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Gastkommentar „Dem nachhaltigen Geschäftsmodell gehört die Zukunft“

 ·  Auf schwankungsintensive Zeiten müssen sich Anleger am Neuen Markt einstellen. Davon jedenfalls geht André Köttner, Fondsmanager bei Union Investment aus.

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In dieser Woche musste der Neue Markt mal wieder einen deutlichen Rückschlag hinnehmen, nachdem die drei vorherigen Wochen von einer Bodenbildung und anschließenden Aufwärtstendenz gekennzeichnet waren. Den Marktteilnehmern wird offenbar mehr und mehr bewusst, dass sich die beiden Zinsschritte durch die US-Notenbank frühestens im Spätsommer auf die Fundamentaldaten im High-Tech-Sektor auswirken werden.

In den nächsten Tagen allerdings werden sich die weltweiten Technologiebörsen vor allem noch von den zum Teil noch ausstehenden Zahlen für das vierte Quartal leiten lassen. Und da könnte es eben noch zu der einen oder anderen negativen Nachricht kommen.

Das Internet wird weiter ausgebaut

Dementsprechend ist von einer hohen Schwankungsintensität auszugehen, ohne dass sich ein klarer Trend nach oben oder unten abzeichnen dürfte. Auf längere Sicht aber werden neue Investitionen in die verschiedenen Bereiche des e-Business fließen müssen. Denn - und daran wird kaum jemand zweifeln - das Internet wird weiter ausgebaut werden. Zwei Beispiele: Die Deutsche Bank will allein in diesem Jahr 500 Millionen Euro ins Thema e-business investieren. Und die Commerzbank hat ein Volumen von 1 Milliarde Euro bis zum Jahr 2002 angekündigt. Zudem sollten strukturelle Veränderungen zu einem weiteren Motor in diesem Segment werden.

Besonders wichtig erscheint mir in einer solchen Situation ein konsequenter Stock-Picking-Ansatz. Wir suchen dabei verstärkt nach solchen Wachstumswerten, die ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzuweisen haben. Oder anders ausgedrückt: Nur Werte, bei denen wir die Frage „Kann der Geschäftsbetrieb so lange aufrecht erhalten werden, bis die Firma profitabel arbeitet?“ mit einem klaren Ja beantworten, kommen in die engere Wahl für einen Kauf.

Genau hinschauen

Wer dafür nach Anhaltspunkten sucht, der sollte bei folgenden Punkten ganz genau hinschauen: 1. die Aussichten, die Markt- und Technologieführerschaft in einer schnell wachsenden Branche zu erlangen beziehungsweise halten zu können. 2. Ein bekannter Markenname sollte mit dem jeweiligen Produkt oder der Dienstleistung verbunden sein. 3. die Markteintrittsbarrieren für mögliche Konkurrenten sollten möglichst hoch sein. 4. Die Aussichten auf Gewinne sollten nicht erst in einer fernen Zukunft liegen.

Zu aussichtsreichen Kandidaten gehören aus unserer Sicht beispielsweise Kontron Embedded Computers. Das Unternehmen stellt intelligente Elektroniklösungen zur Steuerung von Anlagen und Geräten, beispielsweise von Telefonzentralen oder medizinischen Geräten her. Zu unseren Favoriten gehört auch Qiagen. Das Unternehmen ist weltweit führender Anbieter innovativer Technologien und Produkte für die Isolierung und Reinigung von Nukleinsäuren und sollte vom anhaltenden Boom in der Pharmaforschung profitieren.

Wer kopiert, verliert

Auch die Essener Medion sollte mit ihrem Geschäftsmodell einer spannenden Zukunft entgegensehen. Als Marketing- und Dienstleistungsunternehmen bietet Medion dem Nicht-Elektro-Fachhandel hochwertige Elektronikprodukte an mit gleichzeitigem Rund-Um-Service wie Marketing, Produktionsmanagement, Qualitätssicherung, Logistik und After-Sales-Services. Der größte Kunde von Medion ist die Supermarktkette Aldi. In unsere engere Wahl gehören zudem die Deutsche Entertainment als größter Livekonzert-Veranstalter sowie der Spezialist für Netzwersicherheit Articon Integralis.

Was Anleger eher meiden sollten, das sind vor allem Unternehmen, deren Geschäftsmodell sich leicht kopieren lässt oder die selbst nur andere Geschäftsideen kopieren. Dazu gehören beispielsweise die Internet-Einzelhändler. Wer lediglich regionale Internet-Dienste anbietet oder Waren übers Netz vertreibt, der ist und bleibt verwundbar.

Langfristig dürfte sich mit einer solchen Strategie und der Konzentration auf Werte wie die genannten ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielen lassen. Was unsere kurzfristige Erwartung an den Gesamtmarkt angeht, bleiben wir eher vorsichtig. Dennoch sollte bis zum Jahresende ein Indexstand von 4.000 Punkten im Nemax-All-Share-Index erreicht werden können.

Der Autor ist Fondsmanager des EuroAction: NM von Union-Investment.

Quelle: @hh
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