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Geldanlage Ein Fonds für die Zucht von Stören

26.03.2004 ·  Die Eier des Störs sollen nicht länger Mangelware bleiben. Das kündigt Frank Schaefer an - und sagt seinem Unternehmen Caviar Creator und damit den Anteilseignern traumhafte Renditen voraus.

Von Christine Scharrenbroch
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Feinschmecker wissen es längst: Das Angebot an Kaviar geht seit Jahren drastisch zurück. Während vor 15 Jahren noch 2000 Tonnen auf dem Weltmarkt gehandelt wurden, waren es 2003 nur 70 Tonnen. Die Störe im Kaspischen Meer, die 90 Prozent des wertvollen Rogens liefern, leiden unter Überfischung und Umweltverschmutzung. Daran hat auch der Artenschutz nichts geändert, unter dem die uralte Fischart seit 1998 steht. Wilderer reduzieren den Stör-Bestand weiter, der Schwarzhandel mit Kaviar blüht. Doch die Fisch-Eier sollen nicht länger Mangelware bleiben. Das kündigt Frank Schaefer an - und sagt seinem Unternehmen Caviar Creator und damit den Anteilseignern traumhafte Renditen voraus.

Der 48 Jahre alte frühere Börsenmakler glaubt eine Marktnische entdeckt zu haben, "nach der jeder Investor sucht". Er verspricht: "Wir haben eine Monopolstellung, einen hohen Preis für unser Produkt und eine große Nachfrage." Seine Idee: Der vom Aussterben bedrohte Stör wird in einer sogenannten Aquakulturanlage gezüchtet, oder, wie Schaefer es anschaulicher beschreibt: "in einer Art Kläranlage". Das Wasser in den 5 mal 20 Meter großen Becken wird alle zwei Minuten mit Hilfe von biologischen Filtern aufbereitet. Der Einsatz von Chemie, Hormonen und Antibiotika soll dadurch überflüssig werden. Aufgrund der Zuchtbedingungen sind die Weibchen bereits nach vier Jahren laichreif, während es in der freien Natur etwa dreimal solange dauert.

Grundstein für die erste Zuchtfabrik

Getestet wurde das Verfahren in einer Versuchsanlage in Fulda. Am Wochenende nun hat Caviar Creator den Grundstein für die erste Zuchtfabrik gelegt, die bald 33 Tonnen Kaviar und 400 Tonnen Störfleisch im Jahr produzieren soll (durch den Besatz mit erwachsenen Tieren soll die Zeit bis zum ersten Ablaichen verkürzt werden). Das 17.000 Quadratmeter große Areal mit 150 Fischbecken entsteht in Demmin, einer kleinen Hansestadt in Mecklenburg-Vorpommern. Aus der Wahl des Standorts macht Vorstandschef Schaefer kein Hehl. Etwa ein Drittel der Kosten des ersten Bauabschnitts von 10 Millionen Euro soll aus Fördermitteln des Landes und der EU gedeckt werden. Im Gegenzug schafft die Anlage 55 neue Stellen in der von hoher Arbeitslosigkeit geplagten Region.

Was den Großteil der Finanzierung des Demminer Projekts angeht, setzt Caviar Creator auf "erfahrene Anleger", wie es im Prospekt heißt. Aufgelegt wurde der 1. Kaviar-Fonds, ein geschlossener Beteiligungsfonds über 4,4 Millionen Euro, der nach Angaben Schaefers komplett gezeichnet wurde. Die Investoren dürfen sich Kommanditisten der 1. Kaviar Fonds KG nennen und auf eine erkleckliche Rendite hoffen. Der Vorstandschef kündigt an, ab 2005 zwischen 25 und 35 Prozent auf das eingesetzte Kapital (Mindesteinsatz 10 000 Euro) auszuschütten. Er nimmt den Einwand gleich vorweg: "Die Zahlen hören sich fast so an, als ob wir Scharlatane wären." Dabei habe man mit einem Preis von 1000 Euro je Kilogramm Kaviar sogar an der unteren Grenze geplant. Skeptischer zeigten sich Analysten. Als "nicht plazierungsreif" hat die Hamburger Gesellschaft für Unternehmensanalyse und Beteiligungsmanagement GUB den Fonds im vergangenen Jahr bewertet.

Aus Oregon an die Nasdaq

Es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, an der Geschäftsidee von Caviar Creator teilzuhaben, und zwar als Aktionär der amerikanischen Muttergesellschaft. Obwohl der Schwerpunkt des Geschäfts in Deutschland liegt und 130 der 150 Mitarbeiter hier arbeiten, wurde als Sitz der Holding die Stadt Portland in Oregon gewählt. Dies soll den für 2005 geplanten Gang an die Nasdaq erleichtern. Die Anfangsfinanzierung kam 2002 von der Risikokapitalgesellschaft Colville Services aus Gibraltar, die heute mit 25 Prozent beteiligt ist. Vor einem Jahr wurden dann zunächst Aktien im Wert von 2,7 Millionen Dollar plaziert. Zur Zeit läuft eine zweite Tranche über 15,2 Millionen Dollar, die laut Schaefer "so gut wie verkauft ist".

1500 Aktionäre vorwiegend aus Deutschland zählt die Gesellschaft. Geworben habe man die Anleger etwa auf Golf- und Boxsport-Veranstaltungen. Unter den Investoren seien aber auch Köche, die von der Qualität des Produkts überzeugt seien, erzählt der Vorstandschef. Nach Ansicht des Drei-Sterne-Kochs Dieter Müller (Schloßhotel Lerbach, Bergisch Gladbach) ist der Geschmack des Zuchtkaviars mit dem des Wildkaviars allerdings nicht zu vergleichen. "Kenner schmecken den Unterschied", meint er, gibt aber zu bedenken, daß er bisher nur französischen Zuchtkaviar probiert habe.

Rund drei Tonnen Kaviar und andere Fischprodukte aus der Testanlage in Fulda wird Caviar Creator in diesem Jahr an Cateringbetriebe, Fluggesellschaften, Feinkosthändler und über das Internet an Endabnehmer verkaufen. Eine 50-Gramm-Dose der Sorte Osietra kostet 95 Euro. Der Umsatz soll sich 2004 auf rund 5 Millionen Euro belaufen - und der Verlust auf 3 Millionen Euro. Mit dem Erreichen der Gewinnschwelle rechnet Schaefer im Jahr 2005. Von da an soll es steil bergauf gehen. Für 2006 wird schon ein Nettoertrag von 7 Millionen Euro prognostiziert, 2011 soll er auf 157 Millionen Euro steigen. Dann will das Unternehmen weltweit über 20 Aquakulturanlagen verfügen, die 500 Tonnen Kaviar produzieren. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten für Zuchtstationen auf Malta, in Estland, Las Vegas und Hongkong beginnen.

Praktisch konkurrenzlos

Caviar Creator betrachtet sich praktisch als konkurrenzlos. Zwar gebe es in Frankreich, Italien und den Vereinigten Staaten Störzuchten - allerdings nur in kleinerem Umfang und in Teichen, berichtet Schaefer. Absatzschwierigkeiten für seinen Kaviar sieht er nicht: "Die Nachfrage war immer höher als die Produktion." Gefragt sei die Delikatesse vor allem in den Vereinigten Staaten, die stets die Hälfte der Weltproduktion kauften, sowie in Asien. Aber auch in Osteuropa gebe es im Zuge der Marktöffnung immer mehr Abnehmer. Im übrigen tun die Störeier ihren Dienst längst nicht mehr nur auf gebuttertem Toast und Kartoffelpuffern. Als Extrakt in Kosmetikprodukten soll Kaviar den Zellstoffwechsel auf Trab bringen und hautstraffend wirken. Eine ganze "Kaviar Collection" bietet etwa der Schweizer Hersteller La Prairie an: Ein kleines Döschen Kaviar-Gesichtscreme ist für 300 Dollar zu haben.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2004, Nr. 74 / Seite 18
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Jahrgang 1970, freie Autorin im Wirtschaftsteil.

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