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Geldanlage Der warme Winter trübt den Blick

18.01.2007 ·  Milde Temperaturen helfen dem Bau und kurbeln in Amerika den Konsum an. Anleger sollten diese Effekte im Hinterkopf haben - sonst ordnen sie positive Meldungen vom Arbeits- und Immobilienmarkt vielleicht zu optimistisch ein.

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Das Wetter beherrscht wieder die Schlagzeilen - und das nicht erst, seitdem Orkan „Kyrill“ über Deutschland braust. Der milde Winter macht den Klimawandel fühlbar. Skifahrer müssen in die Halle, weil sie sonst keinen Schnee finden, die Tiere sind irritiert, die Pflanzen wähnen sich schon im Frühling.

Auch auf die Wirtschaft haben die milden Temperaturen Auswirkungen, wie eine Studie der Dekabank zeigt. „Der bisher warme Winter hat bereits seine insgesamt positiven Spuren in der wirtschaftlichen Entwicklung von Deutschland und den USA hinterlassen“, schreiben die Volkswirte der Bank.

„Allenfalls ein leichter Konjunkturschub“

Doch nicht die gesamte Wirtschaft profitiert: „Während die Baubranche von den milden Temperaturen profitiert, gelten die Versorger gemeinhin als Verlierer der aktuellen Winterwärme. Für die Einzelhändler sind die Auswirkungen uneinheitlich.“

Der Ölpreis neige temperaturbedingt zu einer Schwäche, die aber nicht von Dauer sein werde. Der milde Winter führe vor allem zu einer zeitlichen Verschiebung der Produktionstätigkeit. Auf positive Effekte für die Konjunktur müsse man aber nicht hoffen: „Unterm Strich bleibt allenfalls aufgrund von Zweitrundeneffekten ein leichter zusätzlicher Konjunkturschub übrig.“

Bau profitiert in Deutschland deutlich...

Durch die ungewöhnlich warmen Temperaturen würden die Wirtschaftsstatistiken etwas durcheinander gewirbelt. „Die sonst zu beobachtenden Pausen in der Wirtschaftsaktivität, etwa im Bau, im Einzelhandel oder am Arbeitsmarkt, fallen ganz oder teilweise aus.“

Der Bau könne seine Produktion aufrechterhalten und den Auftragsbestand frühzeitig abarbeiten. Es sei allerdings nicht leicht, die Witterungseffekte zu beziffern: „So hängen sie davon ab, ob die Bauindustrie genügend Aufträge hat, um den zusätzlichen Produktionsspielraum auch auszunutzen. Nach dem Auftragsboom durch vorgezogene Baumaßnahmen in Folge der Mehrwertsteuererhöhung und durch den vorherigen Wegfall der Eigenheimzulage sollte dies derzeit der Fall sein.“ Insoweit sei durchaus zu erwarten, dass das Jahr 2007 mit sehr guten Daten für die deutsche Bauwirtschaft beginnt.

... und in Amerika wohl nur kurzfristig

In den Vereinigten Staaten dagegen schrumpft die Baukonjunktur. „Nur bei einzelnen Bauindikatoren (beispielsweise bei den Baubeginnen im November) konnte in den vergangenen Monaten wieder eine leichte Aufwärtsbewegung festgestellt werden. Deren positive Entwicklung führen wir in der Tat auf die milden Wintertemperaturen zurück“, schreiben die Autoren.

Die günstigen Witterungsbedingungen könnten die Abwärtsbewegung im privaten Wohnungsbau in den Vereinigten Staaten zwar nicht stoppen, kurzfristig jedoch zumindest stützen.

Versorger erleiden Einbußen

Zu den Verlierern werden dagegen die Energieversorger gezählt, denn die Menschen heizen weniger. Die Deka-Volkswirte sehen den vermuteten Zusammenhang zwischen der Produktion der Versorger und der Temperaturabweichung in den Wintermonaten durch die Daten sowohl für Deutschland als auch Amerika bestätigt.

Beim Einzelhandel dagegen ist die Sache nicht so einfach: In den Vereinigten Staaten profitiere der Sektor, wenn die Kauflust der Konsumenten nicht durch die sonst üblichen Schneestürme gebremst werde. Erkennbar war dies beispielsweise im Januar 2006: „Dieser Monat war um fast vier Grad Celsius wärmer als sonst, und fast alle Bereiche des Einzelhandels konnten hiervon profitieren, sodass der Umsatz insgesamt weit überdurchschnittlich um drei Prozent gegenüber dem Vormonat anstieg.“

Auswirkungen auf den Einzelhandel fraglich

In Europa dagegen müsse ein wilder Winter für die Händler kein Vorteil sein. Eine Rolle spiele zum Beispiel, ob das Sortiment zur Witterung passe. Der deutsche Einzelhandel habe zum Beispiel vor einem Jahr unter dem harten Winter gelitten: „Dieser hatte dazu geführt, dass die Frühjahrskollektionen in den Regalen der Bekleidungshäuser liegen blieben, weil bei Schnee und Frost niemand an den Sommer dachte.“

Im Herbst vergangenen Jahres war es dagegen die ungewöhnlich milde Witterung, die die Winterkollektion zu Ladenhütern machte. Ein schwacher Trost könnte bleiben: „Bleibt der Winter auch im Februar mild, so kann der Bekleidungseinzelhandel dafür seine Frühjahrskollektionen umso besser verkaufen und wenigstens einen Teil der 'Frostschäden' ausgleichen.“ Alles in allem können die Deka-Volkswirte weder für Deutschland noch Amerika einen stabilen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Einzelhandelsumsätze und den Temperaturen in den Wintermonaten ausmachen.

Zeitliche Verschiebung von Wirtschaftswachstum

Anders ist das auf dem Arbeitsmarkt, dort sei der Zusammenhang eindeutig: Die zuletzt guten Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten führt die Dekabank auf den milden Winter zurück. In erster Linie liege das am Bau. Aber auch die witterungsbedingt höhere private Nachfrage wirke sich stützend aus. Der amerikanische Arbeitsmarkt profitiere wegen der höheren Flexibilität stärker als der deutsche.

Die Autoren der Studie betonen, dass es sich bei den positiven Effekten in erster Linie um eine zeitliche Verschiebung von Wirtschaftswachstum handelt. Auf dem Bau zum Beispiel fehle die vorgezogene Produktion zu einem späteren Zeitpunkt. „Dauerhafte Impulse sind nur in Form von Zweitrundeneffekten denkbar, nämlich dann, wenn beispielsweise gute Arbeitsmarktdaten dazu führen, dass die Haushalte mit größerer Zuversicht in die Zukunft blicken und großzügiger konsumieren.“

Milder Winter verzerrt das Bild

Anleger sollten die Effekte des warmen Winters im Hinterkopf haben, wenn sie volkswirtschaftliche Daten einordnen wollen. So dürften die Baudaten aus Amerika auch in den kommenden Wochen besser ausfallen, als das in einem normalen Winter der Fall gewesen wäre. Es könnte das Bild einer Erholung am Immobilienmarkt entstehen, obwohl der Abschwung nur gebremst wird.

Auch vom Arbeitsmarkt könnten auf den ersten Blick zu positive Meldungen kommen. Noch ist nicht ausgemacht, ob der größten Volkswirtschaft der Welt tatsächlich die „sanfte Landung“ gelingt, von der so viele Investoren in ihren optimistischen Szenarien derzeit ausgehen. Der milde Winter irritiert nicht nur Flora und Fauna, sondern vielleicht auch manchen Anleger.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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