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Geldpolitik Ist die Fed aus dem Spiel?

18.08.2006 ·  Die gemeldeten Daten über die Entwicklung der Verbraucherpreise in Amerika deuten auf eine steigende Inflation hin, während der Wohnimmobilienmarkt schwächelt. Derzeit rechnen die Finanzmärkte nicht mir eienm Eingreifen der Notenbank.

Von Michael Englund
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Die neuesten Meldungen über die Entwicklung auf dem Markt für Wohnimmobilien und hinsichtlich der Inflation werfen die Frage auf: Was wird die amerikanische Notenbank (Fed) tun? Der Verbraucherpreisindex (VPI) sträubte sich gegen die Wende im Erzeugerpreisindex und zeigte im Juli die erwartete Stabilität, die mit den übrigen Preisindikatoren in Einklang steht. Der VPI stieg um 0,4 Prozent, der Kernwert um 0,2 Prozent, nach Steigerungsraten von jeweils 0,2 Prozent und 0,3 Prozent im Juni.

Manche Marktteilnehmer waren zwar angesichts der mäßigen Erhöhung der monatlichen Kerninflationsrate erleichtert, doch es bleibt ein Aufwärtstrend im Kernpreisanstieg gegenüber dem Vorjahr bestehen, der im Juli 2,7 Prozent betrug. Wir rechnen mit einem weiteren Ansteigen der Kerninflationsrate auf 2,8 Prozent im August, auch wenn die monatliche Erhöhung erneut nicht mehr als 0,2 Prozent beträgt.

Bautätigkeit sehr schwach

Mittlerweile waren die Daten für den amerikanischen Wohneigentumsmarkt im Juli überall ausgesprochen schwach und begründeten eine neue Abwärtsentwicklung, die das Risiko einer weiteren Fortsetzung der Abwärtstendenz birgt. Die Baubeginne fielen im Juli um 2,5 Prozent auf 1,795 Millionen Dollar (und die revidierten Juni-Zahlen waren noch niedriger).

Die Baugenehmigungen sanken um 6,5 Prozent und damit den sechsten Monat in Folge, die höchste prozentuale Verringerung seit September 1999. Die Baubeginne bei Einfamilienhäusern nahmen um 2,3 Prozent, bei Mehrfamilienhäusern um 3,4 Prozent ab. Bei den Fertigstellungen zeigte sich ein Rückgang um 5,4 Prozent.

Von diesem Wohnungsmarktbericht gehen beim Eintritt in die zweite Jahreshälfte beunruhigende Anzeichen von Schwäche aus, mit mageren Baugenehmigungsdaten und breit gestreuter geografischer Verteilung. Wir haben unsere übrigen Wohnimmobilienprognosen für Juli revidiert und auch die Zahlen für das dritten Quartal nach unten korrigiert.

Der Preisdruck bleibt

Das Element Wohnungsbau im Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im dritten Quartal einen heftigen Einbruch um 18 Prozent verzeichnen. Interessanterweise wird der nicht wohnungsbaubezogene Bausektor voraussichtlich eine Steigerungsrate etwa in gleicher Höhe verzeichnen. Im Immobilienmarkt macht sich Pessimismus breit und dieser wird sich über die Neuverkäufe wohl auch auf die Baubeginnzahlen auswirken.

Durch die Schwäche des Wohnungsmarktes dürfte sich die Fed bestärkt fühlen, daß sie mit der Zinspause im August die richtige Entscheidung getroffen hat - doch was kann sie davon abgesehen aus dem Inflationsbericht entnehmen? Die mageren Erzeugerpreisdaten am 15. August deuteten zwar darauf hin, daß die Fed darin eine frühzeitige Bestätigung ihrer Aussage, der „Inflationsdruck erscheint auf längere Sicht mäßig“, finden könnte, doch die Verbraucherpreiszahlen widersprechen diesem Bericht und offenbaren die gefürchtete Aufwärtsbewegung der Kerninflation auf Jahresbasis von 2,6 Prozent in Juni auf nunmehr 2,7 Prozent.

Die Wohnungspreise sind weiter auf dem Vormarsch und die Höhe der Marktpreise hatte die erwarteten offensichtlichen Auswirkungen auf die Bauvorhaben. Energie- und Baustoffpreise setzen ihren Weg des soliden Wachstums in der ersten Augusthälfte weiterhin fort, was auf einen anhaltenden offenen Preisdruck schließen läßt.

Finanzmärkte rechnen nicht mehr mit der Fed

Zudem wird bei einem unmittelbaren Vergleich die Kerninflation auf Jahresbasis im August und September noch weiter auf 2,8 Prozent steigen. Sollte vom Verbraucherpreisanstieg Entlastung zu erwarten sein, so wird sie vermutlich erst dann eintreten, wenn mit Beginn des nächsten Jahres die früheren Vergleichsdaten ins Spiel kommen.

Die Fed könnte zwar mit ihrer Einschätzung einer Mäßigung der Inflation „auf längere Sicht“ Recht haben, doch dürfte diese Entwicklung Jeffrey Lacker, Präsident der Fed in Richmond, der im August anderer Meinung war, in der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed schwer zu erklären sein.

Im Fed-Terminmarkt konzentrierten sich die Händler mehr auf die Wachstumsdaten und die Anzeichen einer Abkühlung des Wohnimmobilienmarktes als auf den Anstieg der Kerninflation. Der implizite Terminmarkt erweckt den Anschein, die Fed könne nicht mehr im Spiel sein, da er auf wenig mehr als eine zwanzigprozentige Chance einer Anhebung im September schließen läßt.

Die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitschen Straffung in einer der beiden nächsten Sitzungen im September oder Oktober ist auf etwa 32 Prozent zurückgegangen. Vor der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed am 20. September erwarten wir zwar noch eine komplette Datenrunde, doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt würden die Geldpolitiker angesichts der Zahlen und der Erwartungen des Marktes wohl nicht ins Geschehen eingreifen.

Michale Englund ist Chef-Volkswirt bei Action Economics

Quelle: Business Week Online
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