19.02.2007 · Privatanleger haben kaum Chancen, den Markt zu schlagen, sagt Martin Weber von der Universität Mannheim im Interview. Wer mit ihm mithalte, sei schon gut. Deswegen kann er nur den Rat geben, Indexfonds zu kaufen.
Privatanleger haben kaum Chancen, den Markt zu schlagen, sagt Martin Weber im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Wer mit dem Markt mithalte, sei schon gut.
Finanzprofis erzielten zwar bessere Resultate als der Durchschnitt der Anleger - aber nicht nach Kosten, sagt der Professor am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft der Universität Mannheim. Deswegen kann er nur den Rat geben, Indexfonds zu kaufen.
Professor Weber, haben Sie selbst schon mal an der Börse gezockt?
Als junger Student habe ich in einer Bank gejobbt und 400 D-Mark verdient. Von dem Geld habe ich mir Bayer-Optionen gekauft, die nach sechs Monaten wertlos verfallen sind, während ich auf einer griechischen Insel Urlaub machte. Der ganze Monat Arbeit war umsonst - das tat weh.
Was haben Sie daraus gelernt?
Ich dachte damals, ich könnte den Markt schlagen. Und habe gesehen, dass ich es nicht kann. Später habe ich als Forscher in die Statistiken geguckt, um herauszufinden, wie es den anderen geht. Man sagt immer: Statistik lügt. Aber das stimmt nicht. Sieht man nach und fragt: Können Privatanleger den Markt schlagen? Sind Finanzprofis die besseren Anleger? Nützt das viele Hinundherhandeln von Aktien etwas? Dann kommt heraus, dass es in aller Regel nichts nützt.
Das ist ja desillusionierend.
Ich versuche nur, dem Anleger den Spiegel vorzuhalten. Viele Leute wollen an der Börse unbedingt zeigen, dass sie besser Geld anlegen als der Rest der Welt. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Hobbybörsianer schlagen den Markt nicht. Das Ego ist größer als die Rendite.
Wie kommt es?
Anleger überschätzen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen dramatisch. Das wirkt sich negativ auf den Anlageerfolg aus. Sie sind vielleicht in anderen Dingen erfolgreich. Deswegen fällt es ihnen schwer zu erkennen, dass sie ausgerechnet in dieser Sache scheitern.
Warum will niemand einsehen, dass er ein miserabler Anleger ist?
Viele Leute glauben den Statistiken nicht, die zweifelsfrei belegen, dass Privatanleger nicht erwarten können, den Markt zu schlagen. Oder sie kennen die Zahlen nicht. Hinzu kommt: Wenn ich mich an die Vergangenheit erinnere, erinnere ich mich an meine Erfolge, nicht an die Misserfolge, und denke: Ich bin ganz toll.
In den vergangenen zehn Jahren haben die Deutschen keine so tollen Erfahrungen mit der Geldanlage gemacht. Was haben Sie aus dem Aktiencrash gelernt?
Ich würde mich freuen, wenn die Leute gelernt haben, dass sie ohne Risiko nicht reich werden können. Positiv gewendet: Man darf erwarten, für das Risiko eine Kompensation zu bekommen. Aber es kann auch schiefgehen. Anleger müssen die Unsicherheit des Marktes akzeptieren und mit Demut an die Geldanlage herangehen. Denn Aktienkurse sind ein Zufallsprodukt.
Dann verdankt ein erfolgreicher Anleger seinen Erfolg nicht seiner Intelligenz, sondern dem Zufall?
Ex post sind natürlich manche Leute bessere Anleger als andere. Aber das liegt nicht daran, dass sie etwas richtig gemacht haben. Sie hatten einfach Glück.
Sie machen Witze!
Nein. Wenn ich eine Münze viermal werfe und einer das Ergebnis richtig voraussagt, ist er noch lange nicht der Experte im Voraussagen von Münzwürfen.
Der Milliardär Warren Buffett würde bestreiten, dass er nur ein Narr des Zufalls ist.
Es mag schon sein, dass es einen gibt, der tatsächlich besser ist als alle anderen. Wahrscheinlich ist er aber ein Produkt des Zufalls. Selbst wenn er wirklich gut ist, hilft mir das nicht weiter. Denn es ist schwer vorstellbar, dass ich so ein Talent entdecke - und wenn, wird es mein Geld nicht wollen.
Soll ich denn einem Vermögensberater oder Fondsmanager mein Geld anvertrauen?
Die Finanzprofis erzielen bessere Resultate als der Durchschnitt der Anleger - aber nicht nach Kosten. Deswegen kann ich nur den Rat geben, Indexfonds zu kaufen. Wer an den Finanzmärkten so gut wie der Durchschnitt ist, hat den meisten Anlegern viel voraus.
Hört sich recht fatalistisch an.
Das finde ich nicht. Die Wissenschaft zeigt doch ganz deutlich, dass Kurse dem Zufall gehorchen - und nicht irgendwelchen schlauen Bewertungsmodellen. Deswegen sind Prognosen auch Scharlatanerie und Tipps von Finanzmagazinen kein rationaler Grund zu investieren. Ein Anleger braucht sie auch nicht: Die Aktien großer Unternehmen bilden alle Informationen, die der Markt hat, komplett im Preis ab. Das macht es normalen Menschen möglich, zu investieren, ohne übervorteilt zu werden. Das ist doch phantastisch.
Wie sieht denn eine rationale Anlagestrategie aus?
Jeder Anleger sollte je nach Risikoneigung einen gewissen Anteil Aktien, Anleihen und Immobilien halten und dabei sein Humankapital nicht vergessen. So einfach ist das. Die Aufteilung auf Anlageklassen entscheidet über 80 bis 90 Prozent des Anlageerfolgs. Die Frage, ob ich Bayer oder BASF kaufe, ist dagegen so gut wie irrelevant.
Spricht jetzt noch etwas dafür, in den Dax zu investieren?
Ich darf mein Portfolio nur auf Erwartungen bauen. Die Vergangenheit ist irrelevant. Wer jetzt Geld zum Anlegen hat, legt es an. Der Kurs spiegelt alle Information wider. Wenn der Dax heute bei 7.000 Punkten steht, dann ist das die Bewertung des Marktes. Wie es in Zukunft kommt, wissen wir nicht.
Der Markt ist immer effizient?
Das wird in jeder Finanzvorlesung weltweit gelehrt. Das ist kein Hirngespinst, das sich irgendjemand ausgedacht hat. Berühmte Wissenschaftler haben es empirisch bewiesen.
Es fällt trotzdem schwer, daran zu glauben.
Ein Beispiel macht es klar: Wenn sich einer mit der BASF-Aktie beschäftigt, weiß er mehr als alle anderen, und er bestimmt den Preis. Wenn sich 10.000 Menschen mit dem Papier beschäftigen und jeder handelt auf sein Wissen, spiegelt sich im Kurs die gesamte Meinung der Anleger wider. Darunter sind viele Profis, die alle Informationen rechtzeitig bekommen und mit dem Vorstand reden können. Das ist für mich, der sich nicht mit dem Unternehmen befasst, ein kostenloser Service. Wunderbar! Ich weiß, ich kaufe die BASF-Aktie zum richtigen Preis. Als naiver Anleger kaufe ich natürlich nicht nur BASF, sondern streue mein Kapital breit und profitiere von der Arbeit der anderen.
Nicht unbedingt, Professor.
Fionn Huber (fionn)
- 19.02.2007, 12:01 Uhr
Das stimmt schon - aber nur für Reiche
jörg sutter (jsutter)
- 19.02.2007, 12:56 Uhr
Effizienter Markt, "Random Walk" oder Furcht und Habgier?
Sebastian Jester (sjester)
- 19.02.2007, 13:12 Uhr
Ungenügend Herr Professor!
Michael Retz (MRetz)
- 19.02.2007, 14:47 Uhr
Wir schlagen den Markt regelmäßig!
Siegfried Park (Sigip)
- 19.02.2007, 18:12 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |