11.07.2009 · Deutsche müssen oft mehr fürs Geldabheben zahlen als andere Europäer. Damit der Urlauber aber nicht wider Erwarten mittellos am Mittelmeer weilt, sollte er sich vorab über die dortige monetäre Versorgung informieren. Verbraucherschützer geben Rat.
Der Stress eines Urlaubs beginnt oft schon vor der Reise - beim Kofferpacken: Was muss alles außer Zahnbürste, Badehose und Sonnenbrille mit? Wer ins Ausland reist, sollte bei dieser Frage nicht haltmachen, nicht nur an Kleidung, Ausweis und gute Bücher denken, sondern sich auch vorab über die dortige monetäre Versorgung informieren.
„Bankkundenkarten und Kreditkarten sind im Ausland ein bequemes und unverzichtbares Zahlungsmittel“, sagt Josephine Holzhäuser, Referentin für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. In der Euro-Währungszone sei das direkte Bezahlen in Handel und Gastronomie kostenlos, Bargeld hingegen wegen des Diebstahlrisikos unsicher. Höchstens für die ersten Tage sollten Reisende einen geringen Vorrat mitnehmen, meint Holzhäuser. In Weichwährungsländern wie der Türkei oder osteuropäischen Ländern seien dabei die Tauschkonditionen vor Ort meist besser als in Deutschland. In Hartwährungsländern wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien sei es dagegen in der Regel günstiger, das Geld in Deutschland zu tauschen.
Deutsche zahlen am Geldautomaten vergleichsweise viel
Bei der Wahl zwischen Bankkunden- und Kreditkarte rät Holzhäuser bei kleinere Beträgen eher zur Kreditkarte. Denn mit einer Bankkundenkarte werde oftmals eine Pauschale erhoben. Beim Abheben am ausländischen Automaten sei dies umgekehrt: Mit Kreditkarte seien die Gebühren in der Regel in- und außerhalb des Euro-Gebiets meist höher als mit Bankkundenkarte, sagt die Referentin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Einige Direktbanken böten jedoch eine Kreditkarte in Verbindung mit einem Girokonto an und verzichteten dabei auf Gebühren.
„Wir Deutsche müssen am Geldautomaten vergleichsweise viel zahlen“, kritisiert Bernd Krieger vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland in Kiel. Das merkt er häufig persönlich: Wenn Krieger in Brüssel ist, zahlt er für Geldabheben 4,50 Euro, seine niederländischen und österreicherischen Kollegen jedoch nichts. Es gebe zwar eine EU-Verordnung, nach der Geldabheben im Euro-Gebiet nicht teurer als im Inland sein dürfe. In Deutschland muss jedoch ein Kunde einer Bank, der am Automat eines anderen Instituts abhebt, schon mal Gebühren von fünf Euro zahlen. Diese inländischen Kosten ermöglichen die Gebühren im europäischen Ausland.
Vorab über Kooperationen informieren
Beim Geldabheben am Automaten im Ausland sollten möglichst größere Beträge abgehoben werden, meint Krieger: „Das kann man sich ausrechnen, dass es wenig Sinn macht, nur 50 Euro abzuheben.“ Postbank-Kunden rät er zur „Sparcard“, mit der zehn Mal im Jahr weltweit kostenfrei Geld abgehoben werden kann (siehe Postbank in der Tabelle). Im Euro-Gebiet sollten Reisende zudem nach Möglichkeit bargeldlos mit der Kundenkarte zahlen, weil dies wie im Inland nichts koste. Weiter empfiehlt Krieger, sich bei der jeweiligen Bank zu informieren - besonders über Kooperationen: So können Kunden der Deutschen Bank unter anderem Barclays-Automaten gebührenfrei nutzen (siehe Tabelle).
„Mit den Karten sollten die Menschen genauso sorgfältig umgehen wie mit Bargeld“, warnt Josephine Holzhäuser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Man solle zum Beispiel seine Karte nicht im Hotelzimmer offen liegen lassen und auch nicht im Rucksack auf dem Beifahrersitz, während man das Auto verlasse, um ein Erinnerungsfoto zu machen.
Auch Peter Lischke, stellvertretender Geschäftsführer der Berliner Verbraucherzentrale Berlin, rät zur Vorsicht: „Wir haben keine konkreten Zahlen, wie viel ausgespäht wird.“ Es sei nicht so, dass sich Verbraucher massenhaft meldeten, denen ein Missgeschick passiert sei. Doch in ost- und südeuropäischen Ländern sei die Gefahr schon präsent. Das hörten sie immer wieder von Verbrauchern. Am Automaten solle man sich umschauen, ob jemand einen beobachtet, und besser nicht an dunklen Plätzen Geld abheben, sondern möglichst einen Automaten in einer Bank suchen, meint Lischke.
Die Verbraucherschützer geben einen Rat
Und wenn die Karte dann doch verschwunden ist? Deswegen sollen sich ein Urlauber am besten vor Reiseantritt bei seiner Bank schlau machen, wie er eine Karte bei Verlust und Diebstahl sperren lassen kann, rät Kerstin Altendorf, Pressesprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken. Bankkundenkarten lassen sich über die zentrale Sperrnummer der Kreditwirtschaft +49 (0)1805 021 021 sperren.
Bei Kunden- und Kreditkarten funktioniert dies auch direkt über die Bank und bei den meisten Instituten wie Sparkassen, Sparda-Banken, Volks- und Raiffeisenbanken über die aus dem Ausland gebührenpflichtige Notrufnummer +49 116 116. Dazu muss der Karteninhaber seine Kontonummer und Bankleitzahl nennen, anschließend werde bei einer Plausibilitätsprüfung zum Beispiel das Geburtsdatum abgefragt. Die Telefonnummern sollten Auslandsreisende am besten im Mobiltelefon speichern, meint Altendorf. Wer sich die Nummern aufschreibt, sollte sie, wie auch die Kontodaten, getrennt von der Bankkarte aufbewahren.
Die Verbraucherschützer geben einen Rat: Reisende sollen sich vorab bei ihrer Bank informieren - über die Gebühren, über die Akzeptanz der Karte im Urlaubsland, über Kooperationen mit anderen Instituten, die gebührenfreies Abheben ermöglichen. Damit der Urlauber nicht wider Erwarten mittellos am Mittelmeer weilt, aber auch damit keiner eine Überraschung erlebt, wenn er zurück in der Heimat die Kontoauszüge liest.
Ausländische Bankautomaten?
Marcel Münch (osterhas85)
- 11.07.2009, 13:32 Uhr
Malta: 4 bis 5 Euro Gebühren und dann noch ein Maximalbetrag von 100 Euro
K Zinser (klaus_zinser)
- 12.07.2009, 10:01 Uhr
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