27.08.2008 · Frauen haben ihr Wissen über Geldanlage in den vergangenen Jahren deutlich verbessert - und hängen längst viele Männer ab. Dennoch bleiben manche Geschlechtsunterschiede: Frauen sind vorsichtiger und mehr auf Sicherheit bedacht.
Dass Frauen besser mit Geld umgehen können, müsste den meisten Männern schon lange klar sein. Auch bei den Themen Altersvorsorge und Investmentfonds lassen sie sich oft nichts mehr von windigen Beratern etwas vormachen. „Frauen in Deutschland kennen sich bei Fragen rund um Fonds besser aus als vor einem Jahr“, meldete nun die Fondsgesellschaft Axa Investment Managers als Ergebnis einer bevölkerungsrepräsentativen Studie über das Wissen von Anlegerinnen.
78 Prozent der befragten Frauen konnten demnach über die Funktionsweise von Aktienfonds eine korrekte Aussage treffen. Das seien fast 20 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren (59 Prozent). Zwar sind Investmentfonds nicht immer die beste Wahl für eine Geldanlage. Doch zeigt das Wissen darüber, wie gut Anleger insgesamt über Finanzfragen informiert sind.
Finanzvertriebe von Frauen für Frauen
Solche Studien sind vor allem für die Finanzbranche wichtig, da sich Frauen von vielen Beratern nicht gut angesprochen fühlen. Deshalb haben sich Vertriebe gebildet, die von Frauen geführt werden und sich in erster Linie an Anlegerinnen richten.
Dass Frauen besser mit Geld umgehen können, glaubt zumindest auch die norwegische Regierung. Sie hat kürzlich ein Gesetz erlassen, das eine Frauenquote in den Aufsichtsräten der norwegischen Aktiengesellschaften vorschreibt. Begründet wurde dieser Schritt mit dem Verweis auf Studien, denen zufolge Aktien mit hohem weiblichen Anteil in den Führungsgremien besser an der Börse abschnitten als Chauvi-Unternehmen.
Frauen sehen Notwendigkeit der Altersvorsorge
Kürzlich hat das Meinungsforschungsinstitut Taylor Nelson Sofres im Auftrag der Finanzgesellschaft Delta Lloyd untersucht, wie Frauen mit dem Thema Altersvorsorge umgehen. Ein Viertel von ihnen verließen sich demnach auf die gesetzliche Rente und sorgten nicht privat vor. Befragt wurden im Sommer 1000 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren.
56 Prozent der befragten Frauen haben demnach die Notwendigkeit einer privaten Vorsorge für das Alter erkannt. Ganz offensichtlich habe die öffentliche Diskussion um die Rentenlücke das Bewusstsein geschärft. In einer identischen Umfrage vor fünf Jahren hätten nur 45 Prozent die Rente an erster Stelle genannt. Noch stärker habe sich die Einstellung der Frauen ist Ostdeutschland verändert: Um fast 30 Prozent auf 71 Prozent sei hier der Anteil derer gestiegen, die der Vorsorge für die Rente höchste Priorität beimessen.
Angst vor einem niedrigeren Lebensstandard
Vor allem bei den Frauen zwischen 26 und 29 Jahren habe die Angst vor einem niedrigeren Lebensstandard haben, stark zugenommen. Hier sei ein Anstieg um 15 Prozent zu verzeichnen. Auch sei in dieser Altersgruppe der Anteil derer, die gar nichts für die private Altersversorgung ausgeben, im Vergleich zu 2003 um 6 Prozent auf 21 Prozent im Jahr 2008 gestiegen. „Möglicherweise gibt diese Altersgruppe ihr Geld eher für den privaten Konsum als für die Altersversorgung aus“, vermuten die Autoren der Studie.
Deshalb sieht die Finanzbranche noch großen Handlungsbedarf: In der Axa-Umfrage hätten bei detaillierten Fragen wie nach der Versteuerung von Fonds immer noch zwei Drittel der Frauen falsch geantwortet oder angegeben, nicht darüber Bescheid zu wissen. „Auch scheint das Fondswissen der Frauen noch nicht gefestigt“, hieß es in der Studie.
Bei der Umfrage ließen sich Frauen öfter von Falschaussagen beirren als Männer. Während bei den Männern 38 Prozent glaubten, dass Rentenfonds für die Absicherung der gesetzlichen Rente sorgen würden, seien es bei den Frauen 58 Prozent. Bei der Funktionsweise von Geldmarktfonds wüssten jedoch die Frauen besser Bescheid. 63 Prozent der Männer glauben, Geldmarktfonds würden in unterschiedliche Währungen investieren, um Gewinn zu erzielen. Dieser Falschaussage stimmten nur 58 Prozent der Frauen zu.
Frauen gelten als vorsichtiger
„Diverse Studien zeigen, dass Frauen im Vergleich zu Männern bei Finanzanlageentscheidungen tendenziell sicherheitsorientierter und vorsichtiger agieren. Dies heißt allerdings nicht, dass Frauen schlechtere Anlageentscheidungen treffen“, wird in der Axa-Studie Claudia Wöhle, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Paris Lodron-Universität in Salzburg, zitiert. „Frauen setzen sich in der letzten Zeit verstärkt mit Fragen der Geldanlage auseinander, nicht zuletzt auch wegen der Bedeutung der privaten Altersvorsorge.“
Auch würde solche Umfrage bald ihren Sinn verlieren, glaubt die Professorin: „Mit zunehmendem Wissen der Frauen und bei höherem Bildungsstand treten geschlechterspezifische Unterschiede im Anlegerverhalten mehr und mehr in den Hintergrund“, wurde Wöhle weiter zitiert.
Übrigens scheint das Fondswissen vor allem bei deutschen Frauen gefestigt zu sein. In Österreich ist das laut derselben Studie von Axa Investment Managers anders: Frauen in Österreich kennen sich demnach noch immer weniger aus als österreichische Männer. Die Österreicherinnen hätten zwar ihr allgemeines
Fondswissen innerhalb eines Jahres leicht verbessert, sie hätten aber gegenüber Männern noch einen hohen Nachholbedarf. So seien 32 Prozent der Frauen der irrtümlichen Meinung, für eine Geldanlage in Fonds sei grundsätzlich ein Betrag von mindestens 5000 Euro nötig. Dies glaubten nur 23 Prozent der Männer.
Frauen haben ein besseres Händchen (für Geld)..
Michael Meier (never1)
- 27.08.2008, 16:40 Uhr
@never1
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 27.08.2008, 20:21 Uhr
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