22.04.2009 · Geldanlagen, die den Erhalt des eingesetzten Kapitals sichern und dennoch eine stetige Rendite versprechen, sind derzeit bei den Anlegern besonders beliebt. Das Marktumfeld macht die Absicherung aber teuer.
Von Christian von HillerGeldanlagen, die den Erhalt des eingesetzten Kapitals sichern und dennoch eine stetige Rendite versprechen, sind derzeit bei den Anlegern besonders beliebt. So ist das Vermögen wertgesicherter Fonds im Februar gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus der jüngsten Absatzstatistik des Branchenverbands BVI hervor. Die Zahl wertgesicherter Fonds stieg im selben Zeitraum von 219 auf 261.
Doch die Fondsgesellschaften tun sich schwer, der großen Nachfrage von Anlegerseite nachzukommen. Schuld daran ist in erster Linie die Marktlage, die es den Anbietern von Garantiefonds derzeit besonders schwer macht. Das liegt vor allem am Konstruktionsprinzip der Garantie, die diesen Fonds zugrunde liegt. „Hinter den Garantiefonds steht die Idee, alles zu tun, um Verluste für den Anleger zu vermeiden“, erklärt Thomas Bossert, Mitglied der Geschäftsführung von Union Investment Institutional.
„Das jetzige Umfeld ist absolutes Gift für Garantiefonds“
Um einem Anleger zu garantieren, dass er die 100 Euro, die er angelegt hat, am Ende der Laufzeit auf jeden Fall zurückerhält, tarieren die Manager eines Garantiefonds zunächst aus, wie viele risikolose Anleihen sie kaufen müssen, damit diese inklusive Zinsen am Ende wieder 100 Euro ergeben. Bei einem Zins von derzeit etwa 3 Prozent für Bundesanleihen muss der Fondsmanager in diesem Beispiel rund 97,10 Euro in Anleihen anlegen, um nach einem Jahr wieder 100 Euro zu besitzen. Die Differenz von 2,90 Euro bildet das sogenannte Risikobudget, das der Fondsmanager einsetzen kann, um das Kapital des Anlegers zu mehren, in der Regel über Terminmarktinstrumente.
Mit diesem Risikobudget kann der Fondsmanager beispielsweise in deutsche Aktien investieren und dieses Portfolio über Verkaufsoptionen in deutschen Aktien absichern. Sollten die Aktienkurse fallen, steigt der Wert der Verkaufsoptionen und gleicht den Verlust aus. Da der Kauf der Verkaufsoptionen jedoch Geld und damit Fondsrendite kostet, gibt es Börsenphasen, in denen der Garantiefonds schlechter abschneidet als ein vergleichbarer klassischer Aktienfonds (siehe Grafik). Andere Modelle passen diese Risikopuffer dynamisch der jeweiligen Marktentwicklung an. „Die Kunst besteht darin, den Anleihenanteil im Portfolio so zu steuern, dass das Verhältnis von Anleihen und Terminmarktinstrumenten passgenau wird“, meint Bossert.
In der aktuellen Marktphase jedoch kommen zwei Dinge zusammen, die sich zum Nachteil von Garantiefonds auswirken: Der Zins für risikolose Anleihen ist sehr niedrig, wodurch das Risikobudget, das Garantiefonds zur Verfügung steht, schrumpft. Und durch die hohe Volatilität an den Finanzmärkten sind die Preise für Terminmarktinstrumente relativ stark gestiegen. „Das jetzige Umfeld ist absolutes Gift für Garantiefonds, weil jetzt niedrige Zinsen und hohe Volatilität zusammenkommen“, urteilt Ulf Becker, Partner und Leiter Absolute Return der Fondsgesellschaft Lupus Alpha. „Dadurch ist es zurzeit extrem teuer, langfristige Optionen zu kaufen.“
Absolute-Return-Fonds sind flexibler als Garantiefonds
Zeitweise sahen sich manche Fondsgesellschaften deshalb nicht in der Lage, Garantiefonds zu vertretbaren Konditionen auf den Markt zu bringen. So brachte Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, im Dezember eine Reihe schon angekündigter Garantiefonds nicht auf den Markt.
In der Zwischenzeit hat sich die Lage aus Bosserts Sicht gebessert. „Seit Ende vergangenen Jahres ist die Schwankungsbreite bei den meisten Standardwerte-Indizes wieder gesunken“, sagt der Fondsexperte. „Damit haben sich auch die Rahmenbedingungen für die Auflage von Garantiefonds wieder verbessert.“
Dennoch bringt die aktuelle Situation Garantieprodukten die Kritik ein, dass sie derzeit relativ teuer sind und ihr Nutzen für den Anleger insofern gering ist. „Ich persönlich bin kein Fan von Garantiefonds“, meint Becker. „Es gibt bessere Wege, um den Kapitalerhalt zu sichern und gleichzeitig Chancen am Markt zu nutzen.“ Denn es sei grundsätzlich schwer, eine Situation zu finden, in der am Tag der Fondsauflage die beste aller Welten für alle Beteiligten herrsche und die Investmententscheidung dann bis zum Ende der Laufzeit des Garantiefonds in vielleicht sieben Jahren halte.
Becker bevorzugt Absolute-Return-Fonds, die ebenfalls mit dem Konzept einer Wertsicherung arbeiteten, aber flexibler vorgehen könnten. Bei diesen Fonds müsse er nicht bei Fondsauflegung, sondern jeweils zu Jahresbeginn festlegen, wie viel er in Anleihen investiere und wie groß sein Risikobudget sei. Dieses müsse er auch nicht komplett zu Jahresbeginn verwenden, sondern könne im Jahresverlauf auf Opportunitäten warten und dann reagieren. „Dadurch sind wir flexibler als Garantiefonds“, sagt Becker.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |