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Analyse : Welcher Fonds ist der beste?

Die zentrale Erkenntnis: Erfolg bleibt in der Welt der großen Fonds eine flüchtige Angelegenheit. Bild: F.A.S.

Die Deutschen haben viele Milliarden in Fonds investiert. Eine Auswertung im Auftrag der F.A.S. zeigt: Überzeugen können die wenigsten. Mit einem Fonds können Anleger indes nicht viel falsch machen.

          Wann darf man sich einen Fondsmanager als glücklichen Menschen vorstellen? Zugegeben, es gibt drängendere Fragen auf diesem Planeten, aber wenn man sich einmal darauf einlässt, scheint die Antwort klar. Fondsmanagern geht es beruflich dann gut, wenn der von ihnen betreute Fonds ansehnliche Wertzuwächse erzielt. Denn dann interessieren sich auch immer mehr Anleger dafür und investieren ihr Geld. Gar mehrere Milliarden Euro zu verwalten muss da doch das höchste der Gefühle sein.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch sosehr es die Manager zunächst auch freuen mag, wenn ihr Fonds wächst und gedeiht: Gerade den Erfolgreichsten unter ihnen dürfte es mitunter schlaflose Nächte bereiten, wenn ihr Fonds mit einem Mal so richtig groß wird. Das hat mit einer einfachen Gesetzmäßigkeit des Investierens zu tun. Je mehr Milliarden ein Fonds einsammelt, umso wahrscheinlicher ist es, dass an der einstmals erfolgreichen Anlagestrategie nicht länger festgehalten werden kann.

          Woran das liegt, zeigt ein Beispiel: Angenommen, ein Fonds investiert vor allem in die Aktien kleinerer Unternehmen. Solange das Fondsvermögen noch gering ist, ist dies problemlos möglich. Sobald das Vermögen aber auf eine gewisse Größe anschwillt, funktioniert die Sache nicht mehr. Würde der Fondsmanager nämlich nun weiter einen gleich hohen Anteil des Vermögens in einzelne Aktien kleinerer Firmen investieren, müsste er in vielen Fällen gleich das ganze Unternehmen kaufen. Ein hohes Risiko und in der Praxis fast ein Ding der Unmöglichkeit. Lieber verändert man dann seine Anlagestrategie.

          „Größe kann den Charakter eines Fonds verändern“

          Größe allein ist darum in der Welt der Fonds nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, sondern sollte misstrauisch machen. Das zeigt ein Blick auf die zehn beliebtesten Fonds der Deutschen (gemessen am Anlagevolumen), die das Analysehaus Morningstar für die F.A.S. untersucht hat: Die Fonds sind zwar beileibe nicht alle schlecht – im Gegenteil, einige Manager machen ihre Arbeit richtig ordentlich. Aber manche Fonds haben gerade in den vergangenen zwölf Monaten derart viel Geld eingesammelt, dass sie echte Mühe hatten, ihrer früheren Linie treu zu bleiben. Dabei haben die Anleger meist doch genau dieser Linie wegen in sie investiert. „Größe kann den Charakter eines Fonds verändern“, sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah.

          Was plötzliche Geldströme mit einem Fonds machen können, zeigt das Beispiel des Nordea Stable Return. Nachdem seine Manager vor gut einem Jahr das Kunststück vollbrachten, den Anfang 2016 durch China ausgelösten Börsencrash ohne Verlust durchzustehen, wollten so viele Anleger wie noch nie in den Fonds investieren. Die Zuflüsse binnen weniger Monate betrugen gewaltige zehn Milliarden Euro. Im Herbst 2016 sah sich Nordea gezwungen, den Fonds für neue Anleger zu schließen, damit die Manager ihre Anlagestrategie weiter umsetzen können.

          Bild: F.A.Z.

          Dabei ist die Strategie nicht gerade spektakulär. Der Nordea-Fonds setzt sowohl auf Aktien als auch auf Anleihen. Das Fondsmanagement kauft ausfallsichere Anleihen wie amerikanische Staatsanleihen und Aktien, die möglichst wenig schwanken (zum Beispiel Pharmaaktien). Die Kurse der einzelnen Wertpapiere sollen sich, so das Ziel, möglichst unabhängig voneinander entwickeln – so macht man im Idealfall kaum Verluste.

          Blöd nur, dass ausgerechnet seit der Schließung des Fonds die Strategie nicht mehr so richtig funktioniert: Die Kurse amerikanischer Staatsanleihen haben stark verloren, auch Pharmaaktien zeigen Schwächen. Auf Sicht von mehreren Jahren kommt der Fonds zwar auf gute Resultate, zurzeit macht er aber keine Freude.

          Nur ein Fonds auf der Liste verwaltet noch mehr Geld als der Nordea-Fonds. Auch er kennt die Schwierigkeiten, die mit zunehmender Größe einhergehen, genau. Es handelt sich um den Carmignac-Patrimoine-Fonds des Starmanagers Édouard Carmignac. Berühmt wurde der Franzose, weil es ihm gelang, die Finanzkrise 2008 ohne Verluste zu überstehen. Doch danach enttäuschte der Mischfonds (er investiert sowohl in Aktien als auch in Anleihen) immer mal wieder. Auch ihm ist wegen seines Volumens von 24 Milliarden Euro die Flexibilität abhandengekommen.

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