02.08.2006 · „Langer Atem beim Fonds-Sparen zahlt sich aus“, heißt es. Das mag grundsätzlich richtig sein. Eine gewisse Grundskepsis kann jedoch nicht schaden. Langfristige Durchschnittsrechungen täuschen über zwischenzeitliche Turbulenzen hinweg.
„Wer über lange Zeit in Aktienfonds anspart, wird belohnt. Über einen 30-Jahres-Zeitraum brachten monatliche Sparraten eine jährliche Rendite zwischen acht und neun Prozent“, heißt es wieder einmal vom BVI Bundesverband Investment und Asset Management mit Verweis auf die zum 30. Juni des Jahres 2006 aktualisierte Sparplanstatistik.
Sowohl Deutschland-, als auch europa- und weltweit investierende Aktienfonds erreichten bei einem langfristigen Anlagehorizont hervorragende Ergebnisse, heißt es weiter, aber auch eine Investition in Renten- und offene Immobilienfonds zahlte sich aus: Euro-Rentenfonds brachten auf Sicht der vergangenen drei Jahrzehnte im Schnitt 6,1 Prozent und offene Immobilienfonds 5,1 Prozent jährlichen Zuwachs. In diesen Ergebnissen seien alle Fondskosten - inklusive des Ausgabeaufschlags - enthalten.
Positive Argumente dürften kaum verwundern...
Das klingt positiv. Und das dürfte kaum verwundern. Immerhin ist der BVI dazu da, die Geldanlage in Fonds zu fördern und dürfte aus diesem Grund alles tun, damit diese Anlagevehikel möglichst positiv aussehen, ob für Jung oder Alt. „Mit Fondssparplänen können insbesondere jüngere Anleger bequem und flexibel über viele Jahre ein Vermögenspolster aufbauen, das während des Ruhestands für eine Zusatzrente sorgt“, heißt es denn auch verlockend.
Ein Beispiel soll die Argumente unterlegen: Wenn ein Anleger vor 30 Jahren mit dem Sparen in deutschlandweit investierende Aktienfonds begonnen hätte, erfreute er sich zum Stichtag über einen Depotwert von 168.735 Euro. Dabei zahlte er insgesamt 36.000 Euro mit einer monatlichen Sparrate von 100 Euro ein. Aus diesem Vermögen könne der Sparer in den kommenden 20 Jahren bei Kapitalverzehr jeden Monat knapp 1.100 Euro entnehmen. Dabei wurde in der Auszahlphase eine jährliche Wertsteigerung von fünf Prozent unterstellt.
Solche Rechnungen sind grundsätzlich richtig und zeigen die nachhaltige Wirkung, die der Zinseszinseffekt langfristig mit sich bringt. Allerdings sollten sie nicht zu positiv und nicht ohne einen kritischen Blick betrachtet werden. Denn die vergangenen 30 Jahre sind trotz der zwischenzeitlichen Baissephase in den Jahren 2000 bis 2003 eine für die Aktienbörsen besonders positive Periode, die sich zwar durchaus wiederholen kann, aber nicht muß.
... sollten allerdings nicht unkritisch gesehen werden
Denn erstens zeigt alleine schon ein Blick auf die verschiedenen Aktienindizes, daß der Trend an den Börsen nicht immer nur nach oben zeigt. So ist der Dax beispielsweise in den Jahren 1960 bis 1982 mehr als 20 Jahre seitwärts gelaufen, und der Dow Jones hat in seiner längeren Historie sogar schon mehrere solcher Perioden hinter sich. Im Extrem hat er zwischenzeitlich sogar knapp 90 Prozent seines Wertes verloren. Solche Phasen können langfristige Durchschnittsrechnungen empfindlich stören und nicht nur die Renditen nach unten bringen, sondern die Anleger kurz- und mittelfristig in Schwierigkeiten.
Auf dieser Basis scheint es ratsam sein, sich bei der Vermögensanlage nicht nur auf Vermögenswerte in Papierform zu verlassen. Immerhin wurden die Kurssteigerungen bei Aktien und Anleihen in den vergangenen Jahrzehnten mit ausgelöst durch zum Teil extrem expansive Geldpolitiken, steigende Verschuldung und nicht zuletzt auch durch wachsende Bevölkerungen in den Industriestaaten. Ob die Zentralbanken angesichts steigender Preise weiterhin so expansiv sein können, wird sich noch zeigen müssen. Die Alterung der Bevölkerung dagegen steht in Europa, Japan und in geringerem Ausmaß auch in den Vereinigten Staaten fest. So fragt sich, wer die Wertpapiere kaufen soll, die die zunehmende Anzahl an „Entsparern“ auf den Markt bringen dürfte.
Unterdurchschnittliche Wertentwicklung, hohe Kosten
Als Basisinvestment können Fondsprodukte jedoch sicherlich nicht schaden. Allerdings empfiehlt sich eine sorgfältige Selektion. Immerhin sind viele aktiv verwaltete Fonds nicht in der Lage, den breiten Markt zu schlagen. Aus diesem Grund kann man sich Ausgabeaufschläge und Fondsmanager sparen und günstige Indexfonds vorziehen.
Ein Blick auf Kosten und die Performance über drei Jahre von selektiv ausgewählten in Deutschland investierenden Aktienfonds macht das deutlich (siehe FAZ.NET-Grafik, die beiden Achsen repräsentieren jeweils den arithmetischen Durchschnitt). Er zeigt, daß viele unterdurchschnittlich abschneiden und gleichzeitig auch noch teuer sind. Die interessanteste Kombination zwischen Kosten und Rendite bot ein Indexfonds auf dem MDax.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |