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Garantiefonds Kostet die Absicherung mehr als sie nützt?

07.03.2007 ·  Garantieprodukte werden bei Anlegern immer beliebter. Lohnt sich die Absicherung langfristig? Die Erfahrung spräche dagegen, zitiert Morningstar eine Studie der London Business School. Allerdings lassen sich die Argumente relativieren.

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Absicherungsstrategien seien seit längerem im Kommen, dafür spreche die zunehmende Verbreitung von Garantiefonds oder auch von Zertifikaten in den Depots von Privatanlegern, heißt es in eine Analyse von Morningstar. Die staatliche Regulierung sorge sogar dafür, dass auch institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds zu Beitragsgarantien verpflichtet würden. Aus diesem Grund müssten auch sie entsprechende Sicherungsmaßnahmen treffen.

Allerdings gebe es eine solche Absicherung nicht umsonst. Anleger trügen die Gebühren für die Absicherung und müssten einen Renditeverzicht in Kauf nehmen.

Die Absicherung gibt es nicht umsonst

Letzteres zeige eine vor kurzem vorgestellte empirische Untersuchung der London Business School. Die Autoren, Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton, untersuchten unter anderem den amerikanischen Aktienmarkt in den Jahren 1900 bis 2006. Sie verglichen die Anlageergebnisse mit und ohne Absicherung. Im Ergebnis fielen die Renditeeinbußen durch Absicherungsstrategien höher aus als die damit erzielte Risikominderung. Über den betrachteten Zeitraum berechneten Sie für den Aktienmarkt eine jährliche Rendite von 9,8 Prozent bei einem Risiko in Form der Standardabweichung von 19,8 Prozent. Dies sei die so genannte Buy & Hold-Rendite, bei der Anleger Wertpapiere kaufen und sie im Depot halten.

Eine Stopp-Loss-Strategie, die bei Kursverlusten von zehn Prozent zum Einsatz gekommen wäre, hätte eine jährliche Rendite von 8,8 Prozent bei einer Volatilität von 17,4 Prozent erzielt. Auch eine Gewinnsicherungsstrategie schnitt schlechter ab als die Buy & Hold-Variante. Wer Gewinne von zehn Prozent abgesichert hätte, wäre auf eine annualisierte Rendite von 5,9 Prozent bei einem Risiko von 11,5 Prozent gekommen. Vergleichbare Resultate lieferte die Betrachtung von Optionsgeschäften zur Kursabsicherung wie Protective Puts oder Covered Calls, die beispielsweise Discountzertifikaten zugrunde liegen, oder einer Kombination von beiden.

Die Absicherung reduzierte erwartungsgemäß das Risiko und die Rendite. Sie reduzierte aber auch die Rendite pro Risikoeinheit. Dies lasse sich beispielsweise anhand der Sharpe Ratio messen. Die Autoren der Studie errechneten für Wertsicherungskonzepte eine geringere Sharpe Ratio im Vergleich zur nicht gesicherten Anlage. Sie wiesen darauf hin, dass mit einer Mischung aus Aktien und Kasse, das heißt kurzfristige Anlagen wie Tagesgeld, bei gleichem Risiko höhere Renditen oder aber die gleiche Rendite mit geringerem Risiko zu erzielen waren.

Argumentation wirkt schlüssig, aber es bleiben Fragen

Wieso haben Absicherungsstrategien schlechter abgeschnitten? Aktienmärkte seien volatil und verliefen nicht linear. Die Renditen seien nicht gleich verteilt, sondern träten immer wieder zeitlich konzentriert auf. Das könne zur Folge haben, dass Anleger genau in diesen Periode nicht oder nicht vollständig dabei seien, heißt es bei Morningstar. Sie liefen deswegen Gefahr, die besten Jahre zu verpassen. Möglicherweise werde die Signifikanz dieses Resultates noch unterschätzt, da die Studie nicht die Kosten für Wertsicherungsstrategien berücksichtigten. Würde man diese mit einfließen lassen, hätte sich ein noch deutlicherer Vorsprung für die ungesicherte Anlage ergeben.

Dimson, Marsh und Staunton empfehlen aus diesem Grund die Verteilung des angelegten Kapitals auf verschiedene Anlageklassen und Regionen, da die Korrelation zwischen Aktien und Anleihenkursen langfristig abgenommen habe. Ihre Zahlen zeigten auch, wie schwierig es sei, auf lange Sicht die einfache Indexanlage zu schlagen.

Solche Argumente hören sich schlüssig an. Allerdings fragt es sich, ob der gewählte Zeitraum auch der richtige Referenzrahmen für einen normalen Privatanleger ist. Wer wird schon mehr als 100 Jahre leben oder leben wollen müssen, um mit etwas Glück die errechneten Durchschnittswerte zu erreichen? Abgesehen davon fielen in den betrachteten Zeitraum extreme Ereignisse wie Weltkriege, Währungsreformen und andere. Es stellt sich die Frage, ob man als Anleger solche tatsächlich aussitzen könnte und würde.

Alleine schon die hohen Korrelationen der verschiedenen Vermögenspreise der vergangenen Jahre lassen an der Argumentation gewisse Zweifel aufkommen. Sie werden verstärkt durch die Beobachtung, dass überdurchschnittlich erfolgreiche Anleger dieses Konzept nicht verfolgen. Sie investieren entgegen aller Theorie konzentriert und beschneiden oder vermeiden vor allem die Verluste (siehe zum Beispiel „Wir erzielen unsere Performance durch Stock-Picking“ oder auch „Wir setzen nach wie vor auf Energie und Rohstoffe“.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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