Home
http://www.faz.net/-gvf-wfyn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Geldanlage Die meisten Sparer sind gut geschützt

26.03.2008 ·  Die Kreditkrise hält die Finanzmärkte in Atem. Banken im In- und Ausland sind wegen Schieflagen im Gerede. Über die Grundsicherung hinaus gibt es hierzulande weitere Sicherungssysteme für Einlagen. Vollkommen sicher sind auch sie nicht.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Die Kreditkrise hält die Finanzmärkte in Atem. Viele Aktien und andere Wertpapiere haben seit Juli deutlich an Wert verloren. Banken im In- und Ausland sind wegen Schieflagen im Gerede. Deutsche Sparer können trotz der Turbulenzen eigentlich gelassen bleiben: Ihre Gelder sind in der Regel gut gesichert.

Die Banken verfügen über verschiedene Systeme zur Sicherung der Kundeneinlagen, falls ein Institut in finanzielle Nöte geraten sollte. Aber nicht alle in Deutschland tätigen Banken sind an diese Einrichtungen angeschlossen. Und ohnehin bieten sie keine vollkommene Sicherheit.

Grundsicherung: 20.000 Euro je Anleger

Wie sicher sind also die Spargroschen der Deutschen? Zunächst gibt es die Grundsicherung. Sie ist im Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz verankert, mit dem eine EU-Richtlinie umgesetzt wurde. Für private Banken und Bausparkassen gibt es seit 1998 die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB). Sie schützt 90 Prozent der Einlagen bis zu einer Höchstgrenze von 20.000 Euro je Anleger. Das heißt: Zumindest 10 Prozent der Kundengelder gehen im Rahmen der gesetzlichen Entschädigung verloren.

Daneben verfügt die private Bankwirtschaft über einen Einlagensicherungsfonds. Dieser schützt die Einlagen, insofern sie nicht schon durch die EdB gesichert sind. Gegründet wurde dieser Fonds 1976 nach der Insolvenz der Herstatt-Bank. Er sichert die Einlagen jedes Kunden bis zur Höhe von 30 Prozent des maßgeblichen haftenden Eigenkapitals der Bank. Der Schutz umfasst Nichtbankeneinlagen, also Guthaben von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen. Geschützt sind im Wesentlichen Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie auf Namen lautende Sparbriefe. Da eine Bank über ein Anfangseigenkapital von 5 Millionen Euro verfügen muss, um das Geschäft mit Einlagen und Krediten in Deutschland betreiben zu können, kommt dies einem Mindestschutz von 1,5 Millionen Euro je Kunden gleich. Damit dürfte das Gros der Anleger gut bedient sein. In der Regel ist der gesicherte Betrag erheblich höher. Teilweise handelt es sich um Milliardenbeträge. Wie hoch ein Sparer bei seiner Hausbank abgesichert ist, kann er auf der Internetseite des Bundesverbandes deutscher Banken (www.bdb.de) erfragen.

Zur Finanzierung des Einlagensicherungsfonds zahlen die Banken eine jährliche Umlage von mindestens 0,3 Promille der Bilanzposition „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden". Die Höhe des Beitrages richtet sich nach der Bewertung des Instituts. Je schlechter die Klassifizierung, desto höher ist ein möglicher Zuschlag. „Bei dieser Einstufung, die vertraulich ist, handelt es sich um ein eigenes internes Verfahren, das mit der Bewertung von Ratingagenturen nicht zu vergleichen ist", sagt Tanja Beller, Sprecherin des BdB. Eine Bank kann aufgrund ihrer Klassifizierung in den Sicherungsfonds gar nicht erst aufgenommen oder später auch ausgeschlossen werden.

Ein Ende der Mitwirkung am Sicherungsfonds bleibt dem Sparer jedoch nicht verborgen. Sollte ein Institut ausscheiden, muss es seine Kunden unverzüglich darüber informieren. Der BdB gibt dies im Bundesanzeiger und in einer Tageszeitung am Sitz der Bank bekannt. „Alteinlagen sind zunächst gesichert", sagt Beller. Der Sparer habe, je nach Fälligkeit seiner Einlage, mindestens einen Monat Zeit, um während des noch bestehenden Einlagenschutzes fällige Gelder umzuschichten.

Nicht alle Kundeneinlagen bei privaten Banken über das gesetzliche Maß hinaus gesichert

Was geschieht, wenn für die Bank ein Insolvenzverfahren eröffnet wird? Dann schreibe der BdB die Einleger dieses Instituts an, sagt Beller. Aber erst wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) den Entschädigungsfall festgestellt habe, beginne der Prozess der Entschädigung zu laufen. Dabei könnte es je nach Komplexität des Falles einige Wochen oder sogar Monate dauern, bis die Kunden ihre Gelder zurückerhalten. Ein Rechtsanspruch auf Leistungen des Einlagensicherungsfonds besteht nicht.

Doch nicht alle Kundeneinlagen bei privaten Banken sind über das gesetzliche Maß hinaus gesichert. Die Mitgliedschaft in der privaten Einlagensicherung ist freiwillig. Nach Schätzungen dürften sich gut 90 Prozent der privaten Banken dem Fonds angeschlossen haben. „Zum Jahresende 2007 waren dies rund 180 Institute - darunter auch Niederlassungen ausländischer Banken", sagt Beller. Das heißt im Umkehrschluss: Bei 10 Prozent der Privatbanken greift nur die gesetzliche Regelung. Bei Instituten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum gelte die Entschädigungsregelung des Heimatlandes, heißt es von der Bafin. Über die Größe des Sicherungsfonds gibt der BdB keine Auskunft. Im Fall der Fälle kann der Fonds eine Sonderumlage erheben. Klein ist der Fonds sicherlich nicht, sollte aber eine größere Bank in Zahlungsschwierigkeiten geraten, dürfte es zur Probe dieser Sicherungseinrichtung kommen. Jedes System habe seine Leistungsgrenzen, vor allem wenn es auf Umlagen basiere, warnen Fachleute.

Gleichwohl liegen die meisten Spareinlagen bei Sparkassen und genossenschaftlichen Banken. Hier ist der Schutz der Kundengelder noch weiter gefasst als bei den privaten Banken. Im Vordergrund steht die gemeinschaftliche Sicherung des in Bedrängnis geratenen Instituts, die dann den Schutz der Kundeneinlagen automatisch mit sich bringt. Finanziert wird dieses Sicherheitsnetz durch jährliche Beiträge der beteiligten Banken.

Quelle: F.A.Z., 27.03.2008, Nr. 72 / Seite 25
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%