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Veröffentlicht: 01.01.2009, 14:13 Uhr

Geldanlage Wie aus 100.000 Euro mehr oder ganz wenig wurde

Hätte man das vorher gewusst. Aktien in Ghana und Anleihen in Japan, der Schweiz und den Vereinigten Staaten; so hätte ein deutsches Depot im Jahr 2008 aussehen sollen, um mit üppigen Kursgewinnen durch die Finanzmarktkrise zu kommen.

© F.A.Z.

Hätte man das vorher gewusst. Aktien in Ghana und Anleihen in Japan, der Schweiz und den Vereinigten Staaten; so hätte ein deutsches Depot im Jahr 2008 aussehen sollen, um mit üppigen Kursgewinnen durch die Finanzmarktkrise zu kommen. Doch auch sonst ist das Börsenjahr 2008 für viele ganz in Ordnung gewesen: Am Geldmarkt, mit Tagesgeld, und mit Immobilienfonds ließen sich vernünftige Renditen erzielen. Nur für Aktionäre war es ein ganz bitteres Jahr.

Daniel Mohr Folgen:

Wer zum Beispiel 100.000 Euro zu Jahresbeginn in isländische Aktien angelegt hat, dem ist der Missgriff des Jahres passiert, denn an keinem Aktienmarkt der Welt hat die Finanzkrise so verheerende Auswirkungen gehabt. Neben dem Verfall der Aktienkurse ist die isländische Krone gleich mit in den Keller gezogen worden, so dass für einen deutschen Anleger gerade einmal gut 3000 Euro von seinem ursprünglichen Einsatz übrig geblieben sind. An das Geld kommt der Anleger derzeit aber noch nicht einmal heran. Die meisten Aktien sind vom Handel ausgesetzt. Die den Markt dominierenden isländischen Banken sind kollabiert und nun unter staatlicher Kontrolle. Gegenwärtig ist ein genauer Zeitpunkt für eine Wiederaufnahme des Börsenhandels noch nicht abzusehen.

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Nur wenig besser erging es den Anlegern in Russland. Auch hier sind Aktienkurse und Währung verfallen, in erster Linie wegen des scharfen Rückgangs der Rohstoffpreise, von denen die russische Volkswirtschaft in hohem Maße abhängt. Doch auch an den anderen Aktienmärkten in Schwellen- und Industrieländern ging es deutlich bergab. Die kompletten 100 000 hätte kein Anleger wiedergesehen. Die Kursverluste in Euro bewegen sich meist zwischen 25 und 50 Prozent.

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Geld verdienen im Exotenmarkt Ghana

In einem Exotenmarkt wie Ghana hätten Anleger im Jahr 2008 mit Aktien sogar Geld verdienen können. Aus 100.000 Euro wären theoretisch 129.000 Euro geworden. Theoretisch sind diese Gewinne deshalb, weil es einem deutschen Anleger quasi unmöglich ist, in Ghana Aktien zu kaufen. Selbst die sonst so findige Zertifikateindustrie hat noch keinen Weg der Partizipation deutscher Anleger am Aktienmarkt des westafrikanischen Landes gefunden. Und auch die Direktanlage ist nicht ohne: Ghana hat keinen elektronischen Börsenhandel. Die Händler in Accra schreiben ihre Angebots- und Verkaufspreise auf Tafeln. Es sind nur 34 Gesellschaften börsennotiert, und an vielen Tagen kommt überhaupt kein Börsenhandel zustande. Falls also ausländische Investoren im Markt engagiert waren, konnten sie ihr Geld nur schwerlich abziehen. Damit erklären sich Beobachter auch die gute Kursentwicklung. Außerdem gilt der Aktienmarkt in Ghana als besonders träge. Er hat die Aufwärtsentwicklung verschlafen, die andere Aktienmärkte in den Vorjahren verzeichneten, und vollzieht nun auch die Krise nicht mit - zumindest nicht sofort.

Überboten wird die Wertentwicklung in Ghana noch von japanischen Anleihen. Aus 100.000 Euro wären durch die Geldanlage in japanischen Staatsanleihen im Laufe des Jahres 2008 nun 134.000 Euro geworden. Für ein Land, das seit Jahren quasi keine Zinsen zahlt, ein beachtliches Ergebnis. Zu verdanken ist es fast ausschließlich den Währungseffekten. Der Yen hat gegenüber dem Euro im Jahresverlauf fast 30 Prozent an Wert gewonnen. Mussten zu Jahresbeginn gut 6 Cent für 10 Yen gezahlt werden, sind es nun knapp 8 Cent. Ohne Währungseffekte hat die Geldanlage in japanischen Staatsanleihen eine Rendite von nur gut 3 Prozent eingebracht.

Genauso ist die gute Entwicklung der Schweizer Staatsanleihen zu erklären. Aus 100.000 Euro wären hier im Jahresverlauf 123 000 Euro geworden. Gut die Hälfte davon ist durch Währungsgewinne des Franken gegenüber dem Euro zu erklären. Aber auch mit amerikanischen Anleihen ließ sich Geld verdienen, auch wenn hier der Wechselkurseffekt unter dem Strich kaum ins Gewicht fällt. Mit nun 1,42 Dollar kostet der Euro fast dasselbe wie am Jahresanfang mit 1,45 Dollar. Doch angesichts der Finanzkrise und ihrer Folgen für die Weltwirtschaft erinnerten sich viele Anleger an die als sicherer Hafen geltenden amerikanischen Staatsanleihen. Obwohl die Verzinsung deutlich gesunken ist, konnte wegen der hohen Kursgewinne eine ansehnliche Rendite erzielt werden. Selbiges gilt in abgeschwächter Form für die deutschen Staatsanleihen. Gemessen an der Entwicklung des Rentenindex Rex, warfen sie eine Rendite von fast 11 Prozent ab und damit noch deutlich mehr als Geldmarktfonds (gut 6 Prozent), offene Immobilienfonds (knapp 5 Prozent), Tagesgeld (im Durchschnitt fast 4 Prozent) und das Sparbuch (gut ein Prozent). Somit konnten deutsche Anleger auch ganz ohne Ghana und Japan Geld verdienen.

Quelle: F.A.Z.

 

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