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Gastkommentar : ADR-Programme sind mit Vorsicht zu genießen

  • -Aktualisiert am

Warnt vor den Risiken bei ADR-Programmen: Stefan Laxhuber Bild:

ADRs und GDRs sind keine Aktien eines Unternehmens. Den meisten Anleger ist das nicht bewußt, obwohl sich damit viele Risiken verbinden. Welche das sind, erklärt Emerging-Markets-Experte Stefan Laxhuber.

          Bei vielen an internationalen Börsen inklusive Deutschland gehandelten Papieren zu Werten aus den Emerging Markets handelt es sich nicht um Aktien, sondern um ADRs oder GDRs. Das ist deshalb wichtig zu wissen, weil diese Produkte mit spezifischen Risiken verbunden sind, über die sich nicht alle Anleger bewußt sind.

          Um den Sachverhalt zu verstehen, ist es zunächst wichtig, sich bewußt zu machen, was ein ADR oder GDR ist. Als ADRs (American Depositary Receipts) werden auf Dollar lautende, von amerikanischen Depotbanken (depositary banks) in Amerika ausgegebene Aktienzertifikate bezeichnet, die eine bestimmte Anzahl hinterlegter Originalaktien eines ausländischen Unternehmens verkörpern und an ihrer Stelle am amerikanischen Kapitalmarkt wie Aktien gehandelt werden.

          Anleger sollten genau wissen, was sich hinter ADRs und GDRs verbirgt

          Es gibt keine exakten Vorschriften, in welchem Verhältnis ein ADR zur Originalaktie zu stehen hat. Daher gibt es z.T. recht skurrile Bezugsverhältnisse, die sich bei Kapitalerhöhungen oder -verringerungen, Gratisaktien, Splits u.ä. auch noch im Laufe der Zeit ändern können.

          GDR steht für „Global Depository Receipts“. Das Produkt ist vergleichbar mit einem ADR. Der Unterschied liegt darin, daß diese Depository Receipts nicht aus Amerika, sondern aus einem anderen Staat Land begeben wird. Ein ADR/GDR kann etwa nur dem Bruchteil einer Aktie, aber auch einer vollen Aktie oder einer Vielzahl davon entsprechen. So entspricht das hier gehandelte ADR auf die Aktie von Utd. Heavy Machinery einer Originalaktie, das von GUM zwei Aktien, das ADR von Lenenergo repräsentiert 80 Originalaktien usw.

          Damit ist es noch nicht genug, es kommt noch verwirrender: Bei einigen Aktien notieren bekanntlich Vorzugs- und Stammaktien, und hier liegen oftmals unterschiedliche Verhältnisse zugrunde. So repräsentiert das hier gehandelte ADR der Surgutneftegaz Vorzüge 100 Original-Vorzugsaktien, das ADR der Stammaktien hingegen nur 50 Original-Stammaktien. Und bei dem ADR des russischen Mobilfunkbetreibers Vimpelcom sind es gar Bruchteile: 1 ADR repräsentiert 0,75 Originalaktien.

          ADRs sind keine Aktien des Unternehmens

          Wenn Sie ein ADR kaufen, dann kaufen Sie im Grunde nicht die Aktie, sondern ein Papier, herausgegeben von einer Bank (z.B. der Bank of New York), das einen Anspruch auf diese Aktien verbrieft. Laut Gesetz kann der jeweilige Inhaber eines ADRs jederzeit gegen Rückübertragung des Zertifikats an die Depotbank die Herausgabe der bei einer ausländischen Hinterlegungsbank (custodian bank), in der Regel der Zweigstelle der Depotbank im Sitzstaat des ausländischen Unternehmens, verwahrten Aktien bzw. deren Verkauf an der ausländischen Börse verlangen.

          Ein wichtiger Grund für die Konstruktion von DR-Programmen liegt darin, daß bestimmte amerikanische institutionelle Investoren, wie staatliche Pensionsfonds, Lebensversicherungsgesellschaften oder Kreditinstitute, Beschränkungen hinsichtlich deren Investment in ausländische Wertpapiere unterliegen. Ein anderer Grund besteht darin, daß es für ausländische Unternehmen viel einfacher ist, ADRs an einer ausländischen Börse notieren zu lassen anstatt der eigentlichen Originalaktien. Da ADRs wie amerikanische Aktien behandelt werden, kann so ohne die Emission von Aktien auf dem amerikanischen Kapitalmarkt dieser von ausländischen Unternehmen genutzt werden. (Unterschieden wird außerdem zwischen unsponsored oder sponsored ADR-Programmen. Details dazu finden sich unter dem Link: Die Details von unsponsored oder sponsored ADR-Programmen

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