08.02.2007 · Fondsverkäufer werben gerne für Sparpläne. Der „Cost Average“-Effekt sorge für niedrigere Durchschnittspreise der Fondsanteile. Falsch, sagen Wissenschaftler. Den Sparplan verteufeln sie trotzdem nicht - aus anderen Gründen.
Von Patrick BernauSparpläne sind eine tolle Sache, sagen Fondsverkäufer, und zwar aus drei Gründen: Wer jeden Monat einen bestimmten Betrag einzahlt, zwingt sich erstens selbst zum Sparen. Zweitens kann es ihm nicht passieren, dass er beim Kauf den falschen Zeitpunkt erwischt. Und drittens bekommt er seine Fondsanteile auch noch billiger. „Cost Average“-Effekt heißt das im Finanzenglisch.
Er soll so funktionieren: Wenn die Kurse schwanken, gibt es für den gleichen Anlagebetrag bei hohen Kursen wenige Fondsanteile, bei niedrigen Kursen dagegen viele. Durch das Manöver sinke der Durchschnittspreis der Fondsanteile. Das wird von Fondsverkäufern oft durch eine simple Beispielrechnung verdeutlicht. „Dank des Cost-Average-Effekts profitiert ein Fondssparer in allen Marktsituationen“, heißt es dann manchmal.
Andere Strategien sind besser
Anlegern leuchtet das schnell ein. Viele glauben, dass sie durch den geringeren Kaufpreis einen zusätzlichen Gewinn erhalten - und gleichzeitig auf das Risiko verzichten, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen. Doch in der Realität ist das nicht so einfach. Der Effekt hängt ganz entscheidend davon ab, wie sich die Kurse tatsächlich entwickeln, haben Wissenschaftler herausgefunden.
Finanzprofessor Thomas Langer von der Universität Münster hat verschiedene Kursverläufe untersucht und zeigt, dass eine andere Strategie höhere Gewinne bringen kann: Statt einen konstanten Betrag zu sparen, kaufen die Anleger immer die gleiche Anzahl an Aktien oder Fonds. Denn: Wer stets die gleiche Anzahl ordert, kauft zwar im Durchschnitt teurer. Aber wenn die Kurse nach oben gehen, hat er auch mehr Anteile im Depot als bei der „Cost Average“-Strategie. Und wenn die Kurse nach unten gehen, macht er mit weniger Anteilen Verlust. Das halten Praktiker allerdings für wenig sinnvoll. „Praxisnah ist doch die regelmäßige Anlage eines gleichbleibenden Betrags“, sagt BVI-Experte Frank Bock.
Nur einen Teil des Vermögens umschichten
Eine andere Möglichkeit ist es, einen größeren Geldbetrag auf einmal anzulegen. Auch das passiert in der Praxis oft. Die Anleger nehmen dann Geld, das sie schon auf die Seite gelegt hatten: vom Sparbuch in Aktien oder zurück.
Auch in solchen Fällen empfehlen einige Anlageberater, das Geld nach und nach umzuschichten. Besonders beliebt ist das kurz vor dem Ruhestand, wenn das Geld von riskanten Aktien und Fonds in sicherere Anlagen getauscht werden soll. Doch wer nach und nach umschichtet, sichert sich auch hier im Durchschnitt keine höhere Rendite, wie vier Forscher der Hochschulen Chemnitz und Zwickau errechnet haben. Bei der Einmalanlage ist das Risiko allerdings groß, am Ende doch den falschen Zeitpunkt zum Verkauf zu erwischen. Viele Anleger haben davor Angst. Ihnen empfiehlt Fachmann Langer, nur einen Teil des Vermögens umzuschichten und den Rest zu behalten. Das heißt in der Praxis: Soll das Vermögen etwa über fünf Jahre umgeschichtet werden, verkauft der Anleger zum Beispiel die Hälfte der Aktien auf einmal, behält die übrigen aber fünf Jahre.
„Buy and hold“ bringt mehr Rendite
„Buy and hold“ nennt Langer diese Anlagestrategie, er hat sie anhand von einer Million zufälliger Simulationsläufe und mit Hilfe von langjährigen Daten des Deutschen Aktienindex Dax mit der „Cost Average“-Strategie verglichen. Das Ergebnis: „Buy and hold“ bringt mehr Rendite als der Umschichtungsplan und gleichzeitig weniger Risiko.
Das erklärt Langer so: Der Umschichtungsplan setze auf eine Risikostreuung, die im Zeitablauf wirkt, die „Buy and hold“-Strategie dagegen auf eine konstante Risikostreuung zwischen verschiedenen Anlageklassen. „Die zeitliche Streuung wirkt schwächer als die konstante.“ Den Sparplan verteufelt Langer trotzdem nicht: Der sei gut für Anleger, um regelmäßig Geld wegzulegen. Aber wer beim Umschichten teure Gebühren für einen speziellen Plan zahle, könne sich die locker sparen.
Patrick Bernau Jahrgang 1981, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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