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Geldmarkt US-Geldmarktfonds unter Druck - Renditen gehen gegen Null

08.10.2002 ·  Um überhaupt noch eine Rendite ausweisen zu können, verzichten einige US-Geldmarktfonds bereits auf die üblichen Fondsgebühren.

Von Chet Currier, Bloomberg News
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Selten haben so viele Anleger aus so einem großen Vermögen so wenig Gewinn erzielt. So lässt sich die seltsame Wendung in einer der großartigsten Erfolgsgeschichten der modernen Finanzwelt wohl am besten beschreiben. Die Rede ist von offenen Geldmarktfonds. Innerhalb von nur 30 Jahren, nachdem der erste dieser Spezies, der Reserve Fund, 1971 aus der Taufe gehoben wurde, sind amerikanische Geldmarktfonds zu einem 2,2 Billionen-Dollar-Geschäft aufgeblüht und haben die traditionellen Sparkonten verdrängt. Die Geldmarktfonds brachten rund 45 Millionen Anlegern - nach Angaben der letzten Erhebung - bessere kurzfristige Renditen als die meisten Banken anbieten können, und das bei gleicher Sicherheit und gleichem Komfort. Auch die großen Institutionen sind gut auf sie zu sprechen.

Jetzt werden die rosigen Zeiten jedoch von sinkenden Zinsen überschattet, vor allem weil diese tiefer und über einen längeren Zeitraum gesunken sind, als man je erwartet hatte. „Wir rechnen dieses Jahr erstmals seit 1983 damit, dass die Geldmarktfonds einen Mittelabfluss ausweisen“, sagt Peter Crane, Managing Editor beim Renditeforscher für Geldmarktfonds iMoneyNet Inc. „Mit Sicherheit befinden wir uns an einem Scheideweg“, meint auch Bruce Bent, Gründer des Reserve Fund. Sein Unternehmen Reserve Management Corp. verwaltet 18 Milliarden Dollar.

Ein langer Weg nach unten

Die Renditen der Geldmarktfonds gerieten vor knapp zwei Jahren ins Straucheln, nachdem die Federal Reserve (FED) den Zinssatz für kurzfristige Anleihen gesenkt hatte. Als die Renditen von sechs Prozent auf unter fünf, unter vier, unter drei und sogar auf unter zwei Prozent fielen, schien sich darüber aber niemand ernsthaft Sorgen zu machen. Nach Daten des Fondsverbands Investment Company Institute investierten Anleger 2001 eine Rekordsumme von 376 Milliarden Dollar in Geldmarktfonds, so dass das Gesamtvolumen zwei Billionen Dollar erreichte, und das nur vier Jahre nachdem die Marke von einer Billion Dollar überschritten worden war.

Nachdem in diesem Jahr die Renditen jedoch weiter fielen, wendete sich der Trend. Nun, da die letzte von iMoneyNet ermittelte durchschnittliche Rendite bei 1,25 Prozent (1,08 Prozent bei speziellen steuerfreien Geldmarktpapieren der öffentlichen Hand) liegt, zeigen die Daten des ICI für die ersten acht Monate des laufenden Jahres einen Mittelabfluss in Höhe von 95 Milliarden Dollar.

Aus Sicht des einzelnen Investors entwickelt sich die momentane Situation allerdings eher zu einer Kuriosität als zu einer Krise. Denn weder Sie noch ich werden Geld durch „negative Renditen“ verlieren. So etwas würden wir auch niemals hinnehmen. Dazu wäre es zu einfach, aus einem Geldmarktfonds wieder auszusteigen.

Die Konsequenz ist, dass es sich kein Geldmarktfonds, der noch weiter am Markt bestehen will, leisten kann, die negativen Renditen von den Konten der Anleger abzubuchen. Auch dann nicht, wenn die Zinserträge der Investments unter den laufenden Verwaltungsgebühren liegen.

Was kommt als Nächstes?

Um zu verhindern, keine oder gar eine negative Rendite ausweisen zu müssen, haben einige Fondsmanager bereits begonnen, auf die üblichen Fondsgebühren zu verzichten, so Crane.

Und was würde passieren, wenn die Fed den Leitzinssatz (Zinssatz für Tagesgeld) vom derzeitigen Niveau von 1,75 Prozent weiter senken würden, wie dies von einigen bereits erwartet wird? „Das wäre ziemlich schmerzhaft“, meint Crane.

Das, was Crane als „Geschäft mit niedriger Marge“ bezeichnet, bedeutet für Fondsmanager, dass es immer härter wird, Geldmarktfonds überhaupt noch gewinnbringend zu verwalten. Laut Crane haben von den rund 180 Fondsgesellschaften, die Geldmarktfonds verwalten, ungefähr die Hälfte Vermögen von einer Milliarde Dollar oder weniger in dieser Fondskategorie angelegt.

Konsolidierung steht bevor

Über einen längeren Zeitraum dürfte dies der Anfang eines Prozesses sein, den Analysten gerne als „Konsolidierung“ bezeichnen: Die weniger erfolgreichen Fondsgesellschaften schließen oder werden von größeren Gesellschaften aufgekauft. „Die Großen werden größer, die Kleinen verschwinden“, sagt Debbie Cunningham. Sie verwaltet bei Federated Investors Inc.130 Milliarden Dollar in steuerpflichtigen Geldmarktfonds.

Viele Aktien- und Rentenfonds-Experten nutzen auch die Möglichkeit, ihre Geldmarktgeschäfte „auszulagern“, indem sie externe Fondsmanager damit beauftragen und dabei ihren Namen und die Marketingverantwortung beibehalten.

Abgesicherte Alternative

Was bedeutet dies alles für den einzelnen Anleger, abgesehen von den unglaublich stark schrumpfenden Renditen? Ich wiederhole, es steht keine Krise bevor. Wenn die Renditen also zur Nebensächlichkeit werden, steigt die Versuchung, das Geld zurück in Spareinlagen zu transferieren, die, anders als die Geldmarktfonds, staatlich gesichert sind.

Die Gesellschaft von Bent bietet nun als Alternative ein Konto an, welches das Geld in staatlich gesicherte Einlagen umschichtet. Viele große Investmentgesellschaften experimentieren damit, die täglichen Ströme von nicht angelegtem Kapital ihrer Kunden eher in Bankeinlagen statt in Geldmarktfonds fließen zu lassen.

Es sollte in Erinnerung bleiben, dass Geldmarktfonds Großes für Investoren geleistet haben. Nach Zahlen von Crane wurden in den letzten drei Jahrzehnten durch Geldmarktfonds rund 250 Milliarden Dollar mehr Rendite erwirtschaftet, als es ohne sie je möglich gewesen wäre. In einer Welt mit mikroskopisch kleinen Zinssätzen ist ihre Fähigkeit, solche Wunder zu vollbringen, allerdings stark eingeschränkt.

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