Wer wissen will, wie viel Fonds und Zertifikate wirklich kosten, hat es nicht leicht. Die Investmentgesellschaften veröffentlichen zwar den Ausgabeaufschlag und die Managementgebühr. Aber das sind längst nicht alle Ausgaben, die auf den Anleger zukommen und die einfach von seinem Kapital abgezwackt werden, in guten wie in schlechten Börsenzeiten. Nun neigen Anleger dazu, das Aufrechnen von Gebühren als kleinlich abzutun. Entscheidet am Ende nicht die Rendite über Erfolg oder Misserfolg einer Geldanlage?
Ein wenig erstaunlich ist es schon, dass die Deutschen, die oft beim Einkaufen im Supermarkt Sparsamkeit zum obersten Gebot machen, ausgerechnet bei der Geldanlage nicht auf den Preis gucken. Sie bohren beim Bankberater nur selten nach: Was bekomme ich für mein Geld - und wie viel behält die Bank davon? Und sie strengen nur selten Preisvergleiche an, um herauszufinden, ob sich anderswo vielleicht eine vergleichbare oder sogar größere Renditechance zu geringeren Kosten bietet. Die Bequemlichkeit rächt sich. Wenn es dumm läuft, fressen die Gebühren die Rendite auf. In den meisten Fällen ist der Ertrag jedenfalls mickriger, als er sein könnte.
„It's the costs, stupid!“
Auf den ersten Blick ist alles klar: Anleger durften sich im vergangenen Jahr über einen schönen Gewinn freuen. Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland brachten im Durchschnitt ein Plus von 21 Prozent. Doch auf den zweiten Blick stellt sich Ernüchterung ein. Denn der Deutsche Aktienindex Dax gewann 2006 ganze 22 Prozent. Mehr als die Hälfte der Fondsmanager schnitt schlechter ab als der Index, der schlechteste verdiente nur zehn Prozent.
Das ist kein Ausreißer. Langfristig gelingt es nur wenigen aktiv gemanagten Aktienfonds, den Index zu schlagen. Die amerikanische Ratingagentur Morningstar hat nachgerechnet, dass in den neun Jahren bis zum Januar 2006 in zwei Drittel der Fälle der Index, also der Marktdurchschnitt, erfolgreicher war als die aktiven Manager. Research Director Russel Kinnel hat auch eine Erklärung dafür: „It's the costs, stupid!“, die Kosten sind daran schuld. Anleger seien deshalb gut beraten, nach preiswerten Fonds zu suchen. Es sei kein Zufall, dass die günstigen Indexfonds den Durchschnitt aller teuer gemanagten Fonds abhängen (siehe auch: Indexfonds: Billig - und trotzdem gut).
Die Rechnung ist einfach
Und es ist bestimmt kein Zufall, dass Morningstar in Deutschland gerade zwei große Investmentgesellschaften zu den besten Anbietern des Jahres 2006 gekürt hat, die stark auf börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), setzen. State Street und Indexchange belegen in der Kategorie Aktienfonds den ersten und zweiten Platz. „Der Kostenvorteil hat zu dem guten Rating verholfen, in das auch Risiko und Rendite einfließen“, erklärt Fondsanalystin Natalia Wolfstetter.
Die Rechnung ist einfach: Beim Einstieg in einen Aktienfonds wird eine Eintrittsgebühr von fünf Prozent fällig. Bei Rentenfonds beträgt der Ausgabeaufschlag meist drei Prozent. Offengelegt wird auch die Managementvergütung: Für die Verwaltung wird jährlich ein Entgelt von 0,5 bis zwei Prozent fällig, je nach Art des Fonds.
Die wenigsten Fonds schlagen den Index
Das ist aber längst nicht alles. Die Investmentgesellschaften müssen einen Wirtschaftsprüfer bezahlen, der den Prospekt absegnet, sie geben Geld für Werbung aus, drucken Rechenschaftsberichte und vieles mehr. Diese Kosten werden in der „Total Expense Ratio“, kurz TER, zusammengefasst. Die meisten Gesellschaften veröffentlichen diese Kennzahl. Sie steigt stetig.
2006 zahlten Anleger gut zwei Prozent für die laufenden Kosten an die Fondsgesellschaft. Dabei sind die Transaktionskosten noch nicht eingerechnet, die durch den Kauf und Verkauf von Aktien und Anleihen entstehen. Rechnet man sie hinzu, kommt man auf schätzungsweise 3,5 Prozent Gesamtkosten. Ein Fondsmanager muss ein ziemlich großes Risiko eingehen, um diese Ausgaben wettzumachen und wenigstens ebenso gut abzuschneiden wie der Index. Das gelingt nur einer Minderheit (siehe auch: Nur wenige Aktienfonds schlagen den Index).
Die Wucht des Zinseszinseffekts
Mit einem börsengehandelten Indexfonds (ETF), beispielsweise auf den Dax, wissen Anleger von vornherein, dass sie so viel gewinnen oder verlieren wie der Deutsche Aktienindex - nur zu geringeren Kosten als mit einem klassischen Fonds. Die Gesamtkosten von ETFs auf Aktienindizes liegen zwischen 0,15 Prozent für gängige Investments wie den Euro Stoxx 50 und 0,7 Prozent für exotische Märkte. Renten-ETFs kosten lediglich 0,09 bis 0,2 Prozent. Damit können die wenigsten Fonds konkurrieren.
Die Kostenunterschiede sind sichtbar, aber riesengroß scheinen sie nicht. Alles nicht so schlimm, möchte man meinen, und unterschätzt dabei die Wucht des Zinseszinseffekts. Wer heute 100.000 Euro in den Templeton Global (Euro) Fund investiert, zahlt erst mal einen Ausgabeaufschlag von 5,25 Prozent; die Anlagesumme schrumpft damit auf 95.012 Euro. Bei einer angenommenen Rendite von sechs Prozent besäße ein Anleger nach 30 Jahren 545.700 Euro.
„Kein Institut rät zu Indexfonds“
Alternativ könnte der Anleger sein Geld in den ETF iShares MSCI World stecken. Da hier kein Ausgabeaufschlag anfällt, kann der Anleger gleich mit 100.000 Euro arbeiten. Außerdem erzielt er eine um 1,4 höhere Rendite, weil die Kosten des ETF geringer sind: Während für den Templetonfonds 1,9 Prozent laufende Kosten (TER) anfallen, sind es beim ETF von iShares nur 0,5 Prozent. Statt sechs Prozent können also 7,4 Prozent Rendite unterstellt werden. Nach 30 Jahren werden so aus 100.000 Euro 853.000 Euro, gut 300.000 Euro mehr als beim Fonds. Das ist natürlich ein grob geschnitztes Beispiel, doch das Muster stimmt.
Trotzdem setzen sich kostengünstige Indexfonds in Deutschland nur langsam durch. Böse Zungen behaupten, es läge daran, dass hierzulande Fonds nicht gekauft werden, sondern verkauft. „Fakt ist, dass kein Institut zu einem börsengehandelten Indexfonds rät, weil der Berater daran nichts verdient“, sagt Karl Matthäus Schmidt, Chef der Quirin Bank. Er wirbt damit: „Als erste Bank in Deutschland geben wir sämtliche offenen und versteckten Provisionen der Produkthersteller an unsere Kunden zurück.“
„Bei Zertifikaten muss man genau hinschauen“
Vor dem Kunden versteckt wird zum Beispiel die schnöde Tatsache, dass der Bankberater, der einen Fonds verkauft, rund die Hälfte der Managementgebühr des Fonds als Bestandsprovision auf sein Konto bekommt. Damit hat er einen großen Anreiz, dem Kunden teure Produkte zu verkaufen.
„Die Kreativität, innerhalb von Finanzprodukten Kosten zu verstecken, hat enorm zugenommen“, beobachtet Schmidt. „Vor allem bei Zertifikaten muss man genau hinschauen.“ Hier ist es allerdings wesentlich schwieriger, die wahren Kosten aufzudecken. Bei gemanagten Zertifikaten sind Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühr längst üblich und oft genauso hoch wie bei einem Fonds. Richtig teuer sind die beliebten Garantiezertifikate oder Papiere mit komplexen Optionsstrukturen, da zweigen sich die Emittenten schon mal fünf bis acht Prozent vom Geld der Anleger ab. Die Masse der Index- und Discountzertifikate ist dagegen einigermaßen kosteneffizient. Hier ist der Wettbewerb groß und der Markt recht transparent. Ein beliebter Trick der Emittenten ist es auch, Zertifikate auf Preisindizes zu entwickeln statt auf Performance-Indizes. So streicht die Bank die Dividende ein - und nicht der Kunde.
Die Banken kassieren ab wo sie nur koennen !!
Marek Jacubiec (Marek55)
- 05.02.2007, 20:14 Uhr