06.06.2006 · Die Aktienkurse schwanken wieder stärker. Darauf sollten sich Anleger einstellen. Sieben Wege, um die unsicheren Monate gut zu überstehen.
Von Thomas SchmittDer deutsche Aktienmarkt ist angeschlagen. Am Freitag schloß der wichtigste Index, der Dax, deutlich unter 6.000 Punkten, am Pfingstmontag ging es weiter bergab. Obwohl sich das Barometer von dem plötzlichen Einbruch im Mai erholt hat, kann keine Entwarnung gegeben werden.
Wie lange Unsicherheit und stärkere Kursschwankungen den Markt prägen werden, ist offen. Optimisten hoffen, daß das Schlimmste in ein paar Monaten vorüber ist, Pessimisten haben das Jahr bereits abgehakt. Das ist Grund genug, das Depot zu checken. Sieben Strategien für die nächsten Monate.
Auf bessere Zeiten warten
Der Fondsmanager Frank Lingohr aus Düsseldorf nimmt es, wie es kommt. Er setzt auf unterbewertete Aktien, die nach dem Kurseinbruch sogar noch billiger geworden sind. Kein Grund also, die Strategie zu ändern. Lingohr sitzt die Krise aus. Diese Geduld bringt nur ein langfristig denkender Investor auf, der von seiner Aktienauswahl überzeugt ist.
Diese Strategie eignet sich zudem für Anleger, die vor dem Einbruch im Mai schon Aktien verkauft haben und dem Rest des Depots noch etwas zutrauen. Voraussetzung: Im Spätherbst oder spätestens Ende 2006 ist die Durststrecke überwunden, und Aktien steigen wieder. Das erwartet etwa der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Wolfgang Pflüger.
Gewinne mitnehmen
Viele Aktien sind enorm gestiegen, Solartitel etwa oder Rohstoffwerte. Einige Vermögensverwalter haben schon Aktien verkauft, aus Angst vor einer Überhitzung. Manche von ihnen wollen in Zukunft noch weitere Papiere abstoßen. Auch private Anleger sollten überlegen, ihre gut gelaufenen Aktien an sonnigen Tagen abzugeben.
Sich völlig von Aktien zu verabschieden, das hält Berater Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum in München für verfrüht, weil Aktien insgesamt noch nicht überteuert seien. Auch der Chefstratege der Credit Suisse in Deutschland, Stefan Keitel, sieht das so. In seinem ausgewogenen Depot hat er die Aktienquote zwar von fast 50 auf bald 35 Prozent reduziert. Doch das ist die normale Quote. Von dieser Basis aus will er bald nach Kaufgelegenheiten Ausschau halten.
Ausstiegskurse setzen
Wer in nächster Zeit an den Börsen zugreift, kommt ohne Stoppkurse nicht aus. Ein Tageshändler wie Marcus Riemenschneider aus Bochum macht das immer. Doch auch wer für ein paar Wochen oder Monate mitspielt, sollte diszipliniert handeln, rät Wieland Staud, Börsenprophet aus Bad Homburg. Nur so sichern Anleger zumindest einen Teil ihrer Gewinne.
Bis vor kurzem lautete Stauds Kursziel für den Dax 6.230 Punkte. Doch nach dem herben Rückschlag befürchtet der technische Analyst, daß der Index unter 5.550 Punkte fallen könnte. Damit breche der Aufwärtstrend seit April 2003, was ein extrem schlechtes Zeichen wäre. Die Korrekturphase könne dann bis in das nächste Jahr gehen. Staud rät Anlegern, dem Markt Zeit zu geben, die Verluste zu verdauen.
Zertifikate ins Depot
Schwankt der Dax gerade besonders stark oder nicht? Der VDax, in dem sich die Kursschwankungen (Volatilität) des Index widerspiegeln, liefert keine eindeutige Antwort. Das Schwankungsbarometer stünde zwar auf dem höchsten Stand seit dem vierten Quartal 2004, sagt Dirk Guber von Trinkaus & Burkhardt. Doch es ist noch immer tief: In den vergangenen zehn Jahren bildete das aktuelle VDax-Niveau oft die Untergrenze. Eine Meinung zur Volatilität an der Börse sollte jeder haben, der gerne Zertifikate kauft. Denn deren Wert wird durch das Ausmaß der Volatilität beeinflußt.
Ist die Intensität der Kursschwankungen sehr hoch, lohnen sich Discount- oder Bonus-Zertifikate besonders. Denn sie bieten bei Aktienanlagen einen Risikopuffer. Zuletzt sind diese Anlagen attraktiver geworden. Doch Zertifikate haben ihre Tücken. Fondsmanager Peter Huber meint, Discount-Zertifikate lohnten sich erst bei einem VDax von 30 Prozentpunkten. Zuletzt waren es rund 20 Punkte.
Spezielle Anleihen kaufen
Vermögensverwalter wie Michael Huber aus München setzen derzeit auf Genußscheine und Wandelanleihen. Erstere bieten eine attraktive Verzinsung, mit letzteren kauft er eine Mischung zwischen Aktie und Anleihe. Huber hat eine Zinszahlung sicher, und wenn die Börsenkurse steigen, profitiert er über Kursanstiege.
Vorsichtige Anleger kaufen auch gerne inflationsindexierte Anleihen, wenn sie höhere Teuerungsraten erwarten. Klassische Anleihen profitieren zwar von Verlusten am Aktienmarkt, doch das Kursrisiko ist noch groß, weil weitere Zinserhöhungen durch die Notenbanken möglich sind.
Immobilien erwerben
Sachwerte sind gut für die Mischung im Portfolio. Denn wenn Aktien und Anleihen leiden, profitieren davon oft Immobilien. Bei offenen Immobilienfonds sollten Anleger aber genau hinschauen, welchen sie nehmen.
Es bieten sich zudem steuerbegünstigte Immobilienaktien an, die Reits. In vielen Ländern gibt es sie, in Deutschland kommen sie bald. Es werden auch mehr Dachfonds aufgelegt, die sich auf alternative Anlagen für vorsichtige Anleger konzentrieren.
Geld parken
Tagesgeld wird attraktiver, weil die kurzfristigen Zinsen weltweit steigen. Wer zum Beispiel Dollar hat, ist mit fünf Prozent in Amerika gut bedient. Anleihen bringen dort auch nicht viel mehr.
In Europa sind in den besten Fällen schon drei Prozent drin, bald dürfte das wieder Standard sein. Ist der Börsensturm vorbei, ist so Geld vorhanden, das lukrativer angelegt werden könnte.
VDax - Maßstab für die Unsicherheit der Börse
Wenn die Kurse am deutschen Aktienmarkt plötzlich und sehr rasch nach oben oder nach unten laufen, dann steigt die Unsicherheit der Anleger. Denn damit verbunden ist, daß die Kurse stärker ausschlagen als üblich. Für den Deutschen Aktienindex Dax spiegeln sich die Schwankungen, auch Volatilität genannt, in einem eigenen Index wider, dem VDax. Besonders hoch lag er Ende 2002. Damals erreichte der Ausverkauf am Aktienmarkt seinen Höhepunkt. Im Zuge der Kurserholung seit 2003 ging die Volatilität Stück für Stück zurück. Der VDax-Index zog in den vergangenen Jahren immer an, wenn der Hauptindex, der Dax, einen Rückschlag erlitt. Das war auch zuletzt so, das Maß für die Unsicherheit ist nun so hoch wie seit 2004 nicht mehr. Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren ist dies jedoch noch wenig. Anleger, die wegen der höheren Volatilität Discount-Zertifikate kaufen, sollten also vorsichtig sein. Negative Überraschungen, also noch stärkere Schwankungen, sind drin. (stt.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |