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Französische Vermögensverwalter Auf den Spuren Carmignacs

20.12.2011 ·  Der Erfolg des Pariser Fondmanagers Carmignac lockt Nachahmer nach Deutschland. Immer mehr Fondsgesellschaften aus Frankreich drängen auf den Markt.

Von Christian von Hiller, Frankfurt
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© Anna Jockisch Diese Adresse lehrt viele Fondsgesellschaften das Fürchten: Carmignac Gestion an der Place Vendôme in Paris

Der Erfolg des französischen Vermögensverwalters Edouard Carmignac ruft viele Nachahmer auf den Plan. Gilt der deutsche Markt in der französischen Industrie als schwer einzunehmende Bastion, so ist es Carmignac Gestion gelungen, in den deutschen Markt für Vermögensverwaltung nicht nur einzudringen, sondern diesen auch tiefgreifend zu verändern.

45 Milliarden Euro verwaltet Carmignac Gestion derzeit für seine Kunden. Im vergangenen Jahr waren es sogar schon 55 Milliarden Euro. Damit ist die französische Fondsgesellschaft größer als so manche deutsche etablierte Fondsgesellschaft. Frankfurt Trust beispielsweise kommt auf 16 Milliarden Euro. Das Bankhaus Sal. Oppenheim, wie Frankfurt Trust im Besitz der Deutschen Bank, kommt mit Publikumsfonds auf 16,9 Milliarden Euro. Die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS verwaltet weltweit 256 Milliarden Euro.

Mandarine Gestion in Deutschland sehr aktiv

Zwar nennt Carmignac keine regionale Aufteilung des verwalteten Vermögens, doch klar ist auch: Sein Erfolg geht zum großen Teil auf das Konto des deutschen Geschäfts, das der nun weggegangene John Korter in den vergangenen Jahren von Luxemburg aus aufgebaut hat. Jetzt öffnet Carmignac ein Büro in Frankfurt.

Der Erfolg Carmignacs macht anderen Fondsgesellschaften offenbar Mut, es dem Portfoliomanager von der Place Vendôme in Paris gleichzutun. So ist Mandarine Gestion in Deutschland sehr aktiv. Die Vermögensverwaltung wurde im Dezember 2007 vom Fondsmanager Marc Renaud gegründet, der zuvor für eine französische Fondsgesellschaft gearbeitet hatte, die der Commerzbank gehörte. So war der Sprung nach Deutschland direkt bei Gründung selbstverständlich. An Mandarine Gestion ist Financière Dassault beteiligt, das Family-Office des Rüstungs- und Luftfahrtunternehmers Serge Dassault.

Terminmärkte erhöhen das Verlustrisiko

Selbst Fondsgesellschaften mit Namen, deren Aussprache außerhalb Frankreichs schwer fällt, wagen sich nach Deutschland. So versucht die Financière de l'Echiquier hierzulande ihr Glück. Dabei ist die 1991 gegründete Fondsgesellschaft nach verwaltetem Vermögen relativ klein. 4,4 Milliarden Euro betreuen die immerhin 89 Angestellten der Fondsgesellschaft.

Beide, Mandarine Gestion und Financière de l'Echiquier, ähneln sich in mancher Hinsicht Carmignac: Sie sind auf Aktien ausgerichtet und versuchen durch eine strikte Einzeltitelauswahl und eine gute Kenntnis der Unternehmen, in die sie investieren, den Anlegern einen Mehrwert zu bieten. Allerdings konzentriert sich Renaud auf Aktien in Europa und kauft nur Titel, von denen er überzeugt ist, während Carmignac auch Terminmärkte einsetzt, um die Rendite zu steigern. Das kann gutgehen, doch dadurch erhöht sich auch das Verlustrisiko.

„Wir folgen überhaupt nicht dem Marktkonsens“

Mit einem aktienbasierten Ansatz drängt auch Rothschild & Cie Gestion auf den deutschen Markt. Dies ist die Fondsgesellschaft der Privatbank Rothschild, einer der größten Investmentbanken in Europa, die Baron David de Rothschild führt. Vor allem mit der Beratung bei Übernahmen und Fusionen ist Rothschild bekannt geworden.

Im Fondsgeschäft steht Rothschild & Cie Gestion für eine Herangehensweise, die der für dieses Geschäft zuständige Partner Philippe Chaumel so beschreibt: „Wir fokussieren uns auf einige wenige Aktien, in die wir mit großer Überzeugung investieren.“ Damit meint er, dass sich die Fondsmanager bei ihren Anlageentscheidungen nicht an irgendwelchen Aktienindizes orientieren müssen, sondern dass sie die Freiheit haben, in jene Titel zu investieren, von denen sie wirklich überzeugt sind. Chaumel geht sogar einen Schritt weiter: „Wir folgen überhaupt nicht dem Marktkonsens, sondern wir glauben, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Fundamentaldaten und den Markterwartungen gibt.“

Britische und amerikanische Fondsgesellschaften wollen Kosten senken

Rothschild & Cie ist nicht allein. Eine andere Rothschild-Firma, Edmond de Rothschild Asset Management, hat gleich repräsentative Büroräume an Frankfurts derzeit schickster Adresse, dem Opernturm, angemietet und mit Rupert Hengster einen Geschäftsführer berufen, der sich schon im Fondsgeschäft von Oppenheim einen Namen gemacht hatte.

Als wäre dies nicht genug, wird neuerdings ein anderer Vermögensverwalter aus Paris in Deutschland aktiv, die Française AM, die ein Vermögen von 35 Milliarden Euro verwaltet. Im Januar geht in Deutschland dann auch offiziell Rouvier Associés an den Start. Die 1986 gegründete Vermögensverwaltung dürfte im Fondsgeschäft dann der kleinste Repräsentant Frankreichs hierzulande sein. 750 Millionen Euro verwalten die rund 20 Angestellten für ihre Fondskunden.

Derzeit ist zu beobachten, dass Fondsgesellschaften aus den Vereinigten Staaten oder Großbritannien weniger aktiv in Deutschland sind und mehr darauf bedacht zu sein scheinen, die Kosten zu senken. Diesem angelsächsischen Trend will die Grande Nation offenbar nicht folgen.

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