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Geldpolitik Bernankes neue Transparenz

16.11.2007 ·  Die Aktienmärkte wollen über alles informiert werden, was den Notenbankentscheidungen zugrunde liegt. Eine transparentere Informationspolitik der Fed soll es richten.

Von Peter Coy
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Die amerikanische Notenbank bringt mehr Licht ins Dunkel. Eine weise Entscheidung?

Wann ist der Punkt erreicht, an dem die von der amerikanischen Notenbank veröffentlichten Informationen des Guten zuviel sind? Wir werden es in Kürze herausfinden, denn am 14. November kündigte Fed-Präsident Ben Bernanke eine neue Kommunikationspolitik an, in deren Rahmen eine größere Fülle an Informationen in kürzeren Abständen veröffentlicht werden soll. Bald wird die Fed Wirtschaftsprognosen im Quartalsrhythmus herausgeben, die bis dato halbjährlich erschienen sind. Zudem wird der Zeithorizont dieser Voraussagen statt bisher zwei nun drei Jahre abdecken.

Bernanke ist am Puls der Zeit

Darüber hinaus wird auch der von den Prognosen abgedeckte Datenkranz erweitert. Die wichtigste Ergänzung ist eine Projektion der Gesamtinflation, also der geschätzte Anstieg des allgemeinen Preisniveaus anstelle der Kerninflationsrate ohne die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise.

Die Schritte der Fed wurden in den vergangenen Monaten noch genauer verfolgt als sonst. Vor dem Hintergrund der Häusermarktschwäche und der Kreditkrise hatten die Äußerungen der Fed ungewöhnlich starke Auswirkungen auf die Aktienkurse, insbesondere auf jene von Finanzkonzernen wie Merrill Lynch, Citigroup und Bear Stearns sowie auf jene von Hausbauunternehmen wie Pulte Homes, Lennar und Centex.

Mit seiner ausführlicheren Informationspolitik ist Bernanke am Puls der Zeit. Neben der Fed bieten Zentralbanken in aller Welt - von Großbritannien über Neuseeland bis Kontinentaleuropa - einen zusehends tieferen Blick hinter die Kulissen ihrer geldpolitischen Entscheidungsfindung. Eines der Ziele der Offenlegung besteht in der Förderung öffentlicher Unterstützung. In der Theorie ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Menschen mehr Verständnis für Zinsanhebungen entgegen bringen, wenn sie die der Entscheidung zugrunde liegenden Gedankengänge klar nachvollziehen können.

Informationsflut - nicht immer gut

Allerdings könnten die Finanzmärkte auch negativ auf diese Informationsflut reagieren. Stellen Sie sich etwa vor, Ihr Schwager erzählt Ihnen ausführlich jedes noch so kleine Detail seiner Gallenblasenoperation. Manche Dinge möchte man besser gar nicht wissen.

Die Sachlage der Märkte unterscheidet sich jedoch von jener der Gallenblasen-OP. Die Märkte dürsten nach jedem noch so kleinen Tropfen Information des geldpolitischen Destillationsprozesses der Fed, vertragen diese Informationen allerdings nicht immer gut. Stichwort Überreaktion. Volkswirte haben herausgefunden, dass ein Mehr an Informationen nicht immer zur Beruhigung der Märkte beiträgt, sondern bisweilen sogar für Aufruhr sorgen kann. So kann bereits eine kleine und vergleichsweise bedeutungslose Information wahlweise Kursexplosionen oder -einbrüche auslösen.

Ben Bernankes Worte bewegen Weltmärkte, weshalb er sie sorgfältig abwägt. Doch selbst er und andere Mitglieder der Fed lösen durch unbedachte Äußerungen bisweilen unbeabsichtigt Kursturbulenzen aus, was so weit führen kann, dass sich der eine oder andere hierdurch kalt erwischte Anleger manchmal wünscht, die Notenbanker würden einfach die Klappe halten.

Unterhalten sich zwei Hunde, sagt der eine zum anderen...

Ich erinnere mich an einen Cartoon, in dem sich zwei Hunde miteinander unterhalten; der eine sagt zum anderen: „Eine Zeit lang hatte ich einen eigenen Blog, entschied mich aber irgendwann, wieder einfach nur noch pausenlos sinnfrei zu bellen“. Wollen wir hoffen, dass die Fed mit ihrer Transparenzkampagne nicht genauso endet.

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