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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Geldanlage Risiken: Hilfreiche Strategien für turbulente Zeiten

 ·  Während die sich zuspitzende Finanzkrise das Vertrauen in alle möglichen Arten von Investments erschüttert, stellen sich Anleger die Frage, wie sie ihr Portfolio absichern können. Hier einige Antworten und Ratschläge von Finanzplanern.

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Wenn selbst promovierte und mit ausgeklügelten Computermodellen arbeitende Risikomanager an der Wall Street der im vergangenen Jahr einsetzenden Finanzkrise nicht entgehen konnten, wie müssen dann erst Kleinanleger ihre Chancen einschätzen, insbesondere dann, wenn Probleme mittlerweile auch an Orten auftauchen, an denen man sie nicht erwartet hätte. So sind etwa die eigentlich als langweiliges und verlässliches Investment geltenden Kommunalobligationen von der angeschlagenen Finanzlage der Anleiheversicherer und daraus resultierenden möglichen Bonitätsabstufungen betroffen. Und selbst in den Beständen der populären und vermeintlich sicheren Geldmarktfonds wurden risikoreiche Positionen entdeckt.

Zwischenzeitlich kommt es auf den Aktienmärkten zu weiteren herben Kursverlusten. Großbanken wie die Citigroup sehen sich gezwungen, zusätzliches Kapital zu hohen Zinssätzen hereinzuholen, während die Kreditmärkte als Quell allen Übels weiterhin von Ängsten vor zweitklassigen Hypothekenkrediten und darauf basierenden Wertpapieren geschüttelt werden.

Due Diligence unabdingbar

In Zeiten wie diesen scheint es daher nicht verkehrt zu sein, das eigene Wertpapierportfolio auf Risiken abzuklopfen. Wo lauern versteckte Risiken in eigenen Investments? Wie sollte man sich in unsicheren Zeiten positionieren? Und was ist noch sicher in einer Zeit, in der selbst Kommunalobligationen und Geldmarktfonds unter Verdacht stehen? Auf der Suche nach Antworten und Ratschlägen wandten wir uns an Finanzplaner.

Es ist alles andere als einfach. „Das sind wirklich ungewöhnliche Zeiten“, sagt Elaine Scoggins, Finanzberaterin bei Merriman Berkman Next aus Seattle. Anleger „müssen sich vielleicht um die Due Diligence kümmern, die sie in der Vergangenheit vernachlässigt haben.“

An der Wall Street wird für die Risikobegrenzung viel Zeit und Geld aufgewandt. Man setzt auf komplexe Handelsstrategien sowie auf esoterische Derivate und Wertpapiere, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass ein Investmentportfolio unversehens kollabiert.

Bei zahlreichen hochmodernen Unternehmen hat diese Vorgehensweise indes nichts genutzt. Warum? Weil die Dinge unter anderem so komplex geworden sind, „dass sie Vorhersagen praktisch unmöglich machen“, meint Mark Joseph, Finanzplaner bei Sentinel Wealth Management in Reston (Virginia). Die Lektion für Kleinanleger? Halten Sie es einfach. Wenn ein Investment nicht mit wenigen Sätzen erklärbar ist, dann bürdet man sich wahrscheinlich mehr Risiken auf, als man zu verstehen imstande ist, sagen Finanzplaner.

Ist Risikomanagement für die Katz'?

Andere argumentieren außerdem, dass das gesamte Konzept des Risikomanagements absurd sei. Joseph merkt an, dass man „alle möglichen Arten von Algorithmen und Modellen einsetzen kann“, und damit letztlich nur das Unmögliche versucht: die Zukunft vorauszusagen.

Vorhersagen über den Ursprung und das zeitliche Auftreten von Risiken seien nicht präziser als Prophezeiungen einer zukünftigen Katastrophe, sei es eine Überschwemmung, ein Erdbeben oder ein Atomschlag, sagt Barry Kaplan von Cambridge Southern Financial Advisors in Georgia. Wenn eine Finanzpanik eintritt, „wollen alle zur selben Zeit durch denselben Ausgang“, indem sie schnellstmöglich ihre problematischen Vermögenswerte abstoßen. „Kein Risikomodell kann das vorhersagen“, so Kaplan.

Wenn Sie sich um versteckte Risiken in Ihrem Renten- oder Geldmarktfonds sorgen, dann sollten Sie Ihre Fondsgesellschaft anrufen und unbequeme Fragen stellen, raten Finanzberater. Sie sollten vor allem sicherstellen, dass sich in den Fondsbeständen keine mit Subprime-Hypotheken besicherten Wertpapiere befinden.

Doch die Subprime-Krise ist nicht die einzige Gefahr. Auch wenn faule Hypothekenkredite gewärtig als Risiko Nummer eins gelten, warten da draußen noch viele weitere Risiken, mit denen nur wenige rechnen.

Manchen Anleger erschreckt die Vorstellung überall lauernder Risiken. Milo Benningfield von Benningfield Financial Advisors aus San Francisco hat mit vielen Menschen gesprochen, die ihre Ersparnisse zwei Jahre oder länger in Form von Bargeld horteten. „Sie sind wie gelähmt“, so Benningfield.

„Ohne Risiko keine Rendite“

Doch selbst durch die Wahl absolut sicherer Investments lassen sich nicht alle Risiken vermeiden. Man kann sein Geld zwar in Sparbüchern, Schatzanweisungen, Einlagenzertifikaten oder in einem konservativen Geldmarktfonds parken, man wäre jedoch noch immer dem Risiko der Inflation ausgesetzt, da die Lebenshaltungskosten mitunter schneller steigen können als der Wert der Investments.

„Ohne Risiko keine Rendite“ ist ein Grundprinzip der Finanzmärkte, ähnlich dem Spruch „ohne Fleiß kein Preis“ etwa im Fitnessstudio. Nach Ansicht von Finanzberatern kommt es dabei vor allem darauf an, jene Risiken in Kauf zu nehmen, für die man im Austausch einen langfristigen Vermögenszuwachs erhält.

Mit einem diversifizierten Portfolio erkauft man beispielsweise ein langfristig höheres Ertragspotenzial mit einer höheren Volatilität, erklärt Frank Armstrong, Vorsitzender von Investor Solutions, einer Vermögensberatungs- und -verwaltungsgesellschaft in Florida. Die Übernahme eines zusätzlichen Risikos im Austausch gegen einen höheren Ertrag ist insbesondere dann eine clevere Sache, wenn man das Geld über mehrere Jahrzehnte hinweg nicht benötigt.

Armstrong fügt jedoch hinzu, dass man auf alle Fälle ein „nicht kompensiertes Risiko“ vermeiden müsse, also ein zusätzliches Risiko, das auf lange Sicht nicht auch mit zusätzlichen Ertragschancen einhergeht. Diese versteckten Risiken - beispielsweise die Konzentration des Portfolios auf zu wenige Positionen der gleichen Art - werden die Wertentwicklung auf lange Sicht beeinträchtigen. „Nichts gegen Risiken. Es müssen nur kalkulierbare Risiken sein“, so Benningfield.

Wir baten Finanzberater um Tipps, wie man mit möglichst geringem Risiko zu vernünftigen Erträgen gelangen kann. Nachfolgend einige ihrer Vorschläge:

1. Behalten Sie die Gebühren im Auge. Die von Fondsmanagern jährlich kassierten Gebühren drücken auf Ihre Erträge, sie können Fondsmanager jedoch auch dazu ermuntern, zusätzliche Risiken einzugehen, um diese Gebühren zu rechtfertigen. Die Finanzkrise hat Anleger äußerst misstrauisch gegenüber Fondsmanagern werden lassen. Der „Namen eines Fonds sagt häufig nichts darüber aus, was in dem Fonds vorgeht“, merkt Joseph an. Lesen Sie Fondsprospekte sorgfältig durch, rufen Sie Fondsgesellschaften an, wenn Sie Fragen haben und schichten Sie Ihre Gelder um, wenn Sie der Meinung sind, dass ein Fonds - ob Geldmarkt-, Renten- oder Aktienfonds - nicht in Übereinstimmung mit seiner Zielsetzung und seinem Risikoprofil verwaltet wird. Viele Finanzberater empfehlen daher Indexfonds, deren Investments automatisch der Börsenentwicklung folgen und mit vergleichsweise geringen Gebühren verbunden sind.

2. Bei Kommunalobligationen können Sie unbesorgt sein. Anleiheversicherer mögen vielleicht in Schwierigkeiten geraten, doch da Körperschaften des öffentlichen Rechts für die Schuldverschreibungen haften, sind Zahlungsausfälle äußerst unwahrscheinlich. Achten Sie jedoch genau auf die Art von Schuldverschreibungen, die sich in Ihrem Portfolio oder in den Beständen Ihres Fonds befinden. Nach Einschätzung von Finanzberatern dürfte die Mehrzahl der Kommunalobligationen aber unproblematisch sein.

3. Diversifikation ist Trumpf. Mit einer breiten Streuung ihrer Investments maximieren Sie Ihre langfristigen Erträge bei gleichzeitiger Minimierung Ihres Risikos. Wichtigster Bestandteil eines jeden diversifizierten Portfolios sind internationale Aktien, einige Berater empfehlen als Beimischung auch alternative Investments wie Rohstoffe. Selbst besonders risikoreiche Anlagen sind in Maßen vertretbar, solange sie Teil einer breiter angelegten Investmentstrategie sind. „Es kommt darauf an, wie gut sie ins Gesamtportfolio passen“, sagt Kaplan.

Vermeiden Sie außerdem eine unbeabsichtigte Konzentration Ihres Portfolios, die mit zusätzlichen Risiken einhergehen könnte. Kaplan erinnert sich an den Fall einer achtzigjährigen Witwe, die vor drei Jahren mit einem Portfolio bestehend aus Großbankaktien, börsennotierten Immobilienfonds (REITs), Bargeld und Anleihen zur Beratung kam. Jeder Bestandteil des Portfolios war für sich gesehen eine konservative und sichere Sache, doch in ihrer Kombination war die Katastrophe programmiert. Die Finanzkrise und die Häusermarktschwäche, die den Banken zu schaffen macht, hat auch REITs und viele Rentenfonds in Mitleidenschaft gezogen.

Finanzberater empfehlen Anlegern, genau darauf zu achten, dass sich ihre Fonds nicht überschneiden. Unabhängig davon, wie viele Investmentfonds Sie besitzen, sie bringen weder zusätzliche Diversifizierung noch Absicherung, wenn sämtliche Fonds in ähnliche Aktien derselben Branchen investieren.

4. Vorsicht vor Hochzinsanleihen oder anderen Investments mit überdurchschnittlich hohen Renditen. Einige Renditen sind „verdächtig hoch“ und man sollte sich fragen, warum das so ist, rät Benningfield. „Wenn Sie als Anleger immer nach den höchsten Renditen streben, werden sie irgendwann ein Portfolio besitzen, das sie nicht mehr begreifen“, sagt Armstrong.

5. Aktien stehen für Risiko, Anleihen für Sicherheit. Wenn Sie den Risikoanteil Ihres Portfolios erhöhen und damit Ihre Ertragschancen steigern möchten, werden Ihnen viele Berater empfehlen, auf Aktien zu setzen und Anleihen unterzugewichten. Anleihen sorgen in erster Linie für Kapitalschutz und nicht für Wachstum.

In turbulenten Zeiten ist der Kleinanleger den Marktkräften auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Beratern zufolge können Anleger jedoch mit einigen zusätzlichen Nachforschungen und vielleicht mit ein wenig professioneller Unterstützung versteckte Gefahren aufdecken, während sie ein Risiko-Ertrags-Verhältnis anstreben, das mit ihrem Nervenkostüm kompatibel ist.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Standard & Poor's Equity Research
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