29.05.2006 · Finanzinvestoren schwimmen im Geld. Dafür suchen sie neue Investitionschancen. Und öffnen sich den Privatanlegern.
Von Catherine HoffmannEine Branche frohlockt. Die Taschen der Private-Equity-Firmen sind gut gefüllt. Und eine beispiellose Welle von Übernahmen schwappt über Deutschland und den Rest der Welt. Die außerbörslichen Beteiligungsgesellschaften greifen sich Familienunternehmen, Konzernabspaltungen und börsennotierte Firmen, um sie aufzupäppeln und mit Gewinn zu verkaufen.
Private Equity hat sich vom barbarischen Räuber zum beliebten Goldesel reicher Investoren gewandelt. Die Manager der Beteiligungsfirmen feiern ihre wachsende Akzeptanz. „Private Equity ist heute ökonomischer Mainstream“, jubelt Martin Halusa, Chef des britischen Finanzinvestors Apax Partners. „Der große Wachstumsschub für Private Equity kommt erst noch.“
Verzweifelte Suche nach guten Renditen
Noch ist Private Equity, verglichen mit der Marktkapitalisierung der Weltbörsen, ein winziger Markt. Weltweit verwalten die Beteiligungsgesellschaften gut eine Billion Dollar, beinahe soviel wie die Hedge-Fonds. An den Börsen wurden Ende März dagegen Unternehmen im Wert von 44 Billionen Dollar gehandelt. So kraß muß das Kräfteverhältnis nicht bleiben. „Private Equity wächst sehr viel schneller als Public Equity“, sagt Stephan Illenberger, Deutschland-Chef der französischen Axa Private Equity.
Versicherungen, Pensionsfonds, kapitalkräftige Stiftungen und reiche Privatleute suchen verzweifelt eine Geldanlage, die mehr Rendite abwirft als Aktien und Anleihen. Bei den Firmenjägern sind sie fündig geworden. Im Amerika verdienten sie im vergangenen Jahr 26,7 Prozent Rendite, ganze 20 Prozentpunkte mehr als am Aktienmarkt. Ein derart üppiger Zuwachs dürfte zwar die Ausnahme bleiben; Branchenkenner schätzen aber, daß Private Equity dauerhaft fünf bis sechs Prozentpunkte mehr bieten kann als die Börse.
„Wir sitzen viel näher am Unternehmen dran“
Die Zahlen erklären den Ansturm der Anleger. Rund 200 Milliarden Euro haben sie den Private-Equity-Firmen im vergangenen Jahr anvertraut. „Steigen die Zinsen und fallen die Aktienkurse, werden noch mehr Gelder in alternative Anlagen fließen“, erwartet Michael Rhein, verantwortlich für das Produktmanagement in der Deutschen Bank.
Die üppigen Renditen sind nicht mehr als eine faire Entlohnung für die Geduld, die Investoren abverlangt wird. Ihr Kapital ist meist auf viele Jahre gebunden. Wann Rückzahlungen fließen, ist ungewiß. Hohe Gewinne sind aber auch der Lohn für den riesigen Informationsvorsprung und die Macht, die sich die Finanzinvestoren erkämpft haben. „Wir sitzen viel näher am Unternehmen dran als jeder Aktionär und Fondsmanager“, sagt Axa-Manager Illenberger. „Eine Enron-Pleite wäre unter unserer Kontrolle schwer vorstellbar.“
Private-Equity-Profis im Vorteil
Die Private-Equity-Profis sind im Vorteil: Sie beschäftigen sich vielleicht mit zehn Beteiligungen, während ein Fondsmanager hundert Aktien überwacht. Und sie halten am liebsten die Mehrheit an einem Unternehmen - und nicht nur ein Prozent. So dominieren sie den Aufsichtsrat und haben oft das Recht, das Management jederzeit auszuwechseln.
Welcher Aktionär träumte nicht schon davon, ins Vorstandsbüro zu marschieren und den Konzernchef vor die Tür zu setzen, wenn sein Unternehmen herumkrebst, statt zu gedeihen? Wer so viel Geld in die Hand nimmt wie eine Beteiligungsgesellschaft, der kann das. Er hat die Chance, einen Konzern umzukrempeln - ungerührt von den Klagen der Mitarbeiter, Betriebsräte und Vorstandskollegen. „Energisch durchzugreifen kann für ein Unternehmen besser sein, als lange zu zögern“, sagt Illenberger.
Dax-Konzerne geraten in Reichweite
Das hören Firmeneigner und Konzernlenker nicht gern. Dennoch wächst ihre Bereitschaft, einen Finanzinvestor an Bord zu nehmen. Viele Unternehmen kommen nur noch schwer an frisches Kapital heran. Und so mancher ist tatsächlich froh, daß sein Unternehmen von fremder Hand in eine neue Richtung gelenkt wird. Es spricht also einiges dafür, daß Private Equity weiter boomen wird. „Es dauert nicht mehr lang, bis der erste Beteiligungsfonds 20 Milliarden Dollar oder mehr einsammelt“, erwartet Apax-Chef Halusa. Bislang gelten Fonds mit fünf Milliarden schon als spektakulär. Mit wachsender Größe wandeln die Finanzinvestoren ihr Gesicht.
Auf einmal geraten auch Dax-Konzerne und andere Unternehmen der ersten Reihe in Reichweite. Nicht, daß man sie ganz übernehmen könnte, aber man beteiligt sich daran. So ist im April der Finanzinvestor Blackstone bei der Deutschen Telekom eingestiegen. Andere haben ein Auge auf die Deutsche Post geworfen. Das ist neu: Die privaten Beteiligungsgesellschaften investieren auch in börsennotierte Unternehmen - und bleiben Minderheitsaktionär.
Erste Fonds an der Börse
„Die Private-Equity-Häuser tun immer neue Geschäftsfelder auf“, beobachtet Deutsche-Bank-Manager Rhein. „Denn sie wissen, daß ihr originäres Geschäft mit Firmenkäufen nicht ewig laufen wird.“ Deshalb investieren die Finanzinvestoren jetzt in Immobilien, betreiben Autobahnen, machen den Investmentbanken das Finanzierungsgeschäft streitig oder managen Hedge-Fonds. Blackstone zum Beispiel legte im Juli 2005 einen eigenen Hedge-Fonds mit einem Volumen von mehr als 600 Millionen Dollar auf, ein zweiter soll in diesem Jahr folgen. KKR hegt ähnliche Pläne.
„Vielleicht bietet Private Equity in Zukunft einem breiten Publikum Investmentfonds an“, spekuliert Illenberger. Die neue Stoßrichtung ist klar: Blackstone, KKR oder Goldman Sachs, der größte Private-Equity-Investor der Welt, werden zur Marke für intelligente Geldanlage aufgebaut. In einigen Jahren könnten große alternative Investmentgesellschaften entstehen, die den klassischen Vermögensverwaltern, die auf Aktien und Anleihen spezialisiert sind, Konkurrenz machen.
Bislang sind Privatanleger hier allerdings außen vor - es sei denn, sie können zweistellige Millionenbeträge lockermachen. Doch auch das ändert sich: Erste große Gesellschaften wie KKR oder Apollo Management haben damit begonnen, neue Fonds an der Börse zu plazieren. Damit steht Private Equity jedem für ein paar Euro offen - mehr kosten die Aktien nicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |