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Französische Fondsgesellschaft Carmignac Gestion will in Deutschland durchstarten

 ·  Die französische Fondsgesellschaft Carmignac Gestion will hierzulande substantiell Marktanteile hinzugewinnen. Sie sieht Chancen auf mehr Geschäft - und versucht, die Wachstumsdelle zu überwinden.

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© F.A.Z. Carmignac verwaltet weniger Geld

Die Fondsgesellschaft Carmignac Gestion will in Deutschland substantiell Marktanteile hinzugewinnen. „Deutschland ist für uns einer der drei bedeutendsten Märkte in Europa und bietet uns das größte Wachstumspotential“, sagte Edouard Carmignac, Gründer, Mehrheitseigner und Präsident von Carmignac Gestion. „Der deutsche Markt ist sehr offen“, sagte Carmignac weiter. Viele Bankvertriebe seien durchlässig für konzernfremde Produkte. „Wir wünschen uns, das wäre in anderen europäischen Ländern auch so.“

Diese Feststellung gelte besonders für regionale Banken wie die Sparkassen, sagte Eric Helderlé, Verwaltungschef von Carmignac, am Rande der Veranstaltung. In Ländern wie Italien sei die Marktdurchdringung gut doppelt so groß wie in Deutschland. Diese Lücke wolle Carmignac Gestion nun durch eine stärkere Präsenz in Deutschland mit einem Büro in Frankfurt schließen. Bei selbständigen Finanzvermittlern in Deutschland seien Carmignac-Fonds schon gut vertreten. Doch das Geschäft mit Family Offices - dies sind Vermögensverwaltungen für besonders reiche Privatkunden - und mit Privatbanken könne besser laufen, sagte Helderlé. Jetzt wolle Carmignac die Internationalisierung vorantreiben. Schon heute mache Frankreich nur 15 Prozent der Kundenbasis aus.

Überdurchschnittlich starke Wertzuwächse in der Krise

Edouard Carmignac hatte seine Berufslaufbahn als Finanzanalyst und Börsenmakler begonnen und 1989 seine eigene Vermögensverwaltung Carmignac Gestion gegründet. Vor sieben Jahren fing er an, seine Fonds in Deutschland zu vertreiben, bisher allerdings aus Luxemburg heraus. In der Spitze, Ende 2010, verwaltete Carmignac für seine Kunden mehr als 55 Milliarden Euro. Bis Ende vergangenen Jahres fiel das verwaltete Vermögen auf knapp 46 Milliarden Euro und hat sich per Ende März auf rund 48 Milliarden Euro erholt. Damit zählt Carmignac Gestion zu den größten bankenunabhängigen Fondsgesellschaften in Europa.

Zum Aufstieg Carmignacs hat maßgeblich der Mischfonds Carmignac Patrimoine beigetragen, dessen Vermögen zuletzt 21,7 Milliarden Euro betrug. Nachdem er nach dem Höhepunkt der Finanzkrise mit überdurchschnittlich starken Wertzuwächsen von sich reden machte, fiel er zuletzt zurück. 2010 erreichte der Fonds einen Wertzuwachs von 6,9 Prozent, während der Vergleichsindex um 15,3 Prozent stieg. 2011 lag die Wertentwicklung 0,8 Prozent im Minus, während der Vergleichsindex ein Plus von 1,8 Prozent aufwies. In diesem Jahr blieb er per Ende März leicht hinter seinem Vergleichsindex zurück. Dieser stieg um 2,7 Prozent, der Wert des Patrimoine um 1,7 Prozent.

Deutscher Markt habe sich sehr widerstandsfähig gezeigt

In den vergangenen fünf Jahren habe der Patrimoine einen jährlichen Wertzuwachs von im Durchschnitt 8 Prozent erreicht. „Ich werde glücklich sein, wenn wir die 8 Prozent auf Dauer halten“, sagte Carmignac. Der Fonds habe im vergangenen Jahr enttäuscht, räumte er ein. „Aber es war auch ein sehr schwieriges Jahr“, so Carmignac. Was die Wertentwicklung verhagelt habe, sei eine zu große Vorsicht gewesen, betonte Helderlé. Im Frühjahr hätte Carmignac keine europäischen Finanztitel halten wollen, weil er diese für zu gefährlich hielt. Dadurch hätte er die Rally bei Bankaktien verpasst, führte Helderlé vor dem Hintergrund aus, dass Carmignac immer wieder eine Neigung vorgehalten wurde, zu riskante Wetten einzugehen.

Im vergangenen Jahr erlitt Carmignac Gestion einen Rückgang im verwalteten Vermögen von mehr als 9 Milliarden Euro. Dieser setzt sich laut Helderlé zu 22 Prozent aus Kursverlusten in den Fonds und zu 78 Prozent aus Mittelabflüssen zusammen. Demnach haben die Anleger mehr als 7,1 Milliarden Euro aus den verschiedenen Carmignac-Fonds abgezogen. Diese Mittelabflüsse hätten in erster Linie in südeuropäischen Ländern stattgefunden. Der deutsche Markt habe sich jedoch sehr widerstandsfähig gezeigt. „Auch das ist ein Grund, warum wir in Deutschland wachsen wollen“, sagte Helderlé.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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