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Geldpolitik Zinsentscheid der Fed: Süßes oder Saures?

30.10.2007 ·  Auf jeder feucht-fröhlichen Halloween-Party kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem der Gastgeber die Bowle vom Tisch nehmen muss. In diesem Jahr findet die wichtigste Halloween-Party in den ehrwürdigen Mauern der Fed in Washington statt.

Von Peter Coy
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Auf jeder feucht-fröhlichen Halloween-Party kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem der Gastgeber die Bowle vom Tisch nehmen muss, weil die anwesenden Hexen, Zauberer, George W. Bushs, Osama bin Ladens und andere kostümierte Gäste über die Stränge zu schlagen beginnen.

In diesem Jahr findet die wichtigste Halloween-Party in den ehrwürdigen Mauern der Fed in Washington statt, und genau am 31. Oktober werden die zuweilen grantigen Mitglieder des Offenmarktausschusses bekannt geben, ob sie die geldpolitische Bowle vom Tisch der amerikanischen Wirtschaft und der Finanzmärkte nehmen werden oder nicht.

Senken oder nicht senken?

Senkt die Notenbank den Leitzins (Fed Funds Rate), dann können Ausschank und Party ausgelassen weitergehen. Belässt sie den Leitzins dagegen bei 4,75 Prozent, dann ist die Party abrupt zu Ende und dürfte höchstwahrscheinlich für Katerstimmung auf den Aktienmärkten sorgen.

Allgemein wird damit gerechnet, dass Fed-Präsident Ben Bernanke und Kollegen ihren Kurs fortsetzen und die Zinsen senken werden. Nach der von Bloomberg Financial Markets berechneten implizierten Wahrscheinlichkeit von Leitzinsänderungen auf Grundlage von Optionspreisen rechneten am 25. Oktober 69 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt auf 4,5 Prozent. Die Chance einer Senkung um einen halben Prozentpunkt auf 4,25 Prozent betrug 22,5 Prozent, während die Wahrscheinlichkeit eines unveränderten Leitzinses bei lediglich 8,5 Prozent lag.

Spuk auf dem Häusermarkt

Eine mögliche Zinssenkung wäre vor allem eine Reaktion auf die anhaltende Häusermarktkrise, die die gesamte Wirtschaft nach unten zu ziehen droht. Der eher pessimistisch eingestellte Merrill Lynch-Volkswirt David Rosenberg schrieb am 26. Oktober: „Nach unserer Ansicht bedarf es eines Wunders, um eine Rezession abzuwenden“.

In der vergangenen Woche gab der amerikanische Immobilienmaklerverband einen zehnprozentigen Rückgang der Verkaufszahlen bestehender Häuser von August bis September bekannt. Tags darauf meldete das amerikanische Census Bureau einen fast fünfprozentigen Anstieg der Verkaufszahlen neuer Häuser gegenüber dem Vormonat.

Analysten wandten allerdings umgehend ein, dass die Verkaufszahlen für September gegenüber August um drei Prozent niedriger ausfielen als ursprünglich berichtet. Die Zahlen für Juni, Juli und August wurden allesamt nach unten revidiert. Außerdem sei in der Septemberzahl nicht die hohe Zahl der Stornierungen von Bauaufträgen berücksichtigt. Rosenberg verwies auf das Hausbauunternehmen D.R. Horton, das vor kurzem die Stornierungsrate von Bauaufträgen zwischen Juli und September mit 48 Prozent bezifferte.

Ölpreis und Dollar als Sorgenkinder

Doch eine Zinssenkungsentscheidung ist nicht so einfach wie die Herausgabe von Süßigkeiten an kostümierte Kinder. Vor allem teilen nicht alle Ökonomen die Rezessionsängste Rosenbergs. Volkswirte von Wachovia schrieben am 26. Oktober, dass sie zwar mit einer Zinssenkung im Oktober und einer weiteren im Dezember rechnen, jedoch nicht von einer Krisensituation ausgehen. Ein starker Rückgang der Wohnungsbauaktivitäten werde durch „kräftige Zuwächse bei den Verbraucherausgaben und einen beträchtlichen Anstieg der Exporte mehr als wettgemacht“.

Die Fed ist indes nach wie vor besorgt über die Inflationsrisiken, eine Besorgnis, die vergangene Woche neue Nahrung erhielt, als der Inflationsdruck gleich an zwei Fronten - den steigenden Ölpreisen und dem fallenden Dollar - zunahm.

An der New Yorker Rohstoffbörse Nymex stieg der Preis für Rohöl zur Lieferung im Dezember im Wochenverlauf um fast fünf Dollar auf 91,18 Dollar pro Barrel. Grund dieses Anstiegs über das von Angebot und Nachfrage bestimmte natürliche Niveau hinaus war der drohende Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der bedeutenden Ölnation und regionalen Militärmacht Iran. Die hohen Ölpreise dürften die Preise für eine Gallone Benzin in den Vereinigten Staaten wahrscheinlich merklich über drei Dollar treiben.

Das Ende vom Lied

Zwischenzeitlich fiel der Dollar auf ein neues Rekordtief gegenüber dem Euro. Am 26. Oktober kostete ein Euro fast 1,44 Dollar. Nach Berechnungen von Bloomberg gab der Dollar in diesem Jahr gegenüber allen 16 der am meisten gehandelten Währungen nach. Ein niedrigerer Dollar erhöht die Kosten für Importe und heizt damit die Inflation an.

Die Währungshüter der Fed werden an Halloween voraussichtlich die Zinsen senken und höchstwahrscheinlich auch in der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses am 11. Dezember eine Zinssenkung beschließen. Sie werden dies aber nur widerwillig tun. Ben Bernanke und Kollegen sind mürrische Party-Gastgeber, die die süffige Bowle nur mit miesepetrigem Gesicht ausschenken.

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