollywood-Star Brad Pitt zahlt für ein einziges der Gemälde 30.000 Pfund.

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