16.08.2006 · Zweimal scheiterte die Bank of Japan in der Vergangenheit bei dem Versuch, die Geldpolitik zu straffen an äußeren Faktoren. Diesmal so Mitsubishi UFJ sieht es besser aus. Doch noch immer kann alles schief gehen.
Im Frühjahr schien sich die Welt noch zu wandeln. Angesichts steigender Inflationsraten schienen die Zeiten billigen Geldes zu Ende zu gehen und die Notenbanken der Welt flächendeckend von ihrer Politik abzukommen, die Welt mit Geld zu fluten.
Mittlerweile scheinen sich nicht alle Zentralbänker mehr so sicher zu sein, daß das eine gute Idee ist. Allen voran natürlich Amerika, an deren geldpolitischer Spitze ein Mann steht, dessen pragmatischer Kurs von so manchem Beobachter bisweilen als erratisch bezeichnet wird und der mit einer „Zinspause“ vielleicht schon die Wende der monetären Politik einleitet, just in dem Moment, in dem die Geldpolitik überhaupt erst einmal zu wirken beginnt.
Historische Parallelen
Grund ist die Furcht vor einem Erlahmen des Wachstums, dessen inflationäre und monetär destabilisierende Wirkungen man in Kauf nimmt, solange man diese zum einen an den Finanzmärkten, zum anderen durch heuristische Verfahren bei der Inflationsberechnung verstecken kann, die es ermöglichen durch „Bereinigungen“ aufgrund von „Qualitätssteigerungen“ schon mal den ein oder anderen Basispunkt Inflation zu verschleiern.
Geht es nach einer Studie der japanischen Großbank Mitsubishi UFJ Securities, so könnte womöglich auch der Bank of Japan (BoJ), deren offizielle Abkehr von ihrer Nullzinspolitik den Sinneswandel an den Finanzmärkten seinerzeit eingeleitet hatte, unter Umständen gezwungen sein, den vorsichtigen Straffungskurs aufzugeben.
Denn der diesjährige Versuch war nicht der erste seiner Art. Schon 1996 und im Jahr 2000 hatte die japanische Notenbank eine Kursänderung versucht. Beide Male war sie an externen Faktoren gescheitert. 1997 vereitelte die Asienkrise und im Jahr 2000 das Platzen der amerikanischen Technologieblase die Bemühungen.
Asienkrise und Technologieblase kippten Geldpolitik
Naturgemäß stellt sich die Frage, was die Ursache und was die Wirkung war - doch die dürfte nicht einfach zu beantworten sein. Jedenfalls zeigt die derzeitige Lage frappierende Ähnlichkeiten mit den früheren Situationen. Das zumindest suggeriert der Blick auf die japanische Industrieproduktion und den Tankan-Geschäftsklima-Index.
Als die BoJ 1996 ihre Kaufaktivitäten reduzierte, hatte der Industrieproduktionsindex kurz zuvor positives Terrain erreicht. Mit der Asienkrise brach er wieder ein. Auf dem folgenden Tiefpunkt startete die Zentralbank ihre Null-Zins-Politik. Die Produktionsrückgang verlangsamte sich und just als diese wieder stieg und die Null-Zinspolitik aufgegeben werden sollte, platzte die Blase und die Industrieproduktion begann drastisch zu schrumpfen. Ähnlich verhielt sich der Geschäftsklima-Index, wobei die beiden Größen miteinander korrelieren. Beide Male gab die BoJ ihre Straffungsabsichten auf.
Dieses Mal, so die Analysten, sind die Zeichen besser. Der Industrieproduktionsindex erreichte im Mai trotz der Konsolidierung am Aktienmarkt ein neues Rekordhoch in bezug auf die vergangenen zehn Jahre und auch der geschäftsklima-Index befindet sich weiter im positiven Bereich. Indes lassen sich leise Schwächezeichen erkennen, da sich das Klima nicht weiter verbessert hat.
Sorgenkind Aktienmarkt
Viel mehr Sorgen machen der UFJ aber die Aktienkurse. Denn 1997 und 2000 war der Nikkei jeweils zur Zeit der Änderung der Zinspolitik ins Rutschen gekommen. Derzeit klettert er zwar noch, wenn er aber nicht weiter zulege, würden gegenüber dem Vorjahr Verluste anlaufen. Daher komme viel auf die Unternehmensergebnisse an.
Sollten diese schwächer ausfallen und die Aktienkurse ins Rutschen geraten, könnte die BoJ versucht sein, zur Niedrigzinspolitik zurückzukehren. Die Regierung hatte sich ohnehin gegen eine Kursänderung gesperrt. Dies dürfte dann die sogenannten Carry-Trades, bei denen billiges japanisches Geld in hochverzinsliche Schwellenländer-Anlagen floß, wieder beleben.
Zumal infolge der am Mittwoch veröffentlichten Preisdaten die Märkte nun mehr vom endgültigen Endes des Zinserhöhungszyklus in den Vereinigten Staaten ausgehen. Damit würde sich aber die Zinsdifferenz verringern und der Yen aufwerten. das könnte aber wieder zulasten des japanischen Exports gehen und die Industrieproduktion verringern - womit wir wieder bei einem historischen Szenario wären.
Tanz auf dem Vulkan?
Den Anlegern könnte dies zunächst einmal recht sein. Der Schwellenländerboom ginge weiter, die Rohstoffpreise würden weiter zulegen und damit wohl auch die heimischen Aktienkurse. Andererseits würde die Vermögensinflation ebenso weiter gehen. Schon Alan Greenspan zeigte sich verwundert, daß die Zinserhöhungspolitik so wenig bewirkte und ob sie überhaupt je gegriffen hat, ist immer noch fraglich.
Ist das aber der Fall, so wiese das auf einen möglichen Verringerung der Steuerungsmöglichkeiten der klassischen Geldpolitik hin. Unabhängig davon, wo die Preise steigen, führt jedes inflationsinduzierte Wachstum früher oder später in eine Stabilisierungskrise. Diese tritt um so eher ein, je stärker der Glaube ist, daß diesmal alles anders sei. Fundamentale Gesetze der Ökonomie lassen sich nicht aushebeln.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |