22.10.2008 · Wie kommt es, dass Anleger den Banken misstrauen, aber ihrem Bankberater nicht? Der Grund: Anleger haben kaum eine andere Möglichkeit als zu vertrauen. Und dennoch geht es darum, die Verantwortung für seine Geldentscheidung zu übernehmen. Damit tun sich viele schwer.
Von Christian von HillerRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Die Summe der Eigenverantwortung des Einzelnen kann nicht gleichgesetzt werden mit der Verantwortung des Staates für das Ganze. Sie muss abgegrenzt werden von Räumen individueller Verantwortung, deren Reichweite das Gemeinwesen nicht tangiert. Hier liegt der Bereich persönlicher Freiheit. Es geht nicht darum, Verantwortung zu delegieren, sondern die Verteilung der Verantwortung in ihrer unterschiedlichen Tragweite zu sehen. Ein Spekulant muss sich im Augenblick der Spekulation nicht für das Gemeinwesen verantwortlich fühlen, ebensowenig wie ein auf legitimen Profit bedachter Banker. Ist der Spekulant Politiker und der Banker Teil einer systemrelevanten (wieder!) Bank - gleichgültig ob privat oder staatlich -, definiert die Notwendigkeit der Stabilität dieses Systems - des Finanzsystems und des Gemeinwesens - die Spielregeln. Islands Privatbanken haben Island an den Rand des Abgrunds geführt, vielleicht wurde nur deshalb ihr Missmanagement eklatant. Deutsche Banken (welche?) waren wichtige Geschäftspartner für Islands Banken. Und wie ist es um die Beziehung Bankberater-Einzelkunde bestellt? Gilt hier "Die Freiheit existiert, und auch der Wille existiert, aber die Willensfreiheit existiert nicht" (Thomas Mann)?
sagen die Psychopathen immer wieder. Normalen Kunden die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist zu einfach. Wenn an Kreditnehmer langfristige Kredite vergeben werden, die aus Erfahrung langfristig nicht bezahlt werden können, und als "Sicherheit" ein überhöhter Wert von Immobilien herhalten soll, der langfristig nicht halten kann, was er anfangs verspricht, dann ist die gesamte Aktion langfristig im Minus, oder man lebt von den Zwangsversteigerungen. Wenn dann noch diese Kredite oder deren Risiken über mehrere Stufen weiterverkauft werden, und jeder dabei verdienen will, dann kann aus dem Minus nur durch Verbiegung von Tatsachen, Mathematik und Logik am Ende für jeden wieder ein Plus dabei herauskommen. Das FBI ermittelt zu recht! Nur durch aktives Verbiegen von Daten und Formeln durch die Finanzspezialisten oder aktives Verschleiern von Zusammenhängen in Prospekten oder in der Beratung kann aus dem Minus wieder ein Plus gezaubert worden sein. Unspezifische Formulierungen wie "Ich bin über alle Risiken informiert worden" oder "Ich übernehme alle Risiken" entbinden nicht von Beratungspflicht und sind schon vor vielen Jahren vom BGH einkassiert worden. Die Unternehmen und deren Meinungsmacher wollen sich aus allem herausreden.
Gewiß wäre es kein Nachteil, wenn sich Aneger besser informieren würden und versuchen, endlich ihren Horizont in finanziellen Dilngen zu erweitern. Aber was hilft das Bemühen, wenn am Ende der Berater doch wieder nur auf die Provision schaut und den Abschluss machen will? Mit Beratung hat das gängige Provisionsystem nichts zu tun, da hilft die beste Ausbildung auch nicht weiter. Es wäre an der Zeit, wenn die Verantwortlichen auf der gesetzgebenden Seite endlich erkennen, dass es hier dringenden Handlungsbedarf gibt, nämlich das Verbot von Provisionszahlungen im Geschäft mit Privatkunden. Selbstverständlich würde dies viele Arbeitsplätze kosten, aber was hat die systematische Fehlberatung der letzten 30 Jahre bislang für einen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden angerichtet?
Ich wollte in meinem Kommentar Anleger nicht grundsätzlich von ihrer Verantwortung freisprechen. Es ging mir darum, dass Produkte, wie in allen Bereichen der Wirschaft, auch Finanzprodukte "sauber" sein müssen. Die grenzenlos kreative Fantasie bei der Schaffung von Produkten, deren Risiken global niemand mehr einschätzen Konnte/kann, hat etwas Kriminelles. Die aktuelle Finanzkrise hinterläßt eine Spur der Verwüstung und vernichtet Existenzen und die Spielräume von Politikgestaltung. Angesichts dieser Megalo-Verantwortungslosigkeit, die nicht geahndet wird, kriminellen Verhaltens, das nicht als solches verfolgt wird, finde ich es einfach im Moment unangemessen, auf ein paar Privatanleger einzudreschen, die sich verzockt und deshalb verloren haben. Ich warte auf sachliche, kompetente Analyse und Benennung auch von Verantwortlichkeit. In diesem Schlamassel kann es doch nicht nur Unschuldige geben.
Der Vergleich mit dem Gammelfleisch hinkt etwas: zum einen, können sie mit Ihrer eigenen Nase zumindest die gröbsten Gammelschinken erkennen. Zum anderen nimmt ihnen der Verbraucherschutz ja nicht ab, zu entscheiden, welches Fleisch sie denn gerne essen möchten oder welches für Sie persönlich verträglich ist. Wenn Anleger diese grundlegenden Fragen für ihre Finanzanlagen für sich klären würden, wäre ihnen schon viel geholfen. Das macht weder gesetzliche Regelungen gegen betrügerische Prospekte falsch oder überflüssig noch unabhängige Produktbewertungen wie die von Finanztest. Aber Sie können von der Finanztest-Redaktion nicht erwarten, dass sie Ihnen sagt, welche Produkte Sie erwerben sollen. Der Artikel will im Übrigen ja auch nicht den Kleinanlegern die volle Verantwortung in die Schuhe schieben. Er weist - zu Recht - darauf hin, dass auch die Anleger Verantwortung für ihr Handeln haben. Und der müssen sie gerecht werden.
Angst vor Eigenverantwortung überflüssig
Laut Umfrage misstrauen 75% ihrer Bank. Na und? Trotz Verluste mit Steuersparmodellen, überbewerteten Aktien des Neuen Marktes und zuletzt Zertifikaten, werden Anleger – fast schon blind – auch künftig ihr Geld den Banken anvertrauen. Dabei ist längst bekannt, dass dort wo die absolute Sicherheit, die höchste Rendite und der größte Steuervorteil versprochen wird, meist die Risiken lauern, und das die Banker nur ihre Gewinne maximieren wollen, ist auch Schnee von gestern. Daran soll mangelnde Wirtschaftsbildung schuld sein? Weit gefehlt! Hauptgrund für das Nicht-Auseinandersetzen mit Geldanlagen dürfte Bequemlichkeit sein. Oder sind alle Autokäufer Ingenieure? Informationsquellen über Geldanlagen sind zahlreicher, als über Autos. Wer bspw. Investmentfonds bevorzugt und sich damit auskennt, nimmt einen Fondsshop in Anspruch. Und aktuelle Markt- und Finanzinformationen liefern Onlineportale.
Eigenkapitalrendite und Anlegergier
Herr Friedrich: Nehmen Sie 100 Euro in die Hand, leihen Sie sich 400 Euro, und legen Sie den Betrag zu 5% an - voilà, da haben Sie ausgehend vom EBITDA auch 25% Eigenkapitalrendite. EK-Rendite ist eine Kennziffer, die isoliert über die Unternehmenslage so gut wie nichts aussagt, auch wenn Vorstände gerne anderes behaupten.
aber deutlich unvollständig. Es ist sehr wohl möglich, die Verkäufer per Gesetz dazu zu zwingen, klarere Aussagen über Verlustrisiken etc. machen und sie im Falle der Fehl-/Unterinformation zu Schadenersatz zu zwingen. Viele würden sich das sicher 2x überlegen, ein Papier zu kaufen, wenn Sie bei der Auftragserteilung zusätzlich eine fettgedruckte Klausel "Achtung: Verlust der Einlage bis zu 100% möglich" unterschreiben müßten. Es ist vollkommen naiv zu glauben, dass Verkäufer ohne einen gesetzlichen - strafbewehrten - Zwang umfassend und seriös über Risiken aufklären würden. Nicht ohne Grund gibt es andernorts entsprechende Regelungen, z.B. die gesetzliche Gewährleistung von 2 Jahren auf Waren.
Der geniale Camus war klarsichtig.
Die "innere" Angst treibt den Entscheidungssuchenden dazu, seine ureigenste Verantwortung zu fürchten und anderen zu vertrauen, obgleich auf der Hand liegt, daß ein Jeder nur an seinen eigenen Vorteil denkt - denken muß. Das gilt natürlich auch für Politiker, die keinerlei Vertrauen verdienen - die am allerwenigsten. Es bleibt nichts, als man selbst. Also arbeitet man an sich, wie es Sysiphus einst schließlich zur eigenen Zufriedenheit tat. Das klingt absurd, ist es auch und deswegen von besonderer Qualität, weil es funktioniert.
Dieses Thema verdient Vertiefung!
Der Artikel hebt sich wohltuend ab von der Masse der Beiträge ( auch hier).
Als Verbraucher kann ich mir zuhause kein Chemielabor einrichten, um selbst herauszufinden, ob ich Gammelfleisch gekauft habe oder sauberes. Dafür brauche ich den Staat. Ebenso kann ich mir keinen Stab von privaten Experten halten, um "toxische" von sauberen Papieren unterscheiden zu können. Auch hier muß ich mich darauf verlassen können, dass eine renommierte Bank mir mitteilt, was für ein Produkt ich kaufe. Wie wir aktuell sehen, haben aber Heerscharen von Spezialisten Risiken falsch eingeschätzt oder überhaupt nicht erkannt oder erkennen wollen. An dieser Stelle dem Kleinanleger die volle Verantwortung in die Schuhe zu schieben, ist eine Ungeheuerlichkeit, besonders weil ein Bekenntnis zur Verantwortung für die Finanzkrise von wirklich Verantwortlichen nicht zu hören ist. Ihr Beitrag tut weh angesichts der Sprachlosigkeit gegenüber täglich neuen Horrormeldungen von gigantischen Ausmaßen, die alle Spielräume in der Politik zunichte machen.
| Name | Performance 1 Jahr | |
|---|---|---|